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Bauvorhaben in der Kritik: Bewohner am Himmelsberg fürchten den Verkehrskollaps

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Von: Andrea Vollmert

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Wohngebiet Am Himmelsberg Attendorn
Das rot umrandete Grundstück zwischen den beiden Straßen Am Himmelsberg in Attendorn soll bebaut werden. Die Bewohner befürchten den Verkehrskollaps in ihrem Wohngebiet. © Gerhard Launer

Mit einem Schreiben an Bürgermeister Christian Pospischil haben Attendorner Bürger jetzt ihrem Ärger Luft gemacht. Im Mittelpunkt des Streits stehen die Planungen für zwei Mehrfamilienhäuser am Himmelsberg, wo es bislang nur Ein- oder Zweifamilienhäuser gibt – und vor allem wenig Platz für fahrenden oder ruhenden Straßenverkehr.

Attendorn - Stein des Anstoßes ist ein Bauvorhaben, in dessen Rahmen zwischen den beiden Straßen Am Himmelsberg in zwei Gebäuden neun Wohneinheiten entstehen sollen. In beiden Straßen oberhalb und unterhalb des Grundstücks ist extrem wenig Platz, an reguläres Drehen auf der Straße ist nicht zu denken – und an Parken schon gar nicht. Bei Begegnungsverkehr muss auf die Privatgrundstücke ausgewichen werden, Fußgänger sind besonders gefährdet, da auf der engen Straße kein Bürgersteig vorhanden ist.

Wenn nun aber neun Parteien hinzu kommen, befürchten die Anwohner, dass am Himmelsberg sprichwörtlich die Hölle losbricht. Sie geben zu bedenken, dass durch den Bau des Schützenparks ohnehin mit einem höheren Verkehrsaufkommen, zumindest aber mit einer weitaus höhere Anzahl an Fußgängern zu rechnen ist. Damit besteht die Gefahr, dass gefährliche Situationen auf der sehr engen Straße vorprogrammiert sind.

In ihrem Schreiben an Bürgermeister Pospischil erklären die Anwohner die Situation aus ihrer Sicht: „Dieses Wohngebiet wird über zwei sehr schmale Straßen erschlossen. Die untere Straße besteht aus einer rund 153 Meter langen und maximal 3,65 Meter schmalen Sackgasse ohne eine Wendemöglichkeit am Ende. An dieser Straße befinden sich 4 Wohnhäuser mit insgesamt 7 Wohneinheiten. Die obere Straße ist eine reine steile Anliegerstraße von circa 190 Meter Länge mit einer Steigung von circa 15 Prozent. Die Breite dieser Straße beträgt nur circa 3,00 Meter an einigen Engstellen bis circa 3,60 Meter. An dieser Straße befinden sich 8 Wohnhäuser mit 11 Wohneinheiten. Auf beiden Straßen gibt es keine einzige Parkmöglichkeit für PKWs im öffentlichen Straßenraum. Der Fußgängerverkehr erfolgt auf den vorgenannten Straßen als gemischt genutzte Fläche. Separate Fußwege für Fußgänger gibt es nicht. PKW-Begegnungsverkehr ist nur, wenn gegeben, durch Ausweichen auf Privatflächen oder durch Zurückfahren der Kraftfahrzeuge möglich.“

Fragen der Anwohner an die Politiker

Sie konfrontieren in ihrem Schreiben, das als Durchschrift außerdem an alle Fraktionen der Stadtverordnetenversammlung geschickt wurde, die Politiker mit dringenden Fragen: „Wann wird der bestehende Verkehr auf diesen beiden Anliegerstraßen kollabieren? Wann sind Fußgänger auf diesen gemischt genutzten Erschließungsflächen gefährdet? Inwieweit lässt sich die bisherige Verkehrserschließung, Beschilderung und Widmung der Erschließungsstraßen dieses Wohngebietes mit dem geplanten Neubau von zwei Mehrfamilienwohnhäusern mit 9 Wohneinheiten, dem Projekt Bürgerpark, der Erweiterung der Stadthalle und dem jüdischen Friedhof vereinbaren? Wie ist dies bei künftigen Großveranstaltungen zu bewerten?“

Am Ende ihres Schreibens stellen die Anwohner und Eigentümer des Wohngebietes Am Himmelsberg den Antrag zur Erstellung eines Gutachtens „durch einen hierfür zugelassen fachkundigen Verkehrssachverständigen sowie die Einbeziehung der politischen Gremien mit Beratung in dem dafür zuständigen Ausschuss.“ Hier soll ein entsprechendes Verkehrsgutachten Antworten liefern, „um Personenschäden für die Anwohner und die Besucher abzuwenden und vorzubeugen“.

Bei der Stadt ist man sich der Probleme wohl bewusst. Allerdings handelt es sich in diesem Fall um ein Baugenehmigungsverfahren, das beim Kreis Olpe entschieden wird. „Es gib in dem Bereich keinen Bebauungsplan“, erklärt Bürgermeister Christian Pospischil auf Nachfrage des SauerlandKuriers. Hier gilt dann die Vorgabe, dass sich das Gebäude „in die nähere Umgebung einfügen muss“. Dabei geht es jedoch nicht nur um Optik oder Geschmack, „sondern um handfeste Kriterien“, erklärt Pospischil. Im Paragraph 34 BauGB steht dazu: „Ein Bauvorhaben ist demnach zulässig, wenn es sich nach Art, Maß (Größe), Bauweise und hinsichtlich der überbaubaren Grundstücksflächen in die nähere Umgebung einfügt.“

Der Architekt des Investors habe bereits im Spätsommer 2020 die ersten Pläne eingereicht. Die Bedenken der Anwohner seien bei der Stadt und beim Kreis dann auf Widerhall gestoßen. Pläne mit Änderungen, die vor allem die Größe des unteren Gebäudes betrafen, sind dann Anfang des Jahres eingegangen und liegen nun zur Genehmigung beim Kreis Olpe.

Wir haben uns ernsthaft mit den Bedenken der Bewohner auseinandergesetzt und die Kritik überprüft.

Bürgermeister Christian Pospischil

Bürgermeister Christian Pospischil versichert: „Wir haben uns ernsthaft mit den Bedenken der Bewohner auseinandergesetzt und die Kritik überprüft.“ Da es aber keinen Bebauungsplan gibt, habe die Stadt kaum Möglichkeiten, in das Verfahren – dessen Inhalt übrigens nicht öffentlich ist – einzugreifen.

Bürgermeister sieht wenig Spielraum

Der Antrag von Seiten der Anwohner zur Erstellung eines Gutachtens steht noch im Raum. „Das wird in den Gremien noch diskutiert“, verspricht Bürgermeister Christian Pospischil, dem die Verkehrssituation an Ort und Stelle natürlich auch bewusst ist. Durch die derzeitige Rechtslage sieht er allerdings wenig Spielraum.

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