„Das ärgert mich schon massiv“ 

Bei Lanz: Hannelore Kraft zofft sich mit Migrationsforscher

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Bunte Talkrunde: Ministerpräsidentin Hannelore Kraft und Migrationsforscher Ruud Koopmans (re.) geraten aneinander. Dazwischen zwei Karnevalsexperten in zum Studio passenden Hosen.

Hamburg - Flotte Sprüche, kuriose Hosen und dazwischen ein ernstes Thema: Bei Markus Lanz geht es mal wieder zur Sache. In der Diskussion geraten Hannelore Kraft und Migrationsforscher Ruud Koopmans aneinander.

Markus Lanz stellt Hannelore Kraft in der Talkrunde am Dienstagabend als eine Frau vor, die mal gesagt haben soll: „Erzählen Sie mir nichts über Männer, ich kenne alle ihre Stärken und ich kenne alle ihre Schwächen.“ Sollte Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin das wirklich gesagt haben, ist sie ihrem Motto in der Diskussion im ZDF treu geblieben.

Da lässt sie sich erstmal nichts vom Moderator vormachen und legt sich dann mit Ruud Koopmans an, einem „international renommierten Migrationsforscher“, der vor Kurzem mit einer Interviewaussage für Aufsehen sorgte. Er berief sich auf eine Umfrage, laut der 50 Millionen Muslime gewaltbereit seien.

Diskussion um Köln - Vom Karneval bis zur Silvesternacht

Diese Zahl wiederholt er in der Hamburger Talkrunde. Die Diskussion dreht sich hauptsächlich um Köln und alles, was dazu gehört. Also natürlich Karneval. Peter Brings und Christian Blüm der Band Brings, die laut Lanz zu den erfolgreichsten Vertretern der Karneval-Industrie gehören, sind deswegen zu Gast - in auffallend rot-karierten Hosen. Es geht aber auch um die Vorfälle an Silvester am Kölner Hauptbahnhof und damit allgemein um die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung.

Und dazu hat Koopmans, niederländischer Akzent, einiges zu sagen. Aber erst ist Kraft als zuständige Ministerpräsidentin an der Reihe. „Die Kölner Silvesternacht war ein wichtiges Ereignis“, erklärt sie. Es laufe nichts in der Einwanderungspolitik schief, aber es sei nicht schnell genug reagiert worden. „Wir haben einen 15-Punkte-Plan aufgesetzt, damit sich die Menschen wieder sicher fühlen.

Kraft: „Das ärgert mich schon massiv“ 

Lanz versucht in gewohnter Moderator-Manier dazwischenzugrätschen, um der Politikerin etwas ungewöhnliches zu entlocken. Aber nicht mit Kraft, sie lässt sich von Lanz‘ erhobenem Schulbub-Zeigefinger nicht irritieren und ihn einfach nicht zu Wort kommen. Das Hauptproblem sei, dass die jungen Menschen, die nicht in Deutschland bleiben können, nicht abgeschoben werden können. Es fehle an vernünftigen Verträgen mit den entsprechenden Ländern und die Möglichkeiten, die Menschen in ein Flugzeug zu setzen, seien vergleichbar mit einem Flaschenhals. „Das ärgert mich schon massiv.“

Koopmans sieht das Hauptproblem nicht bei der Abschiebung. „Das ist auch ein Scheitern der Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik gewesen.“ Es hätte nicht so weit kommen müssen, dass so viele Flüchtlinge ohne triftigen Asylgrund ins Land kommen, meint er. 

Karnevalsexperte: „Wir machen uns zu Türstehern

Das Gegenargument an dieser Stelle kommt nicht von Kraft, sondern von einem der Karnevalsexperten. Es sei ein Gräuel, angesichts dessen, was immer noch im Mittelmeer passiert, hier zu sitzen und über Einwanderungspolitik zu diskutieren, sagt Schlagzeuger Christian Blüm. „Wir machen uns jetzt zu Türstehern, dabei haben wir einfach in der Geburtslotterie gewonnen.“

Doch genau den Türsteher vermisst Koopmans. „Wir haben die Leute ohne jegliche Selektion reingelassen, sodass die Leute teilweise ihre Papiere wegwerfen, einfach damit es länger dauert.“

Flüchtlinge unter Generalverdacht?

Jetzt ist es Kraft zu viel. „Wie wollen sie das denn unterscheiden“, wettert sie. Sie sei in vielen Flüchtlingsunterkünften gewesen. Die Menschen aus Syrien hätten irgendetwas gegriffen und seien vor dem Krieg geflohen. „Wollen sie die gleich unter Generalverdacht stellen oder wie wollen sie damit umgehen?“

Koopman kommentiert das lapidar, dass nicht 70 Prozent ohne Papiere seien, weil sie keine hätten. „Es ist das falsche Signal, wenn wir ihre Identität nicht klären“, sagt er.

Kraft: „Das ist Theorie. Das ist ganz schwierig. Sorry.“

Lösungsideen - aber keine Details

Und da ist sie wieder: Koopmans Zahl von 50 Millionen Muslimen, die von sich selbst sagen, dass sie gewaltbereit seien, wenn es der islamischen Gemeinschaft diene. „Acht Prozent der muslimischen Bevölkerung in Deutschland sagt das auch von sich.“

Zum Abschluss der Diskussion wollte Lanz -  der übrigens auch in dieser Sendung wieder einen etwas blassen Früchtetee neben sich stehen hatte und mit flotten Sprüchen glänzte (“Wann haben Sie denn zuletzt mit Super-Martin telefoniert, Frau Kraft?“) - eine Lösung für das Abschiebe- und Identitäten-Problem. 

Koopmans Idee: Kontingentaufnahmen, um die Leute aufzunehmen, die es wirklich brauchen. Krafts Lösung: Integration. „Wir haben die Chance, Leute aufzunehmen, die Deutschland mit voranbringen.“ Eine Beschreibung, wie die Kontingentaufnahme oder die Integration in der Praxis aussehen soll, blieben die Talkgäste allerdings schuldig.

scw

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