Sehenswert!

„Vampirschwestern 3“: Biss zur Pubertät

+
Die ungleichen Vampirschwestern Silvania (Marta Martin, li.) und Daka (Laura Roge).

München - Der Münchner Regisseur Tim Trachte inszeniert „Vampirschwestern 3“ mit Tempo, Detailliebe und Gespür für Pointen

Pubertät ist, wenn die Eltern komisch werden. Und in „Vampirschwestern 3“ sind die Alten von Daka und Silvania – nach einem Versehen Silvanias – definitiv sonderbar. Sie flegeln und albern herum, sind kindisch und führen sich derart peinlich auf, dass der Besuch einer Lehrerin zur echten Herausforderung wird: für die Schulfreunde der beiden ungleichen Schwestern.

Daka und Silvania schlagen sich im dritten Film der Reihe, die auf Franziska Gehms gleichnamigen Büchern basiert, derweil mit ganz anderen Problemen herum. Die beiden Halb-Vampire werden erwachsen und müssen lernen, Verantwortung zu übernehmen. Es bleibt ihnen auch nichts anderes übrig, denn ihr Bruder wird kurz vor seinem ersten Geburtstag nach Transsilvanien entführt, wo er Vampirkönig werden soll – ihre Eltern sind aber, siehe oben, zu nichts zu gebrauchen.

Doch damit nicht genug. Die Mädchen grübeln immer häufiger über die eigene Identität nach. Sollen sie zeigen, wer sie wirklich sind? Während Daka die „ewige Versteckerei“ ziemlich auf die Nerven geht, will Silvania nicht, „dass alle wissen, dass wir anders sind“. Mit diesem Konflikt gelingt es Regisseur Tim Trachte, im Vampirgewand eine Frage zu verhandeln, die sich letztlich jeder Pubertierende stellt: Wer bin ich?

Das ist nicht die einzige Stärke seines Films. Der Wechsel von Wolfgang Groos, der die ersten beiden Adaptionen realisierte, zum Münchner Filmemacher hat sich gelohnt: Trachte inszeniert mit Tempo, Detailliebe, Witz und einem guten Gespür für Pointen. Zudem betont er die spannenden Elemente der Geschichte – und wird so seinem Publikum gerecht, das mit den „Vampirschwestern“ älter geworden ist.

Der Regisseur profitiert dabei von einem spielfreudigen Ensemble, das um einige Nebenfiguren charmant ergänzt wurde, und vom stringenten Drehbuch: Ursula Gruber und Sigrun De Pascalis haben für „Vampirschwestern 3“ einen deutlich ansprechenderen Erzählstil gefunden, als ihn die Romane vorgeben. Die Hauptdarstellerinnen Laura Roge und Marta Martin sind mit ihren Figuren gereift. Die beiden Schauspielerinnen, selbst noch im Teenageralter, zeigen ihre Vampirschwestern in jedem Moment nah am Zielpublikum. Dieses kann sich sowohl in Daka (Roge), der Extrovertierten, als auch in ihrer eher zurückhaltenden Schwester Silvania (Martin) erkennen. Klugerweise haben die Macher die Figur Dirk van Kombast nochmals aufgewertet: Erneut spielt Michael Kessler diesen selbsternannten Vampirjäger aus der Nachbarschaft der Schwestern – und liefert einige schräge Szenen, über die nicht zuletzt erwachsene Zuschauer lachen können.

Durch eben diesen so wunderbar verbiesterten und in seiner spießigen Penetranz so liebenswerten van Kombast erzählt „Vampirschwestern 3“ noch eine ganz andere Geschichte: nämlich die, dass das Andersartige, Fremde gar nicht so schlimm ist, wie zunächst befürchtet. Und das ist heutzutage eine schöne Botschaft eines Kinderfilms.

„Vampirschwestern 3“

mit Laura Roge, Marta Martin

Regie: Tim Trachte

Laufzeit: 95 Minuten

Sehenswert

Dieser Film könnte Ihren Kindern gefallen, wenn sie sich nach Teil zwei weiterentwickelt haben.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare