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Pandemie legt wahre Stärken der Sparkasse ALK offen

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Von: Christian Weber

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Neue Mitarbeiter, Kollegen in anderen Verantwortlichkeiten und fünf übernommene Auszubildende - diese Köpfe umrahmen das Vorstandsduo Reichmann und Schablowski.
Neue Mitarbeiter, Kollegen in anderen Verantwortlichkeiten und fünf übernommene Auszubildende - diese Köpfe umrahmen das Vorstandsduo Reichmann und Schablowski. © Sparkasse ALK

Noch deutlicher als sonst hat die Sparkasse ALK in diesen Zeiten bewiesen, welch wichtige Rolle sie als Partner der Menschen und der Region einnimmt. „Sicherheit geben in unsicheren Zeiten“, unter diesem Leitwort stand daher die besondere Bilanzpressekonferenz zum Jahr 2020.

Attendorn/Lennestadt/Kirchhundem - Besonders, weil sie zum einen erstmals online stattfand, zum anderen, weil der inhaltliche Fokus des Bilanzgesprächs weniger auf den Zahlen lag, sondern vor allem auf dem gemeinsamen Weg durch die Krise. „Hier hat sich unsere wahre Stärke gezeigt“, so der Vorstandsvorsitzende, Heinz-Jörg Reichmann. Er und sein Vorstandskollege Bernd Schablowski stellten zahlreiche Maßnahmen vor, mit denen die Gesundheit der Mitarbeiter und Kunden geschützt, und zeitgleich Existenzverluste, Vermögenseinbußen und negative wirtschaftliche Konsequenzen verhindert oder zumindest eingedämmt werden konnten.

Schnell in Krisenmodus geschaltet

Schnell hatte die Sparkasse ALK beim ersten Lockdown in den Krisenmodus geschaltet. Desinfektionsspender wurden ausgestockt, Schutzmasken angeschafft und bis zu 80 Prozent der Mitarbeiter ins Homeoffice geschickt. „Gleichzeitig begann eine in dieser Form bislang einzigartige Betreuungskampagne“, so die Vorstände. Alle Berater wurden aktiv, um die Bedürfnisse ihrer Kundschaft telefonisch zu erfragen, Probleme und Engpässe zu erkennen und bei Bedarf Unterstützung anzubieten. Bei Privatkunden ging es dabei überwiegend um laufende Kredite und Finanzierungen. Im Wertpapiergeschäft war es die Aufga-be der Berater, die Kundschaft nach den anfänglich schweren Kurseinbrüchen vor Panikverkäufen zu bewahren und gegebenenfalls sogar noch darin zu bestärken, Stützungskäufe zu tätigen.

Intensive Beratung und Betreuung

Enormer Beratungsbedarf bestand bei Firmen- und Gewerbekunden. Auch hier waren die Berater aus dem Homeoffice heraus zur Stelle, passten als erste Maßnahme Kreditlinien an, gewährten Zwischenfinanzierungen und brachten Förderanträge für Überbrückungskredite durch die KfW, die NRW-Bank und die Bürgschaftsbank auf den Weg. „Damit haben wir als Regionalbank dazu beigetragen, dass die im Zuge der Soforthilfe bereitgestellten Mittel auch bei den Unternehmen vor Ort ankommt“, so Vorstandsmitglied Bernd Schablowski.

Die telefonische Betreuung im Kunden-Service-Center erfuhr gleichzeitig einen nie dagewesenen Aufschwung: 154.000 Anrufe zählte die Sparkasse im Jahr 2020; 75 Prozent der Anrufe wurden dabei fallabschließend bearbeitet. Die Leitungen wurden zwischenzeitlich von 25 auf 70 Anschlüsse aufgestockt.

Bereits im April führte die Sparkasse zusätzlich ein Videokonferenz-System ein, über das Beratungsgespräche aus dem Büro oder Homeoffice heraus geführt werden können. Für die interne Kommunikation stellte sie ein Social Intranet zur Verfügung. Außerdem wurden die Beschäftigten über regelmäßige Vorstandsbriefe, Videos und einen internen Podcast informiert.

Region und Menschen nicht im Regen stehen lassen

Trotz deutlicher Mehrkosten für Infektionsschutzmaßnahmen (100.000 Euro) schüttete die Sparkasse Spenden in Rekordhöhe zum Wohl der Region aus. Spendenzusagen wurden weiter bedient, zusätzliche Mittel in Höhe von 250.000 Euro stellte die Sparkasse als Hilfsgelder für Vereine im Rahmen der Kampagne „Heimvorteil“ zur Verfügung. „Uns war klar, dass wir die Menschen in der Region nicht alleine im Regen stehen lassen dürfen. Das ist unser Rettungsschirm für die Vereine in Attendorn, Lennestadt und Kirchhundem“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Inklusive der jährlichen Stiftungskapital-Aufstockung von 250.000 Euro (auf jetzt 3,75 Millionen Euro) summieren sich die Ausgaben 2020 für Spenden, Sponsoring und gemeinnützige Zwecke auf über 630.000 Euro.

10 Jahre Vorstandsduo

„Wir stehen zur Region und zu unserem öffentlichen Auftrag. In der Krise haben wir daher unseren Teil zur Stabilisierung von Wirtschaft, Privathaushalten und ehrenamtlichen Organisationen beigetragen. Dafür sind wir da, dafür gibt es die Sparkasse“, erklärte Heinz-Jörg Reichmann. Er und Bernd Schablowski führen die Sparkasse ALK seit mittlerweile zehn Jahren. Das eingespielte Team hat die heimische Sparkasse aus durchaus turbulenten Zeiten geführt. „Gemeinsam haben wir die Sparkasse kernsaniert. Von innen und von außen.“

Solide Ertragssituation trotz Turbulenzen

Trotz hoher Sonderinvestitionen ist ist die Sparkasse Attendorn-Lennestadt-Kirchhundem wirtschaftlich gesehen verhältnismäßig gut durch das erste Corona-Jahr gekommen. „Wir haben trotz Pandemie und wirtschaftlichen Verwerfungen ein auskömmliches Ergebnis erwirtschaftet. Dass wir trotz der Krise verhältnismäßig gut dastehen, ist auch den Anstrengungen der vergangenen Jahre geschuldet“, sagte der Vorstandsvorsitzende, Heinz-Jörg Reichmann. Hier nannte er insbesondere steigende Provisionserträge und das über Jahre gestiegene und in Umfragen bestätigte Kundenvertrauen.

Das Kreditvolumen stieg um knapp 6 Prozent auf 613,5 Millionen Euro. 136 Millionen Euro Kredit-Neugeschäft verbuchte die Sparkasse im Berichtsjahr. Die Kundeneinlagen stiegen um mehr als 10 Prozent auf knapp 850 Millionen Euro. Die im Kundenauftrag verwalteten Wertpapiere verzeichneten ein Plus von 8,3 Prozent auf 357,5 Millionen Euro. Daraus ergibt sich ein Kundengeschäftsvolumen von fast 3 Milliarden Euro (2.980.800 TEUR) – ein Plus von knapp 12 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die durchschnittliche Bilanzsumme lag bei 1,13 Milliarden Euro.

Nachfrage bei Wertpapieren und Immobilienkrediten

Der Trend zur eigenen Immobilie hat auch im Corona-Jahr 2020 unverändert angehalten. Fast 330 Millionen Euro des Kreditvolumens von gut 613,5 Millionen Euro entfielen auf Baufinanzierungskredite. Ein Plus von 6,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. 218,4 Millionen Euro beträgt das Volumen an Krediten für Unternehmen und öffentliche Haushalte. Das entspricht einem Zuwachs von 12,8 Millionen Euro oder 6,2 Prozent. Viele Kunden behielten bei den starken Einbrüchen an den Börsen im ersten Quartal die Nerven, hielten ihre Wertpapiere oder nutzten die Gelegenheit für Zukäufe. Damit gab es kräftige Zuwächse in den Wertpapierdepots sowohl bei Privat- als auch bei Firmenkunden. Mit einem Plus von 7,3 Prozent wuchs das Wertpapiervolumen im Privatkundenmarkt auf 308,5 Millionen Euro. Bei den Firmenkunden legte das Wertpapiergeschäft sogar um 15 Prozent auf 49 Millionen Euro zu. Mit fast 20 Millionen Euro Neugeschäft im Lebensversicherungsbereich legte die Sparkasse auf hohem Niveau noch einmal leicht zu. Rückläufig waren dagegen der Leasingsektor mit einem Neugeschäft von knapp 6 Millionen Euro, Bausparverträge mit 19,4 Millionen Euro sowie Sach-, Kranken- und Pflegeversicherungen.

Zinsertrag weiter rückläufig

Der Zinsüberschuss ging um 1,3 Prozent auf 18 Millionen Euro leicht zurück. Der Provisionsüberschuss stieg um 2,4 Prozent auf 9,5 Millionen Euro. Für die kommenden Jahre sei mit weiter fallenden Zinserträgen zu rechnen. „Niedrig- und Negativzinsen drücken auf den Zinsertrag, das ist kein Geheimnis. Das wirkt sich stetig und dauerhaft auf den Ertrag aus“, erklärte Heinz-Jörg Reichmann.

Seit Jahren versucht die Sparkasse, sich aus der Abhängigkeit vom Zinsertrag zu lösen. Das ist ihr auch in Teilen gelungen. „Vor wenigen Jahren machte das zinstragende Geschäft noch 80 Prozent unseres Gesamtertrags aus. Mittlerweile erwirtschaften wir 35 Prozent über den Provisionsertrag“, so der Vorstandsvorsitzende. Er sei sehr froh, dass viele Kundinnen und Kunden diesen Weg mitgegangen seien, beispielsweise indem sie Spareinlagen mit Erträgen unterhalb der Inflationsrate klugerweise in Wertpapiere oder beispielsweise fondsgebundene Lebensversicherungen umgeschichtet hätten.

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