Unser Film der Woche

„Vier gegen die Bank“ - Gangsterkomödie mit Til, Bully und Co

+
Drei der „Vier gegen die Bank“ (v. li.): Chris (Til Schweiger), Peter (Jan Josef Liefers) und Max (Matthias Schweighöfer).

München - Wolfgang Petersen glückt mit seiner ersten deutschen Regiearbeit seit vielen Jahren eine gelungene Stilmischung.

Jan Josef Liefers überspielt gern; Michael Bully Herbig ist am stärksten, wenn er zwischen komödiantisch und ernsthaft changieren darf; Matthias Schweighöfer setzt allzu oft auf seichte Komödien nach immer gleichem Schema. Und Til Schweiger? Nun ja. Sagen wir so: Die Rolle des Boxers, der einige Schläge zu viel auf den Kopf bekommen hat, mimt er überzeugend.

Wenn Wolfgang Petersen diese vier nun für das Wiederaufleben seiner Gangsterkomödie „Vier gegen die Bank“ nach dem Fernsehfilm von 1976 zusammenbringt, könnte man ihm unterstellen, dass er damit selbst auf eine sichere Bank setzt. Liefers, Herbig, Schweighöfer, Schweiger – da ist der Erfolg doch garantiert, da entsteht ein deutscher Schablonen-Blockbuster à la „Keinohrhasen“ und „Vaterfreuden“. Doch nein – wie wunderbar! –, man hat sich geirrt. Denn der in Emden geborene Regisseur, der in den Vereinigten Staaten lebt, weiß es bei seiner nach vielen Jahren ersten Arbeit auf heimischem Boden natürlich besser.

Ganz bewusst hat er vier Humorrichtungen aufeinandertreffen lassen. Der Clou: Die Schauspieler waren gesetzt, noch ehe das Skript stand. Der US-amerikanische Drehbuchautor Tripper Clancy sollte es liefern – ohne die Stars aus Deutschland zu kennen. Der Mann hat saubere Recherchearbeit geleistet. Er schaute sich alle wichtigen Filme an, um ein Gefühl für ihre Eigenarten und Stärken zu entwickeln. Und konnte dem Quartett so perfekt passende Rollenkostüme auf den Leib schneidern. Für nette landestypische Bezüge wie Tinder oder Lukas Podolski etwa sorgte dann Lucy Astner gemeinsam mit Petersen höchstselbst bei der Buchadaption.

So entsteht eine großartig gelungene deutsch-amerikanische Mischung. Das Beste aus beiden Welten vereint der Schöpfer des „Bootes“ einmal mehr: Mit einer Rasanz und coolem Witz, die an „Ocean’s Eleven“ erinnern, mit herrlichen verbalen Reverenzen an Filmklassiker wie „Jerry Maguire – Spiel des Lebens“ oder „Stirb langsam“ und mit einem Bösewicht, den niemand besser als Thomas Heinze hätte spielen können. Mit seiner sonoren Stimme und dem fiesen Schnäuzer gibt er den schleimigen Bankchef. Die vier von ihm um ihr Geld Betrogenen haben alle Sympathien des Publikums, wenn sie nun den großen Coup gegen ihn planen. Unterlegt ist das diesmal nicht wie im Original mit Klaus Doldingers Klängen, doch auch Enis Rotthoffs Musik – eingespielt vom The City of Prague Philharmonic Orchestra – schafft mit viel Bass- und Drum-Brush-Einsätzen jazzige Gangsterfilm-Atmosphäre. Wenn dann noch James Browns „The Payback“ zur Rache aufruft, Kamerafahrten per Kran und viel Einsatz von Steadicams für Dynamik sorgen und die Schauspieler unterbrochen von wenigen Takes tatsächlich spielen dürfen, macht deutscher Film plötzlich richtig Spaß. Nicht im Sinne von überzogen albern oder pseudointellektuell. Sondern irgendwas dazwischen. Ein Hauch von Liefers, ein Quäntchen Herbig, etwas Schweighöfer und – wohldosiert – ein wenig Schweiger. Eine gelungene Mischung. Wer hätte das gedacht.

„Vier gegen die Bank“

mit Michael Bully Herbig, Jan Josef Liefers, Til Schweiger

Regie: Wolfgang Petersen

Laufzeit: 97 Minuten

Sehenswert

Dieser Film könnte Ihnen gefallen, wenn Sie „Ocean’s Eleven“mochten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare