Zu Recht ein Oscar-Kandidat 

„Fences“: Die Wucht der Worte

„Fences“ erzählt von Mauern, die aufgebaut werden, Worten, die eine Familie zusammenhalten und auseinanderbrechen. Ein Film, der zu Recht für einen Oscar nominiert ist. 

Zäune, Mauern – Donald Trump ist nicht das erste Staatsoberhaupt, das versucht, mit geschlossenen Grenzen das eigene Land vor Unerwünschten zu schützen. Leider übersieht er, was all die Schutzwall-Zieher vor ihm übersehen haben: dass der begrenzte Bereich von der anderen Seite aus betrachtet einem Gefängnis gleicht.

Pulitzer-Preisträger August Wilson hat sich in seinem Stück „Fences“ (1983) mit eben solchen Grenzen befasst. Mit denen, die die Gesellschaft setzt – vor allem aber mit denen, die wir uns selbst setzen. Bevor der Autor 2005 starb, schrieb er eine Drehbuchfassung, für die er nun postum mit dem Oscar geehrt werden könnte.

Worte, die die Familie auseinandertreiben

Regisseur, Produzent und Hauptdarsteller Denzel Washington gelingt es, der Wucht, die in den Zeilen des Stücks liegt, auf der Leinwand Geltung zu verschaffen – indem er die Sprache ins Zentrum setzt, ohne Sperenzchen. Denn die Worte sind es, die die Familie zusammenhalten – und auseinandertreiben.

Viel zum Gelingen dieses Kammerspiels trägt die herausragende dänische Kamerafrau Charlotte Bruus Christensen („Die Jagd“) bei. Sie positioniert sich vornehmlich im Hinterhof des Hauses von Troy (Washington) und Rose (Viola Davis), zwei Afroamerikanern in Zeiten der jungen Bürgerrechtsbewegung im Amerika der Fünfzigerjahre. Und beobachtet genau – von der Art, wie Troy sich die abgewetzte Hose am Po zurechtzieht bis zu den Sorgenfalten auf Roses Gesicht. Washington und Davis sind für ihr differenziertes Spiel zu Recht für den Oscar nominiert.

Es ist eine abgesteckte Welt, in der sich das Paar bewegt: Wohnzimmer, Hinterhof, Küche. Er Müllmann; sie Hausfrau. Und wenn er freitagabends beim Schnaps seine Münchhausen-Geschichten erzählt, dann hört man ihm anfangs noch gern zu, diesem Troy, der Baseballspieler hätte werden können, doch aufgrund seiner Hautfarbe die Karriere beenden musste. Troy lebt in der Vergangenheit und bemerkt gar nicht, dass im Land eine Aufbruchsstimmung herrscht, die seinem eigenen Sohn neue Chancen eröffnen könnte.

Rose ist die Heldin der Familie

Er verlangt absoluten Gehorsam und betont, dass er sich sein kleines Glück allein durch Disziplin aufgebaut habe. Der Zaun ums Haus aber, den Rose sich wünscht, macht deutlich, dass es ein fragiles Glück ist. Mit jedem Pfahl, den Troy für die Gartenbegrenzung zurechtsägt, bricht die scheinbar heile Welt mehr auseinander. Rose möchte bewahren, was in Wahrheit keine glückliche Ehe, sondern eine Zweckgemeinschaft ist. Dass beiden innerhalb dieser Grenzen kaum noch Luft zum Atmen bleibt, nimmt diese starke Frau für die Existenzerhaltung in Kauf. Sie ist die Heldin der Familie, während er sich im Redenschwingen verliert. Irgendwann wird ihm schmerzlich bewusst, er und sein unzuverlässiger Vater – „wir sind im Grunde gleich“.

Und so ist dieses von Washingtons facettenreich gespielten Monologen durchzogene Drama ein exzellentes Lehrstück über die Frage, wie man der Determiniertheit des Daseins ausweichen kann. Troys Sohn gelingt es, er selbst muss scheitern. Weil er sich gedankliche Grenzen setzt. Mit denen bleiben die aus Stein für immer bestehen.

„Fences“

Mit Viola Davis, Denzel Washington

Regie: Denzel Washington

Laufzeit: 138 Minuten

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Nächster Halt: Fruitvale Station“ mochten.

Rubriklistenbild: © dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare