Jüdische Chansons und Evergreens

Mit Charme, Wut und Witz: Haase und Ghuloyan begeisterten bei ihrem Auftritt

Tirzah Haase zog das Publikum mit ihrem Charme auf anhieb in ihren Bann und stimmte es mit einem Mix aus Musik und Kabarett mal nachdenklich, mal wütend und mal witzig. Foto: Markus Dietrich

Attendorn. Für reichlich Gänsehaut sorgten Tirzah Haase und Armine Ghuloyan mit ihrem Konzert in der Aula des Rivius Gymnasium Attendorn, wo sie „Jüdische Chansons und Evergreens zwischen Liebe, Lust und Rebellion“ präsentierten.

Auf Einladung der Initiative „Jüdisch in Attendorn“ und der Hansestadt Attendorn trug die Sängerin und Schauspielerin Tirzah Haase im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Shalom Attendorn 2018“ Lieder und Gedichte jüdisch-deutscher Komponisten und Schriftsteller sowie anderer bekannter Künstler der 1920er- und 30er-Jahre wie Friedrich Hollaender, Kurt Weill, Kurt Tucholsky, Mischa Spoliansky und anderen. Begleitet wurde die Dortmunderin von der Pianistin Armine Ghuloyan.

Die Aula des Rivius Gymnasiums Attendorn war die passende Location für dieses spezielle Bühnenprogramm, denn das Publikum wurde auf eine Zeitreise mitgenommen. Mit ihrer tiefen und rauchigen Stimme erzählte Tirzah Haase von den Frauen der Zwanzigerjahre, von Schönheitstänzerinnen und Verführerinnen wie in Mischa Spolianskys „Ich bin ein Vamp“. Für jedes Lied schlüpfte das Energiebündel Tirzah Haase in eine neue Rolle. Mal mit Schiebermütze, mal mit Zylinder.

Das Publikum freute sich über den anspruchsvollen und dennoch heiter beschwingten Mix aus Musik und Kabarett. Nachdenklich, wütend und witzig. Und manchmal auch derb wie in „Zieh dich aus Petronella“.

„An allem sind die Juden schuld“ von Friedrich Hollaender machte deutlich, dass die antisemitische Politik jener Zeit heute leider nichts an Aktualität verloren hat. Marlene Dietrichs „Sag mir, wo die Blumen sind“ durfte an diesem Abend natürlich auch nicht fehlen.

Für den größten emotionalen Moment sorgte Tirzah Haase mit dem Stück „Zehn kleine Meckerlein“, dem Armine Ghuloyan im Anschluss die Filmmusik aus „Oskar Schindlers Liste“ folgen ließ. Das Publikum sparte sich in diesem Augenblick den Applaus, zu sehr drückte der Kloß im Hals.

Nach über zwei Stunden fiel der Applaus am Ende eines emotionalen Konzerterlebnisses dafür umso größer aus.

Musikalisch geht es in der Veranstaltungsreihe „Shalom Attendorn 2018“ am Samstag, 3. November, weiter. Dann betritt nämlich der Liedermacher Dany Bober aus Wiesbaden die Aula des Rivius Gymnasiums, um die Zuschauer mit Liedern, Geschichten und jüdischem Humor zu unterhalten.

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