Werke von Picasso, Chagall und Miró

Kunst höchster Güte im Südsauerlandmuseum

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Museumsleiterin Monika Löcken mit einem der 39 Exponate, die bis zum 16. Februar im Südsauerlandmuseum ausgestellt werden.

Attendorn - Es ist eine ganz besondere Lieferung, die das Südsauerlandmuseum erreicht: Werke von Picasso, Chagall und Miró sind ab Montag in der Sonderausstellung „Dreigestirn der Moderne“ in Attendorn zu sehen.

Der Transporter mit der kostbaren Fracht fällt an diesem Tag in der Fußgängerzone der Hansestadt nicht besonders auf – es ist Markttag. Die meisten Passanten schenken dem grünen Kleinlaster daher kaum Beachtung. Und auch als die Laderampe abgelassen wird und zwei eher unscheinbare Holzkisten zum Vorschein kommen, wird es auf dem Platz vor dem Museum nicht ein bisschen hektisch. Hier kommen gerade Werke bedeutsamer Künstler von internationalem Format in Attendorn an? 

Möchte man kaum meinen. Und dennoch: Die Kisten haben es buchstäblich in sich. Auf eine genaue Summe will sich Museumleiterin Monika Löcken nicht festlegen, doch der Wert der Ausstellungsstücke liegt irgendwo zwischen einer halben und 1 Millionen Euro. Definitiv eine der teuersten Ausstellungen im Südsauerlandmuseum überhaupt. Bei den Werken handelt es sich um empfindliche Grafiken der drei Künstler, deren Namen wohl schon jeder auf diesem Planeten gehört haben dürfte. 

„Ich freue mich riesig, dass wir in unserem Museum so bedeutende Kunst präsentieren können“, sagt Monika Löcken kurz bevor der Laster vor der Museumstür anhält. Und ein wenig Aufregung kommt dann doch auf: Haben alle Vorbereitungen geklappt? Wird das Ausstellungskonzept auch gut ankommen? Doch keine Zeit zum Nachdenken. Nach der Begrüßung geht es auch schon los: „Das können Sie hier drüben ablegen!“ 

Die Ausstellungsstücke kommen direkt aus dem Picasso-Museum in Münster. Das deutschlandweit einzige Museum seiner Art hat den Attendorner Kollegen die 39 angelieferten Werke vorgeschlagen. Denn einfach nach Wunsch welche bestellen – das ist nicht so ohne Weiteres drin. Vor allem müssen die Kunstwerke gerade frei sein. Und damit ist nicht gemeint, dass sie aktuell in einer anderen Ausstellung zu sehen sind. Weil die Farben nicht lichtecht sind und das Papier sehr empfindlich ist, kann es vorkommen, dass die Grafiken nach einer Ausstellung für Monate in der Dunkelheit verschwinden, damit sie sich – vereinfacht gesagt – erholen können. Andere kommen in dieser Zeit wieder für eine erneute Ausstellung in Frage, so dass ein ständiger Wechsel der Exponate gegeben ist. 

Direkte Sonneneinstrahlung tut den Bildern nicht gut

Seit Monika Löcken weiß welche Kunstwerke nach Attendorn kommen, sitzt sie an der Planung der Ausstellung. Soll Picasso besser unten oder in der ersten Etage gezeigt werden? Und passt das Bild überhaupt auf die vorgesehene Wand? Bei der Ausstellungseröffnung am Montag wird kaum einer der Gäste an die akribische Vorbereitung denken, die hinter einer solchen Ausstellung steckt. Neues Stellwandsystem, verschärfte Sicherheitsvorkehrungen, Lektüre der Künstler und der Moderne, Einladungen versenden, Marketing, Pressearbeit und und und stehen da an. 

„Ich muss bei aller Nervosität ruhig bleiben und den Überblick behalten“, sagt Monika Löcken. „Diese Coolness gehört einfach zu meinem Job und das muss auch so sein.“  Dabei zieht sie die Vorhänge zum "Alter Markt" zu. Direkte Sonneneinstrahlung tut den Bildern nicht gut. Nicht umsonst haben die großen Scheiben auch einen eingebauten UV-Filter. „Bei dieser Ausstellung wird es nicht besonders hell sein im Museum“, kündigt die Museumsleiterin schonmal an. Auch in Sachen Luftfeuchtigkeit (circa 45-50 Prozent) und Temperatur (rund 18 Grad) müssen die Bedingungen stimmen. Mit einem Luxmeter werden außerdem die Lichtverhältnisse auf den geplanten Ausstellungswänden gecheckt. Ist die Lichtintensität zu hoch, muss bei den Strahlern nachjustiert werden. 

In diesem Moment kommen die ersten Bilder aus den zwei Holzkisten zum Vorschein. Ronald Schöner und sein Kollege vom Transportunternehmen „ARTCORE“ legen die ersten Bilder auf einen Tisch und ziehen vorsichtig Schutzfolien von den Bilderrahmen. Nervös ist Ronald Schöner beim Auspacken seiner kostspieligen Fracht nicht: „Es ist egal, ob ein Bild 2000 oder 2 Millionen Euro kostet. Es darf so oder so nichts kaputt gehen“, erklärt er. Behutsam aber routiniert kümmert er sich um das nächste Bild. „Wir sind sozusagen per Du“, schmunzelt er bei der Frage, ob es ihm nichts ausmache, mit einer solch wertvollen Kunst zu arbeiten. Für ihn ist das tägliche Routine. 

Eine Kurierin, die den Transport aus dem Münsterland begleitet hat, fängt inzwischen schon mit den ersten Sichtungen der Exponate für das Zustandsprotokoll an. Schließlich muss alles seine Ordnung haben.  Die ist nach dem bunten Markttreiben inzwischen auch in den Straßen rund um das Museum wieder eingekehrt. Drinnen wird derweil noch weiter fleißig ausgepackt und aufgebaut, damit einer beeindruckenden Ausstellungseröffnung nichts mehr im Wege steht.

Infos zur Ausstellung

  • Sonderausstellung „Dreigestirn der Moderne – Pablo Picasso, Marc Chagall, Joan Miró“ vom 18. November bis 16. Februar im Südsauerlandmuseum Attendorn 
  • Vernissage am 17. November um 15 Uhr, Einführung: Prof, Dr. Markus Müller, Direktor Kunstmuseum Pablo Picasso Münster 
  • Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 11 bis 18 Uhr sowie Samstag von 11 bis 15 Uhr und Sonntag von 13 bis 18 Uhr.

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