Schwarze Schafe, junges Gemüse und Sportskanonen

Illegale Ferienwohnungen, Sport-Events, Uni-Standort: Das beschäftigt Winterberg

+
Der Winter bringt in Winterberg auch Stress mit sich: Staus sind jedes Jahr ein Thema. Dem möchte die Ferienwelt entgegenwirken.

Winterberg – Unter anderem Maßnahmen gegen illegale Ferienwohnungen, dazu Sportveranstaltungen im Sommer wie im Winter standen jetzt auf der Agenda eines Pressegesprächs mit Winterbergs Tourismusdirektor Michael Beckmann – ebenso wie ein Pilotprojekt.

Campus Winterberg 

Fachkräftemangel – ein Thema, das in aller Munde ist, nicht zuletzt im Hotel- und Gastronomiegewerbe. Um für Nachwuchs zu sorgen, möchte Beckmann einen neuen Weg gehen: Winterberg könnte Uni-Standort werden, ein sogenannter Mikro-Standort. In Kooperation mit der IUBH Dortmund, staatlich anerkannte private Hochschule, könnten mindestens 20 Interessierte ein Duales Studium im Fach Tourismuswirtschaft und Hotelmanagement beginnen. Die Kurse würden in Winterberg stattfinden, die Dozenten aus Dortmund anreisen. 

„Die Vorteile liegen auf der Hand: Wir könnten Studenten bestenfalls an Betriebe direkt vor Ort binden, junge Menschen in der Region für Hotel und Gastronomie begeistern und ihnen aufzeigen, dass das Gewerbe durchaus attraktive Berufschancen ermöglicht“, so Beckmann. Momentan laufen Gespräche mit interessierten Betrieben, um anschließend potenzielle Studenten zu werben. Im Falle, dass sich ausreichend Betriebe und Studenten melden, könnte Winterberg schon im Oktober 2020 Mikro-Standort – und somit Vorreiter in der Region – werden. 

Ferienwohnungen 

Über Buchungsplattformen wie AirBnB besteht für Vermieter die Möglichkeit, ihre Wohnungen gewinnträchtig an Feriengäste zu vermieten, insbesondere in Feriendestinationen wie Winterberg – lukrativer als bei einem dauerhaften Mietverhältnis. Aufgrund der stetigen Zunahme an Ferienwohnungen hat die Winterberg Touristik und Wirtschaft GmbH (WTW) im vergangenen Jahr damit begonnen, Ferienwohnungs-Anbieter zu überprüfen. Eine Dreiviertelstelle ist für diese Aufgabe eingerichtet worden, vorläufig befristet bis Ende 2020. 

Einerseits geht es hier um nicht bezahlte Kurbeiträge, andererseits um Fairness: „Angemeldete Vermieter müssen schließlich neben den Beiträgen weitere gesetzliche Pflichten wie den Brandschutz erfüllen“, erklärt Michael Beckmann. „Die meisten Gastgeber in Winterberg und den Dörfern erfüllen diese Vorgaben. Doch gibt es auch hier schwarze Schafe, die ihre Wohnungen illegal als Ferienwohnungen anbieten.“ 

So werden Vermieter, die zwar auf Buchungsportalen gelistet, jedoch nicht im elektronischen Meldesystem der WTW erfasst sind, aufgefordert, die Kurbeitragsmeldungen gegenüber der WTW vorzulegen. Kommen Vermieter der Aufforderung nicht nach beziehungsweise sind ihre Meldungen unglaubwürdig oder nicht nachvollziehbar, wird die Höhe der Kurbeiträge auf Basis der Daten des Landesamtes für Statistik geschätzt – das können empfindliche Beiträge werden, jüngst hat die WTW einen Schätzbescheid über 11.000 Euro verschickt. 

Insgesamt hat die WTW 450 Einträge zu Winterberg auf AirBnB entdeckt, teilte Beckmann jetzt mit – 240 davon korrekt, 130 liegen gar nicht in Winterberg, sondern werben nur mit dem Namen, bei 60 seien Recherchen wie Probebuchungen nötig, weil sie nicht genau zugeordnet werden können. „Airbnb ist allerdings nur eine Plattform von vielen“, gibt Michael Beckmann zu bedenken. „Wir versuchen, das Problem einzudämmen, es komplett zu verhindern, wird schwer. Doch wir haben viel erreicht.“

Deutsche Rennrad-Meisterschaften 2021

Dem Radsport kommt in der Ferienwelt stetig mehr Bedeutung zu – „schließlich ist Radfahren ein Sport, den fast jeder Einheimische und Gast betreiben kann, vom Downhill im Bikepark bis zum E-Biken im Trailpark“, so Beckmann. In Zusammenarbeit mit dem Radteam Sauerland bemüht sich unter anderem die Ferienwelt, die Deutschen Rennrad-Meisterschaften 2021 in die Region zu holen. 

„Diese würde am letzten Wochenende im Juni 2021 stattfinden – so wären auch die Sportler, die im Juli bei der Tour de France teilnehmen, mit am Start. Das bedeutet hohe mediale Aufmerksamkeit. Dazu würden die Rennrad-Meisterschaften perfekt zur (jungen, sportlichen) Marke Winterberg passen und zeigen, dass wir auch ‘Sommer können’.“ Die Entscheidung soll in Kürze fallen.

Snowboard-Weltcup 

Am 14. und 15. März 2020 findet der FIS Snowboard-Weltcup am Winterberger Poppenberghang statt, bereits zum fünften Mal. „Dieser Weltcup ist wichtig für das Image der Ferienwelt: Er zeigt, dass man bei uns auch noch im März Skisport betreiben kann“, erklärt der Tourismuschef. Daher hofft er, dass Winterberg ihn auch 2021 wieder ausrichten darf. 

Doch: „Es haben sich auch andere, größere Städte in den Alpen um die Ausrichtung beworben – große Konkurrenz für uns.“ Laut des internationalen Skiverbands FIS muss Winterberg dringend nachlegen, insbesondere in Sachen Rahmenprogramm. Michael Beckmann: „Laut FIS brauchen wir mehr Show. Wir werden also an einigen Stellschrauben drehen, angedacht sind kleinere Konzerte oder eine Art Kneipenfestival. Wir werden sehen, ob unsere Vorschläge den Ansprüchen der FIS genügen.“

Kleiner Ausblick auf die Wintersaison 

Stau insbesondere an Wintersportwochenenden – jedes Jahr aufs Neue leidiges Thema in Winterberg. In diesem Jahr befürchtet Beckmann durch die Öffnung des Autobahnteilstücks im Verlauf der A46 in Nuttlar noch mehr Verkehr, da sich die Anreise nach Winterberg aus den Niederlanden, Belgien und dem Ruhrgebiet verkürze. 

Ein großräumiges Verkehrsleitsystem müsse über Winterberg hinaus greifen, so Beckmann. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht und hoffen nun, dass die ganze Region an einem Strang zieht.“ Weiterhin sollen mobile ‚Traffic Lights‘ eingesetzt werden, um Gäste auch über Nebenstrecken zu leiten. Zudem werde wieder der Asten-Express (fährt von Ende Dezember bis Anfang März zusätzlich zu den regulären Bussen) eingesetzt, ebenso wie ein zusätzlicher Zug. Ziel: Die Gäste von der Straße auf die Schiene zu bringen. Beckmann ehrlich: „Wir werden das Problem nicht komplett in den Griff bekommen, besonders nicht an den Wochenenden. Doch wir bemühen uns.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare