Technik noch nicht ausgereift

Amprion bezieht Stellung zur Verwendung von Kompaktmasten

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So könnten die Vollwandmasten, entworfen von Amprion, aussehen.

Attendorn. Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion verteidigte jetzt erneut seine Entscheidung, Stahlgittermasten für sein Stromtrassenprojekt „Kruckel-Dauersberg“ zu verwenden, von dem auch Attendorn betroffen ist. Grund dafür sei, laut Amprion-Sprecher Claas Hammes, vor allem der bislang noch unzureichende Erkenntnisgewinn in Bezug auf Vollwandmasten (auch bekannt als Kompaktmasten).

Zunächst betonte Hammes, dass laut Energieleitungsausbaugesetz ein Ausbau der Stromtrasse unausweichlich sei. Der Gesetzgeber sehe es, angesichts des Kohleabbaus und Atomkraftausstiegs, vor, dass vom Ausstieg betroffene Gebiete hinreichend versorgt werden müssten. Andernfalls könne es, vor allem im Süden Deutschlands, zu Netzengpässen kommen. Mit dem Wegfall der konventionellen Stromgewinnungsmaßnahmen und der großen Zunahme an Windkraft müsse der Strom umverteilt werden. Das wiederum erfordere eine Anpassung des Stromnetzes an die neuen Begebenheiten. Mit dem Projekt Kruckel-Dauersberg soll der Strom-Überschuss im Norden ausgeglichen und mögliche Engpässe in NRW abgewandt werden. 

Über 90 Jahre bewährt 

Die bereits laufende Energiewende fordere eine bewährte Variante der Stromversorung: Die Stahlgittermasten. Diese hätte sich laut Hammes seit mehr als 90 Jahren bewährt. Kompaktmassen, wie sie etwa in Holland und Polen verwendet werden, seien nicht konform mit der deutschen Norm. Hammes unterstrich dabei, dass Amprion einzig und allein entscheide, welche Technologie verwendet werde. Der von ihnen entworfene Kompaktmasten in Wesel, nahe der holländischen Grenze, habe bislang noch keinen ausreichenden Erkenntnisgewinn abgeworfen. Dabei handele es sich lediglich um ein Pilotprojekt, das die nächsten fünf Jahre auf Herz und Nieren und unter verschiedenen Aspekten geprüft werde. Da Masten eine Lebensdauer von weit über 50 Jahren haben müssen, die von Amprion entworfenen Vollwand-/ Kompaktmasten aber noch in der Testphase sind, kämen für die aktuell geplante Stromtrasse ausschließlich bewährte Stahlgittermasten in Frage. 

Amprion: Strahlung unbedenklich

Die Strahlung sei bei beiden Varianten unbedenklich. In Deutschland gelte ein zugelassener Höchstwert von 100 Mikrotesla. Vollwandmast und Stahlgittermast unterschritten, bei nahezu identischer Größe und Leistung, einen Grenzwert von 25 Mikrotesla – und das unmittelbar unter der Stromtrasse. Die Osterschlah in Attendorn liege circa 90 bis 100 Meter weit entfernt von der Leitung, dann betrage laut Hammes der Strahlungswert lediglich 3 bis 4 Mikrotesla. Diese Werte gelten bei einer 100 prozentigen Auslastung der Leitung. Da dies jedoch nie der Fall sei und die Auslastung zumeist lediglich zwischen 50 und 60 Prozent liege, reduziere sich die Strahlung abermals. Weiter betonte Amprion, dass die im Ausland genutzten Kompaktmasten nicht in Attendorn in Frage kämen. Da die geplante Trasse in der Hansestadt, nahe der Nordumgehung, nicht geradlinig verliefe, seien zahlreiche Eck-Kompaktmasten notwendig. Diese seien weitaus dicker und größer als die vom Bundesverband Kompaktleitung propagierten Masten. Schmale und kleine Kompaktmasten seien Theorie. 

Allen Schutzgütern gerecht werden

In der Praxis (Pilotprojekt Wesel) habe Amprion jedoch die Erfahrung gemacht, dass Kompakt- beziehungsweise Vollwandmasten nicht immer kleiner seien. Die von dem Übertragungsnetzbetreiber entwickelten Kompaktmasten seien nur geringfügig kleiner oder schmaler als Stahlgittermasten und das bei gleichen Strahlungswerten. Amprion versuche allen Schutzgütern (Umwelt, Mensch, Technik und Wirtschaftlichkeit) gerecht zu werden. Die Betroffenen in den Randgebieten Attendorns hätten, so Hammes, meist nur die Strahlungswerte im Blick. Zu den verschiedenen Blickwinkeln zählt auch die mehrmalige umänderung der Trasse nahe der Nordumgehung in Attendorn. So seien mehrere Varianten des Mastverlaufs geprüft und Wünsche der Anwohner berücksichtigt worden. Dazu zähle unter anderem auch die Tatsache, dass das Unternehmen von der alten Trasse abgerückt ist, sodass beide Siedlungen (Ennest und Schwalbenohl) immer mindestens 80 Meter von der neuen Stromleitung entfernt seien - größtenteils sogar über 100 Meter.

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