Berlin

„Adelheid und ihre Mörder“-Schauspielerin Gisela May tot

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Schauspielerin Gisela May ist gestorben.

Berlin - Die Schauspielerin und Sängerin Gisela May ist tot. Sie starb am frühen Freitagmorgen im Alter von 92 Jahren in Berlin, wie das Berliner Ensemble mitteilte.

Die Schauspielerin und Sängerin Gisela May ist tot. Sie starb am frühen Freitagmorgen im Alter von 92 Jahren in Berlin. Das teilte das Berliner Ensemble (BE) mit.

„Für mich war Gisela May nach Helene Weigel die „Königin“ des Brecht-Theaters“, sagte BE-Intendant Claus Peymann der Deutschen Presse-Agentur. „Mit ihr stirbt eine der großen Künstlerinnen der untergegangenen DDR. Das Berliner Ensemble ist in Trauer.“ Zuvor hatte das Onlineportal Nachtkritik.de berichtet.

Die wandlungsfähige May war am Theater die „Mutter Courage“ und an der Seite von Evelyn Hamann die „Muddi“ im TV-Erfolg „Adelheid und ihre Mörder“. Als ausdrucksstarke Interpretin von Brecht-Weill-Chansons wurde May berühmt. Ihre Soloabende bescherten Gisela May über Jahrzehnte Triumphe - von der New Yorker Carnegie Hall bis zur Mailänder Scala.

Die Lust an Sprache und Musik wurde der 1924 in Wetzlar geborenen Künstlerin schon in die Wiege gelegt. Ihre Mutter Käte war Schauspielerin, Vater Ferdinand May Schriftsteller. Von 1942 bis 1944 besuchte sie die Schauspielschule in Leipzig.

Brecht-Star und Chansonsängerin

Nach Engagements in Dresden, Danzig, Görlitz, Leipzig, Schwerin, Halle und am Deutschen Theater Berlin engagierte Helene Weigel sie 1962 an das Berliner Ensemble. Dort blieb May 30 Jahre lang und spielte in Brecht-Stücken wie „Die Rundköpfe und die Spitzköpfe“, „Die Dreigroschenoper“ und „Die Mutter“.

1978 übernahm May nach dem Tod von Helene Weigel deren Rolle in „Mutter Courage und ihre Kinder“. Die „Courage“ spielte May bis 1992. „Gisela May war über Jahrzehnte eine prägende Künstlerpersönlichkeit des BE und der deutschen Theaterlandschaft“, so die Bühne.

„Mit Gisela May hat uns eine große Schauspielerin verlassen, die mir persönlich ganz besonders nahe stand“, erklärte der langjährige Akademie-Präsident und Plakatkünstler Klaus Staeck. „Sie hatte eine große Liebe zur Bildenden Kunst und einen sehr wachen politischen Verstand.“

Umsorgt von ihrem Freundeskreis habe May die letzten beiden Jahre zurückgezogen gelebt, so die Akademie der Künste, der May seit 1972 angehörte. Ihr energischer, frischer, fordernder Ton, ihre bewundernswerte Disziplin und inspirierende Direktheit werde fehlen. „Dass Künstler nicht nur ihrem Talent, sondern auch der Gesellschaft verpflichtet sind, und zwar einer sozial gerechten, friedlichen Gesellschaft, daran bestand für sie kein Zweifel.“

Der designierte Berliner Kultursenator Klaus Lederer (Linke) twitterte: „Gisela May war eine große Chansonnette. Nicht nur ihre „7 Todsünden“ und ihr „Mahagonny“ haben Maßstäbe gesetzt.“

dpa

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