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Zehnter runder Tisch der Flüchtlingshilfe der Stadt Winterberg

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Vertreter verschiedener Institutionen informierten über ihre jeweiligen Fachgebiete und stellten sich den Fragen der ehrenamtlichen Helfer (für Vollbild oben rechts klicken).

Winterberg. Zum zehnten runden Tisch der Flüchtlingshilfe der Stadt Winterberg versammelten sich knapp 40 ehrenamtliche und professionelle Kräfte. Vertreter der Stadt, der katholischen Kirche, der Volkshochschule, des Kommunalen Integrationszentrums, der Sekundarschule und des Caritasverband Brilon informierten über ihre jeweiligen Fachgebiete und stellten sich den Fragen der ehrenamtlichen Helfer.

Martin Klaholz, stellvertretender Fachbereichsleiter Arbeit und Soziales der Stadt Winterberg, zieht eine insgesamt positive Bilanz. Momentan setzen sich die 111 Asylbewerber aus 25 Nationen zusammen. Ein Drittel von ihnen ist unter 18. 38 davon sind in Arbeit, das heißt in Minijobs oder sozialversicherungspflichtig tätig, und acht weitere in Ausbildung. Die Neuzuweisungen sind 2018 mit 21 Personen im gleichen Rahmen wie bereits 2017. Von den 125 bereits anerkannten Flüchtlingen wohnen 108 in eigenen Wohnungen. 

Nicht ganz so rosig schildert Uwe Kruse (Schulleiter der Sekundarschule Medebach/Winterberg) die Situation der 22 Schüler mit Fluchthintergrund. Sie werden in der Regel altersgemäß eingeschult und haben, teils ohne Kenntnisse des lateinischen Alphabets, Schwierigkeiten den Stoff zu erarbeiten. Vier Stunden pro Woche werden sie von speziell geschulten Lehrkräften zum Deutschunterricht aus den Klassen genommen. Innerhalb der ersten zwei Jahre erfolgt keine Benotung der Leistungen, aber auch nach diesem Zeitraum muss diese hintenan gestellt werden. Es mangele an Sprachkenntnissen und Basiswissen der Grundschulzeit. Zwei Jahre seien an einer weiterführenden Schule nicht ausreichend, um sich mit Muttersprachlern zu messen. Kulturell, aus Unwissenheit oder bildungsbedingt werde die Schule elterlicherseits teils nicht unbedingt als wichtiger Lernort anerkannt und unterstützt.

„Schüler benötigen weitere Hilfen“ 

Auch die beiden Schulsozialarbeiterinnen sprechen in diesem Zusammenhang von einem hohen Unterstützungsbedarf. Somit sind noch viele Hilfen auf diesem Gebiet vonnöten. In der anschließenden Diskussion mit den Integrationspaten wurde herausgearbeitet, dass diese eine engere Zusammenarbeit wünschen. Der gute Kontakt zu den Familien ermögliche ihnen, das Bildungssystem und andere Werte näherzubringen. Die Schüler seien meist motiviert und sprechen recht schnell Deutsch. Sie benötigten jedoch weitere Hilfen, um sich in das kulturell und sprachlich fremde Schulsystem einzuarbeiten. Eva Keiter, Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums (KI) HSK, stellte die Aufstockung des KI um weitere Mitarbeiter und die Erweiterung ihrer Aufgabengebiete vor. Vor allem von dem Key Coaching – einer professionellen Vermittlungsstelle bei Diskrepanzen zwischen Arbeitgebern und ausländischen Arbeitskräften – verspricht sie sich positive Impulse auf die Arbeitswelt. 

