In zwei Jahren Bobprofi

Paul Neagu (r.) brachte das belgische Damenbob-Team in zwei Jahren von Null in den Profibobsport.

Die Belgierinnen Leen Blondelle und Evi Petro erreichten jetzt im Zweierbob beim Europacup in St. Moritz den fünften Platz. Auf Platz sechs landeten Elfje Willemsen und Eva Willemarck. Für die vier Belgierinnen war das ein riesiger Erfolg, denn bis vor etwa zwei Jahren haben sie noch nie einen Eiskanal von innen gesehen. Ihre sportliche Blitzkarriere verdanken sie auch ihrem Trainer Paul Neagu aus Winterberg.

Angefangen hatte alles mit der belgischen Fernsehproduktion "Bobenko". Sinn der Sendung ist es, verschiedene Sportarten in Belgien nach oben zu bringen. Neben den Disziplinen Fußball oder auch Triathlon sollte auch ein bisher noch nicht in Belgien bestehendes Damenbob-Team im Rahmen der Sendung aufgebaut werden.

Sechs von 75 Bewerberinnen

Produktionsmanager Geert Vanvaerenbergh war deshalb auf der Suche nach einem geeigneten Trainer und kam durch die Empfehlung des NRW-Landestrainers Sven Peter auf Paul Neagu. "Rund 75 belgische Frauen mit sportlichem Hintergrund, wie etwa Sportstudentinnen hatten sich für das Casting beworben. Sie alle waren absolute Laien und hatten zuvor nie in einem Bob gesessen", erzählt Neagu heute. "Mit zwölf Frauen bin ich dann schließlich hier in den Winterberger Eiskanal gegangen. Sechs Frauen sind am Ende übrig geblieben. Diese haben wir in zwei Teams aufgeteilt." Mit ihnen trainierte der 54-jährige diplomierte Sportlehrer in seinem Trainingszentrum in Winterberg.

"Bobfahren ist eine sehr anstrengende Sportart. Wichtig ist, dass man physisch und muskulär in Form ist. Das konnten wir hier durch optimiertes Gerätetraining in kurzer Zeit erreichen", so Neagu, der selbst vor 30 Jahren durch den Bobsport aus Rumänien ins Sauerland kam. Damals war er Juniorenvizeweltmeister im Zweierbob. Nach seiner Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Königssee im Zweier- und Viererbob blieb er als NRW-Landestrainer in Winterberg und trainierte Bobsportgrößen wie Dirk Wiese, Peter Schliewa oder auch Rolf Dauber.

Und auch der Rest der Familie Neagu war und ist im Bobsport aktiv. Ehefrau Katalin-Emöke startete für Rumänien bei der ersten Damenbob-WM in Winterberg, Sohn Robert betreut heute als Physiotherapeut den NRW-Bob- und Schlittenverband und auch Sohn Andreas war bereits im Juniorenbereich des Bobsports aktiv.

Beim Europacup erreichte das belgische Damenbob-Team bereits in der Saison 2007/2008 den achten Platz. Bei der Junioren-WM kamen sie auf den neunten Rang. "Keiner der Experten hätte daran geglaubt, dass wir so schnell Erfolge erzielen würden", so Paul Neagu. "Bisher wurden wir durch das belgische Fernsehen finanziert. Nachdem wir unseren Erfolg in diesem Jahr noch steigern konnten, hoffen wir jetzt auf eine Anerkennung und Unterstützung durch den belgischen Bobsportverband und das Olympische Komitee.

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