Freunde packen jungem Flüchtling zum Abschied einen Rucksack

Ahmad al Soud: "Attendorn ist ein wichtiger Teil meines Lebens"

Dennis Falkenberg (l.) und Tom Kleine (r.) überreichten Ahmad al Soud zum Abschied einen prall gefüllten Rucksack sowie Laufschuhe und -shirt. Foto: Hartmut Poggel

Attendorn – Im Gedächtnis behalten muss Ahmad al Soud den Inhalt nicht, auch wenn die Aktion an das Merkspiel „Ich packe in meinen Rucksack...“ angelehnt ist: Ahmad al Soud kam 2016 als Bürgerkriegsflüchtling aus Syrien in die Hansestadt. „Du hast hier in Attendorn viele Freunde gewonnen, und viele haben geholfen, Dir zum Abschied einen Rucksack zu füllen“, sagte Tom Kleine, einer seiner Freunde, bei der Übergabe des prall gefüllten Rucksacks im Sporthaus Falkenberg. Ahmad al Soud hat im April an der Uni in Hamburg ein Masters-Studium der E-Technik mit Schwerpunkt Regel- und Energietechnik begonnen.

Ahmad al Soud kommt aus Daraa. 2012 floh seine Familie aus Syrien in den benachbarten Libanon, Ahmad blieb. „Seither habe ich zu Mutter und Geschwistern nur noch telefonischen Kontakt, aber es geht ihnen gut.“ Bis 2015 studierte er in Damaskus Maschinenbau, bis auch ihm die Situation zu gefährlich wurde. „Der Assad-Clan regiert das Land wie einen Familienbesitz. Das ist unerträglich“, blickt der 30-Jährige in gutem Deutsch zurück.Im Oktober 2015 floh Ahmad al Soud nach Norden Richtung Türkei. An der ägäischen Küste beschaffte er sich ein Schlauchboot und paddelte bis zur Insel Lesbos. „Dort kam ich in ein großes Lager und wurde mit weiteren Flüchtlingen per Schiff nach Athen gebracht. Erst auf dieser Überfahrt wurde mir klar, wie groß das Mittelmeer ist, und dass ich die Flucht im Schlauchboot wie viele andere Menschen vor und nach mir wohl nicht überlebt hätte.“ Insgesamt vergingen 17 Tage bis der junge Mann über Griechenland, Mazedonien, Kroatien und die Slowakei nach Deutschland kam und schließlich im Jahr 2016 nach Attendorn gelangte.„Das war das Beste, das mir passieren konnte. Ich bin hier sofort gut aufgenommen worden; viele haben mir geholfen, mich zurecht zu finden“, schätzt sich al Soud glücklich. Tom Kleine gibt die Komplimente gern zurück: „Ahmad hat von Anfang an den Kontakt gesucht und sich ehrenamtlich engagiert. Vor allem im Sportbereich, beispielsweise im Team André (Informationen: www.team-andre.de), als Gruppenhelfer in der Nachwuchsarbeit des LC Attendorn und eines weiteren Leichtathletik-Clubs in Plettenbergs, er ist auf und neben dem Parkett in der Betriebssportgruppe Basketball Stadtverwaltung/Krankenhaus Attendorn aktiv. Aber auch in der Flüchtlingshilfe, bei den Internationalen Kinderfesten des Türkischen Elternvereins Attendorn half er sowie bei einer Energiemesse. Diese ehrenamtliche Arbeit wurde ihm auch von der Stadt Attendorn bescheinigt.“Von 2016 bis 2018 nahm der junge Syrer an einer Qualifizierung bei der Firma Mubea teil: „Ich will niemandem auf der Tasche liegen, sondern eigenes Geld verdienen“, stand von vornherein für ihn fest. In diesem Jahr kam dann die Anerkennung als Flüchtling und Ahmad konnte sich an der Uni in Hamburg einschreiben. „Dort läuft leider alles online, soziale Kontakte habe ich daher kaum.“Ahmad Al Soud hängt an Attendorn. Tom Kleine: „Ahmad ist offen und sympathisch, geht auf Menschen zu und ist sehr hilfsbereit. Das hat ihm hier einen festen Freundeskreis verschafft, der ihm zum Abschied und als stete Erinnerung einen Rucksack gefüllt hat. Er hat Heimweh nach Attendorn, das ist bei seinem Besuch hier deutlich spürbar.“Nun soll Ahmad, der gern joggt, der Rucksack noch mehr an seine Attendorner Freunde erinnern. Den „Bag“ hat Dennis Falkenberg von Sport Falkenberg gespendet, bei der Übergabe packt er noch spontan ein Laufshirt dazu. In den Rucksack kamen persönliche Abschiedsgeschenke, ein Paar neuer Laufschuhe und ein Gästebuch, in das sich sein Freundeskreis eintragen konnte. Zum Freundeskreis zählen sich unter anderem das Team André, die Betriebssportgruppe Basketball, die Attendorner Laufszene, die Flüchtlingshilfe und Dennis Falkenberg. Ahmad al Soud: „Vier Jahre Attendorn; die Menschen und die Stadt sind und bleiben immer ein wichtiger Teil meines Lebens.“

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