„Sinnstiftendes Kulturgut“

„Wir haben derzeit eine Menge Sorgen“: Zukunft des Schützenwesens ist Thema bei digitaler Diskussion

Ob die Schützen dieses Jahr noch den Vogel ins Visier nehmen dürfen, auch darüber wurde in der Videokonferenz intensiv diskutiert. 
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Ob die Schützen dieses Jahr noch den Vogel ins Visier nehmen dürfen, auch darüber wurde in der Videokonferenz intensiv diskutiert. 

Die anhaltende Corona-Pandemie hat auch das Schützenwesen im Sauerland weiter massiv im Griff. Während zahlreiche Bruderschaften und Vereine ihre Hochfeste bereits schweren Herzens absagen mussten, warten andere noch ab und setzen vor allem in der zweiten Jahreshälfte auf das Prinzip Hoffnung. Über die Zukunftsperspektiven des Sauerländer Schützenwesens in diesen herausfordernden Zeiten diskutierten deshalb jetzt zahlreiche Mitglieder des Sauerländer Schützenbundes in einer Videokonferenz mit dem heimischen CDU-Bundestagsabgeordneten Prof. Dr. Patrick Sensburg.

Hochsauerland/Kreis Olpe - „Wir haben derzeit eine Menge Sorgen, aber keine Austritte und Nachwuchssorgen. Trotz der Pandemie wird auch in der Zukunft das Schützenwesen weiter ein fester Bestandteil in der Gesellschaft sein“, erklärte Bundesoberst Martin Tillmann in dem digitalen Meeting, an dem über 160 Schützen aus dem Sauerland teilnahmen.

So sehe er in der Pandemie durchaus auch die Chance, das Schützenwesen ein Stück weit breiter und moderner aufzustellen und beispielsweise den Nachwuchs verstärkt im Bereich Internet, Fotos und soziale Netzwerke digital miteinzubinden. Dadurch könnten auch die jungen Schützen die Historie des Vereins kennenlernen und die jeweilige Bruderschaft digital weiter nach vorne bringen. Entgegen dem demografischen Trend sei man vor Corona ohne Nachwuchssorgen gut aufgestellt gewesen, deshalb müsse man nun den Nachwuchs an den Verein binden und mit ihm im Gespräch bleiben, betonte Tillmann.

Die allgemeine Bedeutung des Schützenwesens unterstrich auch Patrick Sensburg: „In diesem Jahr wird es zwar schwer sein, Schützenfeste zu feiern, aber das Schützenwesen ist ein Kulturgut und Teil des regionalen Lebens. Im letzten Jahr hat es tolle Formate mit kleinen Zusammenkünften in den Dörfern gegeben, wo man sich auf den Kern des Schützenwesens besonnen hat.“ Es dürfe daher keinen Egoismus geben, indem Vereine hoffen, im Herbst noch etwas machen zu können. Solidarität sei gefragt in dieser schweren Zeit, so der CDU-Politiker.

Solidarität ist ein wichtiger Aspekt unter den Schützen. Es wäre gut, wenn keiner feiert.

Martin Tillmann, Bundesoberst des SSB

Diese forderte auch Martin Tillmann ein. „2020 war eine Saison mit kreativen Momenten im kleinen Rahmen und Feldgottesdiensten unter freiem Himmel. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Saison normal starten kann. Solidarität ist ein wichtiger Aspekt unter den Schützen. Es wäre gut, wenn keiner feiert“, erklärte der Bundesoberst aus Lennestadt.

Doch nicht nur die Schützen selbst, auch Politik und Gesellschaft sieht Patrick Sensburg in der Bewältigung der Krise in der Pflicht. Man müsse das Schützenwesen erhalten und die Vereine bei den fehlenden Einnahmen unterstützen. „Das Schützenwesen ist mehr als Schützenfeste feiern. Es ist sinnstiftend für die Gesellschaft und hat sie mitgeprägt. Darum sollte die Gesellschaft dem Schützenwesen jetzt etwas zurückgeben“, verdeutlichte der Briloner Bundestagsabgeordnete.

Angebote für Schausteller gefordert

Corona sei eine Pandemie mit vielen Facetten. Darum solle jeder Verein die gebotenen finanziellen Hilfen vom Staat in Anspruch nehmen, etwa dort, wo Einkünfte durch Vermietungen weggebrochen seien. Gestiegene Bierpreise, höhere Kosten für Security und Reinigungskräfte oder auch immer mehr Auflagen wie beispielsweise bei den Vogelschießständen würden schon genug Sorgen bereiten. „Die Gesamtsituation ist schwierig für Schausteller, Zeltverleiher und Festwirte. Ich würde mir wünschen, dass die Gastronomie aufmachen kann. Das ist sicherer als die Party im Keller im privaten Bereich“, betonte Sensburg.

Man brauche Angebote in den kommenden Jahren für die Schausteller, damit sie überleben können. Denn ein Schützenfest ohne Autoscooter und Co. würde die Attraktivität schmälern. „Nach der Pandemie wird es sicherlich noch Zeltverleiher und Schausteller geben. Möglich ist aber, dass die Gebühren teurer werden“, ergänzte Martin Tillmann.

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