TV-Talk „Maischberger“

Kult-Putzfrau attackiert CSU-Scheuer: „Da gehe ich hoch wie Flitzkacke“

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Die Talk-Gäste bei Maischberger.

Mainz - Statt wie ursprünglich geplant über die Sicherheitsfrage zu reden, ging es am Mittwoch im TV-Talk „Maischberger“ spontan um Martin Schulz. „Kann er Angela Merkel stürzen?“, so die Frage. Das Highlight der Show: Deutschlands wohl bekannteste Putzfrau.

Eigentlich - so war es angedacht - sollte in der Talk-Sendung von Sandra Maischberger am Mittwochabend über das Thema „Polizisten - Prügelknaben der Nation“ diskutiert werden. Doch Martin Schulz machte dem Ganzen mit seiner spontanen Kanzlerkandidatur einen Strich durch die Rechnung. „Alles auf Schulz: Kann er Merkel stürzen?“, so der neue Talk-Titel der Sendung. Die Gäste: Hans Ulrich Jörges (65, “Stern“-Europakorrespondent), Malu Dreyer (55, SPD), Sahra Wagenknecht (47, Die Linke), Dirk Schümer (54, „Welt“-Reporter) und Susanne Neumann (57, SPD). 

Die Sendung startete mit der überraschenden Entscheidung Sigmar Gabriels, bei der Wahl 2017 nicht als Kanzlerkandidat für die SPD antreten zu wollen. Die Katze aus dem Sack gelassen hatte er in einem Gespräch mit dem „Stern“ - und das macht Jörges sichtlich stolz. Monatelange Gespräch habe es mit Gabriel gegeben. Eigentlich hätte der in dem Interview mit dem Magazin seine Kandidatur bekanntgeben wollen, doch plötzlich kam alles anders. „Eine hochkomplizierte Operation unseres Chefredakteurs“, verriet Jörges. Eine erste Interview-Fassung habe Gabriel im November zurückgezogen - ein erstes Zeichen dafür, dass seine Entscheidung eventuell doch in die andere Richtung gehen könnte. Erst vergangenen Sonntag sei das Interview zu Ende geführt und am nächsten Morgen vom SPD-Chef autorisiert worden. Kurz vor knapp also, denn um 12 Uhr musste das Interview in die Druckerei.

Scheuer: „SPD-Fraktion wie ein Hühnerhaufen in Panik“

Wer alles von Gabriels Entscheidung wusste? „Er hat mit vielen Menschen, mit einigen Menschen gesprochen, und in der SPD war das ein Thema“, deutete Malu Dreyer an. Und Jörges erklärte dann, nur Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz und Ministerpräsidentin Hannelore Kraft seien eingeweiht gewesen.

Dass Gabriel das Handtuch warf - da waren sich alle Talk-Gäste einig -  sei die richtige Entscheidung gewesen. „Gabriel ist einer der unpopulärsten Spitzenpolitiker“, sagte Sahra Wagenknecht. Und Andreas Scheuer empfand den Talk bis dato als „Therapeutenrunde für Gabriel“. Der CSU-Politiker schadenfreudig: „Man muss einmal die Stimmungslage der Fraktion am Dienstag, 14.55 Uhr, Revue passieren lassen. Da war die arme SPD-Fraktion wie ein Hühnerhaufen in Panik und Chaos.“ Die Erklärung Gabriels, er wolle mehr Zeit für seine Familie haben, bezeichnet Scheuer als hanebüchen.

Wagenknecht bei Maischberger: „Er ist niemand, der glaubwürdig für soziale Gerechtigkeit steht.“

Und dann ging es doch noch irgendwann um den neuen Kanzlerkandidaten. Die große Frage: Wofür steht Martin Schulz denn überhaupt? Die Talk-Gäste konnte er zumindest als EU-Politiker nicht überzeugen. Wagenknecht warf Schulz vor, gemeinsam mit „Europas größtem Steuerhinterzieherhelfer“ Jean-Claude Juncker die Griechen in die Armut gestürzt zu haben. Auf die Frage Maischbergers, ob die SPD mit Martin Schulz wieder zu der Partei werden könnte wie damals unter Oscar Lafontaine. „Dafür steht Martin Schulz nicht“, so Wagenknecht. „Er ist politisch immer sehr nah an Gabriel gewesen. Er ist niemand, der glaubwürdig für soziale Gerechtigkeit steht. Er hat CETA Und TTIP massiv unterstürzt.“ Sie vermutet, dass Gabriels Plan sei, dass die Koalition so weitermache wie bisher und Martin Schulz die Rolle eines außerparlamentarischen Oppositionssprechers einnehmen werde, der sich davon dann distanziert. „Aber das nehmen ihm die Leute nicht ab, weil man zu oft erlebt hat, dass Parteien - auch die SPD - in Wahlkämpfen plötzlich die soziale Gerechtigkeit entdecken. Deswegen wäre es meines Erachtens wichtig, dass die SPD - noch haben wir ja im Bundestag eine Mehrheit von SPD, Grünen und Linken, bestimmte Pflöcke noch mal einschlägt und deutlich macht: es ändert sich was! Dann wäre das ein glaubwürdiges Signal.“

Putzfrau attackiert Scheuer

Und Scheuer? Der bekam volle Breitseite von Deutschlands bekanntester Putzfrau Susanne Neumann. Auf Scheuers Aussage, Schulz könne nur Kanzler werden „mit Rot-Rot-Grün, als Linksabbieger“, legte Neumann los. „Da gehe ich hoch wie Flitzkacke“, schimpfte sie. „Jetzt wird es Zeit, dass ihr mal dran seid. Eine Million Leiharbeiter, von Renten-Armut brauche ich Euch nichts zu erzählen. Ich habe Schiss, wenn ihr so weitermacht, wo die Entwicklung hingeht.“ Die Putzfrau aus Gelsenkirchen hatte durch ihren Auftritt bei der „Wertekonferenz Gerechtigkeit“ Berühmtheit erlangt. Damals hatte sie SPD-Chef Gabriel unangenehme Fragen gestellt.

Im Sat1-Video: Hier putzt Neumann Sigmar Gabriel runter 

Und wie sieht es mit Schulz und der AfD aus? Kann er es schaffen, die Partei kleinzuhalten? Hans Ulrich Jörges: „Schulz hat ein hohes Ansehen. Schulz ist nicht mit Europa gleichzusetzen, weil er sich auch kritisch zu Europa geäußert hat.“ Der Stern-Vize sei sehr zuversichtlich, „dass Geert Wilders in Holland, Marine Le Pen in Frankreich und die AFD in Deutschland verlieren werden – und zwar wegen Donald Trump. Weil wir diesen Irrsinn hier nicht haben wollen.“

Ganz zum Schluss wurde die Frage der Sendung, ob Schulz Merkel stürzen könne, dann auch noch geklärt. „Wenn man sich die heutigen Umfragewerte (...) ansieht, hat die Union mit Merkel natürlich noch weite Vorteile“, sagte Jörges. „Da kann sich noch viel dran verändern. Aber selbst die SPD-Führung geht nicht davon aus, dass Martin Schulz Bundeskanzler wird. Sie geht heute davon aus, dass er die SPD ein Stück weit voran und vielleicht in eine große Koalition bringt, oder es eben eine relativ starke Opposition gibt.“

mes

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