"Der Erlass war ein Schlag ins Gesicht"

Attendorner Schützen erinnern an Skandal von 1851 um jüdisches Mitglied Sotig Mai

Hartmut Hosenfeld (rechts) freute sich sehr über die Geste von Schützenhauptmann Sascha Koch.

Attendorn. Unter dem Motto „Shalom Attendorn 2018“ gedenkt Attendorn in diesem Jahr mit vielen Aktionen der Juden, die in Attendorn gelebt haben und auf dem jüdischen Friedhof beigesetzt sind. Die Initiatoren Hartmut Hosenfeld und Tom Kleine freuten sich an Fronleichnam über ganz besonderen Besuch auf dem jüdischen Friedhof.

Eine 15-köpfige Delegation der Schützengesellschaft Attendorn besuchte im Anschluss an die Fronleichnamsprozession das Grab von Sotig Mai auf dem jüdischen Friedhof. Damit gedachten sie des Skandals um ihn im Jahre 1851.

Im Alter von 34 Jahren trat der Jude Sotig Mai der Attendorner Schützengesellschaft bei. In seinem Aufnahmeantrag stimmte er zu, sich an allen Bräuche der Schützengesellschaft zu beteiligen. „Wenn Sotig Mai gewusst hätte, was er damit auslöst, hätte er das bestimmt nicht gemacht“, erklärte Hosenfeld den anwesenden Schützen am Grab des Judens, als er diesen den Aufnahmeantrag vorlas. 

Damals war es nämlich üblich, dass die drei zuletzt in die Schützengesellschaft eingetretenen Schützenbrüder bei der Fronleichnamsprozession die Iserkopprüstungen trugen. Im Jahre 1851 war einer der drei Sotig Mai und seine Teilname wurde bekannt. Dass ein Jude an der Fronleichnamsprozession teilnahm, kam für die katholische Kirche Gotteslästerung gleich.

Ausschluss der Schützen

Aufgrund dieses Vorfalls gab es am 10. Juli 1851 einen Erlass, dass die Schützen nicht mehr an der Fronleichnamsprozession teilnehmen durften. Außerdem erhielten sie ein Verbot für das „Vortragen“ der Schützenfahnen bei kirchlichen Feierlichkeiten und Beerdigungen, ebenso wie für den kirchlichen Opfergang um den Altar bei Seelenämtern. Kurz gesagt: Den Schützen wurde jede Betätigung des kirchlichen Charakters verboten.

Schützenhauptmann Sascha Koch präparierte einen Stein zum Gedenken an Sotig Mai.

„Dieser Erlass war ein Schlag ins Gesicht“, erklärte Schützenhauptmann Sascha Koch. Das Verbot wurde knapp 70 Jahre nach Erlass aufgelockert, denn 1920 gab es wieder ein Schützenhochamt. 1926 nahm die Attendorner Schützengesellschaft erstmalig wieder an der Fronleichnamsprozession teil, seitdem aber ohne die Schützen in den Iserkopprüstungen.

Besondere Geste und Würdigung

Zum Gedenken an Sotig Mai legte Schützenhauptmann Koch einen Stein auf den Grabstein. Dieses hat eine besondere Bedeutung im Judentum. „Diese Steine dürfen nicht entfernt werden, das ist Grabschändung“ erklärte Hosenfeld. Das Ablegen dieses Steines ist somit eine ganz besondere Würdigung. Er stammt von dem Gelände der Vogelsrute und wurde durch Koch entsprechend gekennzeichnet. Hosenfeld freute sich sehr über diese besondere Geste und Würdigung durch die Attendorner Schützengesellschaft.

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