Freisens kleine Farm

Vier Alpakas sind bei Züscher Familie "eingezogen" – und faszinieren mit ihrer Art

Alpakas sind Herdentiere: Coco, Amy, Bella und Tary stehen gern beisammen. Sie kommunzieren durch Geräusche, zum Beispiel lassen sie ein Glucksen hören, kurz bevor sie spucken, eine Art Stöhnen zeigt Unzufriedenheit, ein helles Geräusch machen sie bei der Begrüßung. Fotos: Anna Sartorius
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Alpakas sind Herdentiere: Coco, Amy, Bella und Tary stehen gern beisammen. Sie kommunzieren durch Geräusche, zum Beispiel lassen sie ein Glucksen hören, kurz bevor sie spucken, eine Art Stöhnen zeigt Unzufriedenheit, ein helles Geräusch machen sie bei der Begrüßung. 

Olsberg/Züschen. „Man sollte nie in die Augen eines Alpakas schauen, denn dann verliebt man sich direkt. Da kann man nichts gegen machen“, sagt Jasmin Fischer lachend. Die Olsbergerin spricht aus eigener Erfahrung: In der Stuttgarter Wilhelma entdeckten sie und ihr Freund Benedikt Freise die flauschigen Tiere. Es kam, wie es kommen musste: Beide haben sich in die Tiere mit ihren großen Augen verguckt. Und werden nun begleitet von vier Huacaya-Alpakas. Coco, Amy, Bella und Tary leben auf einem Grundstück der Familie Freise am Rande von Züschen – und fühlen sich dort pudelwohl.

Zu Recht: Auf der großen umzäunten Wiese können sie grasen oder sich in der Sandgrube wälzen – alles mit bestem Blick auf Züschen. Für Jasmin Fischer, Benedikt Freise und dessen Eltern Andreas und Christiane Freise sind die Besuche bei ihren Alpakas wie eine kleine Auszeit vom Alltag: „Wenn die Tiere entspannt sind, sind wir es auch“, erzählen sie. „Außerdem bringen sie uns oft zum Lachen. Jedes Alpaka hat seinen ganz eigenen Charakter.“

Coco, sechs Jahre alt, ist die Mama der Halbgeschwister Bella und Amy. Sie ist die Leitstute und kann sich gut behaupten. „Bella ist vier, verfressen und ganz lieb“, erklärt Jasmin Fischer. Schwester Amy, die Jüngste mit ihren zehn Monaten, ist sehr neugierig und furchtlos. Ganz im Gegensatz zu Wallach Tary, sechs Jahre alt: „Er ist der Angsthase der Truppe und daher sehr wachsam. Er schaut nach jedem Geräusch.“

Dieser Blick erweicht jeden: Durch ihr liebe und witzige Art sind Alpakas, hier Bella, faszinierend anzuschauen.

Dass Jasmin Fischer und Benedikt Freise Tiere bei sich aufnehmen wollten, hat schon lange festgestanden. Eigentlich sollte es erst Dam- oder Rotwild sein, doch die Auflagen waren zu hoch. Schnell haben sich die beiden dann für Alpakas entschieden. Die Grundlagen der Haltung haben sie in einem Einsteigerseminar gelernt, auf weiteren Lehrgängen haben sich Jasmin und auch ihr „Schwiegervater in spe“ Andreas Freise weiteres Wissen über die aus den südamerikanischen Anden stammende, domestizierte Kamelform angeeignet und später den Sachkundenachweis abgelegt.

„Zum Beispiel wurde uns erklärt, dass Alpakas einen dreigeteilten Magen haben, also ‘halbe Wiederkäuer’ sind. Sie reagieren im Magen-/Darmbereich sehr sensibel.“ Auch die Pflege der Hufe oder des Fells – übrigens wasserabweisend – war Thema ebenso wie das Sozialverhalten: „Man kanns kaum glauben: Wenn zum Beispiel ein Tier geschoren wurde, schauen es die anderen Alpakas aus der Herde erst einmal schräg an. Da kann es vorkommen, dass es wegen seiner neuen Frisur ‘ausgelacht’ wird. Zumindest solange, bis die anderen selbst mit dem Scheren dran sind.“

„Sie haben eine sehr liebe und sanfte Art“

Scheren lassen muss Familie Freise die Tiere einmal im Jahr. Die Wolle kann weiterverarbeitet und genutzt werden zum Beispiel für Pullis oder Socken – oder Oberbetten, wie es Jasmin und Benedikt geplant haben. „Allergenfrei“, ergänzt Jasmin. „Außerdem ist der Mist ein super Dünger.“ 

Und wie war das noch gleich mit dem Spucken? „Da hat man erst einmal die Lamas im Kopf. Alpakas spucken aber ebenso viel, als Warnschuss untereinander zum Beispiel bei Futterneid, wenn nicht jeder seinen eigenen Platz an der Raufe oder seine eigenen Leckerli bekommt. Möchten sie sich verteidigen, dann treten sie“, erklären die beiden. 

Einige Vorkehrungen, wie sich um ausreichend Platz (1000 Quadratmeter für das erste Tier, 100 Quadratmeter für jedes weiteres) zu kümmern, einen 1,50 Meter hohen Zaun zu errichten oder genügend Heu bereitzustellen, musste die Familie noch treffen – und im August des vergangenen Jahres zogen die Tiere dann endlich bei Benedikt Freise und Jasmin Fischer ein, als ein Geschenk an sich selbst zum Jahrestag. Seitdem kümmern sich die Olsbergerin und die Züscher um ihre Tiere: Auch die Nachbarn haben ein Auge auf ihre exotischen Nachbarn, für Spaziergänger sind die Alpakas immer ein Hingucker.

Andreas Freise, Benedikt Freise und Jasmin Fischer beim Spaziergang mit Tary und Amy.

„In einigen Jahren kann ich mir vorstellen, mit ihnen Trekkingtouren anzubieten. Beim Wandern richtet sich die Geschwindigkeit nach den Tieren – sie sind eben auch gemütlich. Man muss sich wirklich auf die einlassen. Durch ihre liebe und sanfte Art sind Alpakas aber prädestiniert dafür. 

Auch im Umgang mit Kindern sind sie toll“, blickt Jasmin, die als Physiotherapeutin in Olsberg arbeitet, und sagt lachend: „Bis es soweit ist, brauchen sie allerdings noch ein wenig Erziehung.“ Bis dahin können die vier also noch ein ruhiges Leben fristen – und noch viele Menschen durch ihr Wesen und ihre großen Augen in ihren Bann ziehen.

Infos zu Alpakas

  • Alpakas sind eine in den Anden domestizierte Kamelform und stammen von der nördlichen Unterart des Vicunja ab. 
  • Wie ihre Urahnen sind sie äußerst genügsam, robust und können sich hervorragend an unterschiedliche klimatische Bedingungen anpassen.
  • Im Gegensatz zu ihren Verwandten, den von Guanacos abstammenden Lamas, dienten sie nie als Lastentier. Alpakas wurden als Fasertiere gezüchtet.
  • Alpakas kommen in zwei Rassen vor, dem eher robust wirkenden Huacaya mit seiner wärmenden Faser und dem schlanker wirkenden Suri mit der seidig glänzenden Lockenpracht.
  • Alpakas können bei guter Haltung 20 bis 25 Jahre alt werden. (Quelle: Alpaka Zucht Verein)

Infos und Impressionen gibt’s auch auf der Facebook-Seite „Hochsauerland Alpakas“.

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