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CDU-Fraktion Attendorn bricht auseinander

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Von: Andrea Vollmert

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CDU Attendorn
Die CDU-Fraktion Attendorn bricht auseinander. Sieben Mitglieder wollen eine eigene Fraktion bilden - aber weiter CDU-Mitglieder bleiben. © dpa/Montage: Daniel Schröder

Schon seit Wochen oder vielleicht sogar Monaten gibt es in den Reihen der CDU-Fraktion in Attendorn eine sieben Personen starke Gruppe, die sich dem Vernehmen nach nicht mehr mitgenommen fühle. Nun ist wohl das eingetreten, was in den Reihen der Christdemokraten viele befürchtet hatten – was sie aber bis zum Ende verhindern wollten.

Attendorn - Was ist passiert? Der Fraktionsvorsitzende der CDU im Stadtrat Attendorn, Sebastian Ohm, war privat auf dem Schützenfest in Listerscheid. Dort sei Bürgermeister Christian Pospischil auf ihn zugekommen und habe ihm gesagt, dass heute (8. August) ein Schreiben im Rathaus eingegangen sei, in dem die sieben Kommunalpolitiker darüber informieren, dass sie die CDU-Fraktion verlassen wollen und eine eigene Fraktion bilden wollen. Das bestätigte auch Carsten Graumann von der Stadt Attendorn auf Nachfrage des SauerlandKurier. Wie es damit weitergeht, wusste der erste Beigeordnete nicht. „Wie das genaue Procedere nun ist, kann ich noch nicht sagen“, erklärte Graumann. „Das habe ich vor zehn Minuten auf meinem Tisch gehabt. Damit beschäftigen wir uns morgen.“ Er bestätigte, dass es einen solchen Fall in Attendorn noch nie gegeben hat.

In einer nun vorliegenden Pressemitteilung erklären die sieben Politiker: „Ab dem 8. August wird es eine neue Fraktion im Attendorner Stadtrat geben: Die bisherigen CDU-Fraktionsmitglieder Friedhelm Arens, Markus Harnischmacher, Birgit Haberhauer-Kuschel, Sascha Koch, Nicole Kost, Manuel Thys und Thorsten Wurm sind aus der CDU-Fraktion ausgetreten und bilden eine neue Stadtratsfraktion unter der Bezeichnung UfA – Union für Attendorn.“

Friedhelm Arens, zukünftiger Fraktionsvorsitzender der UfA, zu den Gründen: „Bei der Kommunalwahl 2020 sind wir angetreten, um eine starke und kritische Stimme gegenüber dem Bürgermeister und seiner Fraktion zu bilden. Dieses Ziel ist in der CDU-Fraktion durch interne Querelen, die im Februar schon zur Abwahl des Fraktionsvorstands geführt hatten, mehr und mehr aus dem Blick geraten.“ Weit mehr als die üblichen 100 Tage Schonfrist habe man dem neuen Fraktionsvorstand gelassen, um die Wogen innerhalb der Fraktion zu glätten, aber nichts sei geschehen.

Der zukünftige stellvertretende UfA-Fraktionsvorsitzende Markus Harnischmacher ergänzt: „Wir sind und wir bleiben CDU-Mitglieder, denn wir stehen nach wie vor hinter den Zielen und Werten der CDU.“ Er bietet der verbleibenden CDU-Fraktion eine Zusammenarbeit bei Sachfragen an: „Auch wenn es auf der menschlichen Ebene Differenzen und unterschiedliche Vorstellungen zum Führungsstil in einer Fraktion gibt, können wir bei Sachfragen, wie der Entwicklung von Wohnbauflächen, sicher gute gemeinsame Lösungen finden.“

„Es geht uns nicht darum, schmutzige Wäsche zu waschen“, betont Birgit Haberhauer-Kuschel, der es wichtig ist, den Blick nach vorne zu richten auf die zukünftige Entwicklung der Hansestadt Attendorn: „Interne Streitigkeiten und persönliche Verletzungen müssen ein Ende finden, wenn wir christ-demokratische Ideen umsetzen möchten. Dazu ist der Anfang jetzt gemacht.“

Sebastian Ohm war im Gespräch mit dem SauerlandKurier überrascht über die Vorgehensweise: „Wir haben das ganze Wochenende versucht, Gespräche zu führen. Bis auf einen war keiner der Betroffenen für mich erreichbar. Auf dem Schützenfest von einem solchen Schritt zu erfahren, ist schon speziell.“

Am 12. Juli war ein Antrag bei Sebastian Ohm eingegangen mit der Bitte um einen Gesprächstermin. „Den habe ich dann auf Mitte August terminiert – und seither nichts mehr dazu gehört.“ Vergangenen Woche habe man ihm über Dritte mitgeteilt, dass der Termin nicht passend sei. Auf die dann erfolgten Anrufsversuche hat Ohm, wie beschrieben, keine Resonanz bekommen. Er habe den Termin bewusst auf Mitte August gelegt, um das Treffen nicht in den Ferien stattfinden zu lassen.

„Offiziell weiß ich noch gar nichts von der Geschichte.“

CDU-Fraktionsvorsitzender Sebastian Ohm

Von den Plänen der sieben CDU-Mitglieder ist Ohm bisher lediglich über das Gespräch mit Bürgermeister Pospischil auf dem Schützenfest informiert worden. „Offiziell weiß ich noch gar nichts von der Geschichte.“ Er hätte sich gewünscht, dass man auch im Vorfeld über die Sache gesprochen hätte: „Zu dem Zweck gibt es regelmäßig Fraktionssitzungen. Wenn man aber nur an zwei von acht Sitzungen teilnimmt, ist das nicht gut.“ Ohm versichert: „Die acht verbliebenen Fraktionsmitglieder der CDU werden nach wie vor sachbezogene Politik für die Stadt Attendorn und ihre Bürger machen.“

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