Helden am Boden

Filmkritik zu „Hidden Figures“

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Kinostart - "Hidden Figures - Unerkannte Heldinnen"

München - Da mag sie noch so schnell und gut rechnen können. Viel besser als alle weißen Männer um sie herum. Doch zur Toilette muss die begabte Mathematikerin Katherine Johnson (Taraji P. Henson) bei der US-Raumfahrtbehörde Nasa jedes Mal einen weiten Fußmarsch bis zu einem entfernten Gebäude antreten, in dem sich die Waschräume für die farbigen Damen befinden.

Als der ihr wohlgesonnene Chef des Raketenprogramms (Kevin Costner) davon erfährt, zertrümmert er das diskriminierende Schild mit den Worten „Hier gibt es keine Unterschiede. Wir erreichen unsere Ziele nur gemeinsam.“

Ganz so hat sich die Geschichte in Wirklichkeit nicht zugetragen. Aber trotz mancher dramatischen Zuspitzung bildet „Hidden Figures“ das ungewöhnliche Leben der drei ersten Nasa-Mathematikerinnen sehr eindrucksvoll ab. Strikte Rassentrennung und patriarchale Strukturen sind in den frühen Sechzigern allgegenwärtig, auch bei der Nasa in Langley. Die drei hochintelligenten Frauen stoßen deswegen immer wieder an scheinbar unüberwindliche Grenzen.

In ihrem Buch „Hidden Figures – Unerkannte Heldinnen“ (Verlag HarperCollins, 416 S.; 14 Euro) erzählt die Naturwissenschaftlerin Margot Lee Shetterley vom schwierigen Leben dieser Frauen, die sich nie entmutigen ließen. Jede hat auf ihre Weise dazu beigetragen, dass John Glenn 1962 als erster Mensch in einem Raumschiff die Erde umkreisen konnte.

Theodore Melfi hat das unterhaltsame, anekdotenreiche Sachbuch in einen bewegenden Spielfilm umgewandelt. Er schildert die ersten amerikanischen Weltraum-Erfolge nicht aus der Sicht der heroischen Piloten, sondern aus dem Blickwinkel jener, die diese Helden in der ersten Reihe überhaupt erst ermöglichten. Das waren die Physiker und Mathematiker in den fensterlosen Großraumbüros, die mit Bleistift und Rechenschieber die Umlaufbahnen berechneten. Deren Leistungen waren so phänomenal, da ist das ganze Pathos, in dem Melfi gelegentlich schwelgt, absolut angemessen.

Ulrike Frick

„Hidden Figures“

mit Taraji P. Henson,

Octavia Spencer, Kevin Costner

Regie: Theodore Melfi

Laufzeit: 127 Minuten

Sehenswert ((((;

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Der Stoff aus dem die Helden sind“ mochten.

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