Die wilden Kerle fallen ein

Zurück ins Mittelalter: Züscher feiern 775-jähriges Dorfjubiläum mit Heerlager

Die Spielleute Federschrey lassen beim Dorfjubiläum das Mittelalter erklingen, wie hier beim Jubiläum in Hesborn.

Züschen. Sie werden einfallen in Züschen! Sie werden ihre Schwerter und Schilder mitbringen, Pfeil und Bogen, ihre Rüstungen, sie werden ihre Zelte aufschlagen und einen Teil des Dorfes besetzen! Um genauer zu sein, eine Wiese. Denn keine Sorge: Diese Menschen in ungewöhnlicher Kleidung möchten keinen Ärger machen, sondern singen, tanzen, feiern. Und das gemeinsam mit den Züschern: Denn sie begehen am 23. und 24. Juni ihr 775-jähriges Dorfjubiläum mit vielen Aktionen. Eine davon ist das Heerlager, das die „Spielleute Federschrey“ organisieren und zu dem besagte Mittelalter-Fans in das Nuhnedorf pilgern.

„Auf der Wiese des Heerlagers im alten Ortskern ist unsere selbstgebaute Taverne schon aufgebaut. In den kommenden Tagen werden sicherlich die ersten Zelte stehen“, erklärt Johannes-Georg Kappen, als Hans der Spielmann von Hohenfriedberg der Kopf der Spielleute Federschrey. „Zu dem Fest werden mehrere Ritterschaften und mittelalterliche Gruppen aus der nahen und ferneren Umgebung anreisen und die Wiese in ein mittelalterliches Dörfchen verwandeln.“ 

Ihre Zelte aufschlagen werden unter anderem die Freyen Raben vom Rheyn aus Düsseldorf, die Hospitaliter-Komthurey-Westfalen aus Sundern, die Ritter vom Stolzeberg aus Hesborn, die Sturmtagskanoniere aus Belecke, die historischen Bogenschützen aus Allagen und die Kumpaney zu Tuscene aus Züschen. Goldschmiedin Clarissa aus Diedenshausen wird den Besuchern die Kunst eines der ältesten Metallhandwerke überhaupt näherbringen. 

„Es gibt allerlei Spiel, Musici und Schabernack. Schwertkämpfer werden ihre Künste darbieten, mit den Bogenschützen können die Besucher selbst zu Pfeil und Bogen greifen. Die Kinder können gegen die Ritter kämpfen und sich natürlich ebenfalls im Bogenschießen beweisen“, ergänzt Johannes-Georg Kappen. „Außerdem präsentieren Tänzerinnen mittelalterliche Tänze und laden die Zuschauer zum Mitmachen ein. In der Taverne bieten die Knechte und Mägde Speis und Trank wie Rotwein, Met, Bier und Schmachtlappen feil.“ 

Die Spielleute Federschrey – Hans der Spielmann von Hohenfriedberg, Kirsten von Langen, Maren von Langen, Marie von Hohenfriedberg und Markus der Müller – lassen indes mit fremdartigen Instrumenten Klänge ertönen, die ganz zum Geschehen des Heerlagers passen, mit Schalmei, Hümmelchen oder Chalumeau, Barockgitarre, Davul oder Whistle.

 Einmalig soll die Atmosphäre werden 

Musik und Gesang gehören schon lange in das Leben der Spielleute, auch das Interesse an mittelalterlichen Klängen. Einige von ihnen haben schon zuvor in Bands gespielt und verschiedene, ungewöhnliche Instrumente ausprobiert. 2009 machten die Musiker dann Nägel mit Köpfen: „Seitdem sind wir als die Spielleute Federschrey auf Mittelaltermärkten, Stadtjubiläen und Mittelaltergelagen zu finden und veranstalten jedes Jahr unser eigenes Gelage in Borgs Scheune – 2019 bereits zum zehnten Mal“, erzählte Johannes-Georg Kappen. „Die Atmosphäre bei diesen Veranstaltungen ist einmalig.“ 

Einmalig soll die Atmosphäre auch in Züschen werden – nicht nur im Heerlager, sondern im gesamten Dorf. Mittlerweile haben die Aufbauarbeiten der ersten Hütten begonnen, in Scheunen und Garagen wird unermüdlich gebastelt und gewerkelt. 

Ein Blick ins Jahr 1993: Eine Hochzeitsgesellschaft zog beim 750-jährigen Jubiläum durch Züschen.

„Die Vorarbeiten sind abgeschlossen, nach vielen Treffen des kleinen und des großen Gremiums sind die organisatorischen Grundlagen geschaffen“, so Ulrich Schäfer stellvertretend für das Organisationsteam. Er verspricht: „Ein abwechslungsreiches Programm wird am Samstag und Sonntag auf der Bühne und im Dorf geboten. Die Züscher Vereine, Firmen und private Gruppen präsentieren sich in historischen Gewändern und zeigen alte Arbeitsweisen, Geräte und vieles mehr.“ Darunter sind eine Hochzeitsgesellschaft, Femegericht/Hexenprozesse, Feuerwehrübungen und eine landwirtschaftliche Ausstellung mit Mähvorführung. 

„Pins und Aufkleber zum Dorfjubiläum sind zudem im Verkehrsbüro in Züschen erhältlich“, so Ulrich Schäfer, „nun freuen wir uns auf viele Besucher, die mit uns feiern, und bereiten dafür alles vor.“ Schließlich werden schon bald die wilden Kerle und schönen Maiden mit Schwerten, Schildern, Pfeil und Bogen in Züschen einfallen – aber nur, um zu feiern. Alle Infos gib’s im Internet unter

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