Attendorner bei der EM im Einsatz

Christian Vollmerhaus (2.v.l.) mit seinem Team-Partner Guido Klug (3.v.l.), einem Schweizer Kollegen (r.) und zwei portugiesischen Kollegen in der Baseler Innenstadt vor dem Viertelfinale Portugal gegen Deutschland.

Aus einem ganz anderen Blickwinkel erlebte der Attendorner Christian Vollmerhaus die EM, denn er war im Auftrag der "Zentralen Informationsstelle für Sporteinsätze", kurz ZIS mit Sitz in Neuss, als uniformierter Ansprechpartner bei der EM im Dienst.

Der 30-Jährige belegte nach seinem Abitur in Rheinland-Pfalz ein Fachhochschulstudium im gehobenen Dienst der Polizei und wechselte 2002 in den Märkischen Kreis. Mittlerweile ist er Polizeioberkommissar (POK), leitet als Wachdienstführer eine Dienstgruppe in Werdohl und wird im September als Fachlehrer nach Brühl bei Köln wechseln.

Bereits bei der Weltmeisterschaft im Jahr 2006 arbeitete Christian Vollmerhaus im Rahmen einer Abordnung für die ZIS, wobei er sich erst gegen mehrere hundert Kollegen und Mitbewerber in einem Bewerbungsverfahren durchsetzen musste. Dieses Mal war es leichter, denn aufgrund seiner Erfahrungen bei der WM, damals im Lagezentrum in Neuss, kamen die Verantwortlichen der ZIS auf den Attendorner zu. So wurde er in die "Deutsche Polizei Delegation unter Leitung der ZIS" einberufen, die sich aus insgesamt 31 Polizistinnen und Polizisten rekrutierte: 14 sogenannte Szenkundige Beamte, zehn uniformierte Unterstützungskräfte sowie die Delegationsleitung inklusive Pressesprecher und Verbindungsbeamter. Christian Vollmerhaus gehörte zu den zehn uniformierten Ansprechpartnern, die anders als die Hundertschaften unbewaffnet waren und als vertrauenswürdiger Helfer in der Not angesprochen werden konnten.

3D-Philosophie — aber ohne Eingreifen

Gearbeitet wurde im Rahmen der sogenannten "3D-Philosophie". Diese Bezeichnung beinhaltet drei Stufen, die aus dem Dialog, der Deeskalation und dem Eingreifen bestehen. "Wir konnten uns auf die zwei wesentlichen Elemente der 3D-Philosophie des polizeilichen Einsatzes, nämlich auf den Dialog und die Deeskalation, beschränken, Eingreifen brauchten wir nicht, eben der freundliche Polizist als Ratgeber für Hilfesuchende, Fremdenführer und Vermittler", berichtet Christian Vollmerhaus.

Die Delegation arbeitete ohne hoheitliche Befugnisse, das heißt, die Beamten waren unbewaffnet und wurden, im Zweierteam agierend, jeweils von österreichischen beziehungsweise schweizerischen Kollegen begleitet, die natürlich auch die besseren Ortskenntnisse hatten.

Um dieses Methode erfolgreich umzusetzen, schickte jedes teilnehmende Land in unterschiedlichen Größen eine Delegation, damit nicht mögliche Sprachbarrieren zu Missverständnissen und Konflikten führten: ein Konzept, das während der WM 2006 in Deutschland bereits erfolgreich umgesetzt wurde.

Vier Wochen, vom 3. Juni bis zum 1. Juli, war Christian Vollmerhaus in Österreich und der Schweiz unterwegs. An dem Tag vor den Spieltagen und an den Spieltagen selbst waren die Beamten zwischen 13 und 15 Stunden im Einsatz, meist endete der Einsatz nach den Spielen. Nach Empfang von Fahrzeugen und weiterer Logistik ging es für POK Vollmerhaus von Wien zunächst weiter nach Klagenfurt, dann wieder nach Wien und danach nach Basel.

Nach dem Sieg im Halbfinale in Basel gegen die Türkei hieß es dann noch einmal Koffer packen und zurück nach Wien, wo er live beim Endspiel dabei sein konnte. Am 1. Juli ging es dann von Wien aus mit dem Flieger zurück in die Heimat.

Die Haupteinsatzorte waren insbesondere die Public-Viewing-Bereiche, aber auch die Bereiche des Stadions, der Fanmeile sowie die Bahnhöfe oder aber auch das Mannschaftshotel — überall dort, wo viel Fan-Aufkommen war. Die Fan-Meile in Wien zwischen dem Rathaus und dem Burgtheater hatte allein ein Fassungsvermögen von 72.000 Personen. Und trotzdem: "Die EM war sehr, sehr friedlich. Kleinere Auseinandersetzungen gibt es auch auf jedem Dorffest, wo viele Menschen aufeinandertreffen", erzählt POK Vollmerhaus — und auch von der positiven Reaktion der Fans, aber auch der Bewohner: "Wir sind immer mit Freude begrüßt und auch fotografiert worden. Wir hängen jetzt bestimmt in Dutzenden von Wohnzimmern!" Doch nicht nur mit den Fans, sondern auch besonders mit den ausländischen Kollegen wurden Freundschaften geschlossen und internationale Kontakte geknüpft.

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