Das Versprechen von Integrationsminister Dr. Stamp über die Verlängerung der „Komm An“-Mittel vom Land NRW bis 2022 sei eine gute Botschaft an die Ehrenamtler, die einige Projekte über diese finanzieren konnten. Der Fachdienst Integration und Migration des Caritasverband Brilon ist mit zwei Mitarbeiterinnen vertreten. Ingrid Asmus ist im Gesamt-Altkreis Brilon im Rahmen der Engagementförderung Ansprechpartnerin für die Ehrenamtlichen vor Ort und unterstützt integrationsfördernde Projekte. In Brilon, Marsberg und Olsberg ist sie zudem in der regionalen Flüchtlingsberatung unter anderem für (ausländer-) rechtliche Zusammenhänge zuständig. Simone Geck bietet im Altkreis Brilon, Meschede und Bestwig die Migrationsberatung für Erwachsene (ab 27 Jahren) und zusätzlich zweimal monatlich in Winterberg eine Außensprechstunde für alle Hilfebedürftigen an. In diesem Jahr forderte die stetig ändernde Gesetzgebung um den Familiennachzug viel Beratungszeit, hieß es.

Verschiedene Projekte geplant 

Zuletzt stellt Inga Bramane von der VHS drei Deutschkurse in Winterberg vor. Der Alphabetisierungskurs läuft 1,5 Jahre, umfasst 900 Stunden und endet mit dem A 2 Niveau. Ein weiterer Kurs findet nachmittags auf höherem Niveau statt. Ein niederschwelliger Einstiegskurs ergänzt das Angebot. Es sind noch Plätze frei und ein Quereinstieg ist auf Nachfrage möglich. Ingrid Baumeister von der Caritas Konferenz Winterberg berichtete über die aktuellen Angebote. Während die kleine offene Tür in der evangelischen Kirche mit sinkender Nachfrage eingestellt wurde, sei der zweiwöchige Schwimmkurs für Mütter und Kinder im Kurhaus St. Ursula ein großer Erfolg: Insgesamt engagieren sich im Bereich der Willkommenskultur der Caritas Konferenz Winterberg 18 bis 20 Helferinnen, eine Reserve von männlichen Helfern springt bei Aufbauarbeiten ein. 

Der Verein „kipepeo“ möchte Lebensmittel der Überflussgesellschaft retten. Jeden Samstag werden innerhalb von 20 Minuten Berge von Restlebensmitteln, die vom Caritas-Warenkorb nicht verteilt werden können, ausgegeben. Zielgruppe sind Winterberger Neubürger und Alteingesessene, die kein Essen wegwerfen wollen. Weiterhin ist der kleine Flohmarkt in den Wandlungsräumen ein Treffpunkt, in dem Sachen abgegeben und andere gegen kleines Geld wieder mitgenommen werden. Das Projekt „Nähkurs“ vermittelte fünf Syrerinnen das Wissen, eigene Kleidung zu nähen und wird fortgesetzt. Künftig wird eine Lesebetreuung innerhalb der OGS der Grundschule Winterberg angeboten. Die Ortsgruppe Siedlinghausen schilderte recht gegensätzliche Erfahrungen – Familien mit großem und geringem Unterstützungsbedarf. Neben dem monatlichen Kaffeeklatsch wird ab Januar ein Mütter-Kinder-Schwimmen angeboten.

„Gute Zusammenarbeit“ 

Allgemeiner Tenor der Ehrenamtler ist, dass die Hilfen sich verlagert hätten und teilweise sehr anspruchsvoll seien. Die gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern der Stadt, vor allem dem Hausmeister, wurde betont. Im Frühjahr wünschen sich die Ehrenamtlichen bei einem Begegnungsfest für alle Bürger die besondere Unterstützung der Stadt – möglichst unter der Schirmherrschaft des Bürgermeisters. Bürgermeister Werner Eickler bedankte sich – wie bereits die anderen Vorredner – mit seinen Schlussworten besonders bei den ehrenamtlichen Helfern, ohne deren unermüdliches Engagement die Integrationsarbeit in Winterberg nicht zu bewältigen sei. Er warb dabei um ihren weiteren Einsatz als wertvolle Investition in die Zukunft der Stadt Winterberg und sagte umfassende, weitere Unterstützung zu.

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