Andreas Sprenger, Leiter des Krisenstabs: „Wir schicken keinen weg.“

Doppelbuchungen führen zu unglaublich langen Wartezeiten im Impfzentrum Attendorn

Impfzentrum Attendorn Corona Doppelbuchungen
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Am Impfzentrum kam es am vergangenen Mittwoch durch Doppelbuchungen zu unglaublich langen Wartezeiten und Gedränge. „Wir hatten nur die Alternative, die Leute nach Hause zu schicken oder sie wieder in den Schneesturm zu stellen“, erklärt Andreas Sprenger.

Überfüllte Parkplätze, eine Schlange von Impfwilligen, deren Ende nicht zu sehen war und Zelte, in denen Mensch an Mensch stand: Die Situation im Impfzentrum Attendorn war am Mittwoch anfangs außer Kontrolle geraten, und die Wartezeit bei Schnee, Wind und eisiger Kälte erhöhte sich für Hunderte Patienten auf 4 bis 5 Stunden.

Attendorn/Kreis Olpe - Was war passiert? Durch eine Umstellung im Computersystem der Kassenärztlichen Vereinigung war es zu Doppelbuchungen gekommen. Der daraus resultierende Ansturm war nicht zu bewältigen.

Nach Stunden der Unsicherheit bei den Hunderten Wartenden stellt sich der Leiter des Krisenstabs des Kreises Olpe, Andreas Sprenger, den aufgebrachten Menschen und erklärt ihnen die Situation: „Sie haben über die kassenärztliche Vereinigung einen Termin für heute bekommen. Dort ist vor zwei Tagen eine Systemumstellung der ADV (Automatisierte Datenverarbeitung) erfolgt. Das hat nicht funktioniert, so dass für heute alle Termine, die geplant waren, doppelt vergeben wurden.“ „Die Menschen waren aber trotzdem gefasst“, erinnert sich ein Finnentroper, der eigentlich um 17 Uhr einen Termin gehabt hätte, aber erst gegen 22 Uhr die Heimfahrt antreten konnte. „Wir hatten alle ein Ziel: Wir wollten geimpft werden.“

 Wir wissen, dass die Situation nicht optimal war, aber wir mussten reagieren und haben versucht, das Beste daraus zu machen.

Andreas Sprenger, Leiter des Krisenstabs des Kreises Olpe

Niemanden nach Hause zu schicken und jeden zu impfen, der vor Ort war (und wirklich Anspruch hatte) war auch das Ziel der Verantwortlichen in Attendorn. „Wir wissen, dass die Situation nicht optimal war, aber wir mussten reagieren und haben versucht, das Beste daraus zu machen“, so Andreas Sprenger auf Anfrage des SauerlandKuriers. Schnell wurde ermöglicht, dass der Parkplatz der angrenzenden Firma Sodecia mitgenutzt werden konnte, Shuttle-Busse von der Stadthalle waren im Einsatz, so dass die dortigen Parkplätze ebenfalls genutzt werden konnten. „Das DRK war toll“, erzählt der Finnentroper Impfwillige. „Sie waren sehr freundlich, haben Kaffee, Tee und Schokolade verteilt.“

In den beheizten Zelten auf dem Vorplatz des Impfzentrums waren die Patienten zumindest vor dem Schnee geschützt, standen aber viel zu dicht gedrängt beieinander. Das muss auch Andreas Sprenger zugeben. „Ich kann nicht sagen, dass die Situation gut war“, weiß der Krisenmanager. „Aber wir hatten nur die Alternative, die Leute nach Hause zu schicken oder sie wieder in den Schneesturm zu stellen.“

Corona im Kreis Olpe: Lange Warteschlangen auch am Ostersamstag

Und eines stand am Mittwoch im Fokus: „Wir schicken keinen weg! Jeder Geimpfte ist ein Guter!“ Denn die Gesamtstrategie „möglichst viele in kurzer Zeit zu impfen“ ist laut Andreas Sprenger „der einzige Weg, die Pandemie in den Griff zu bekommen“.

Bereits am Ostersamstag war es zu längeren Warteschlangen rund um das Impfzentrum in Attendorn gekommen. Grund dafür war die Freigabe des Impfstoffs von AstraZeneca für über 60-Jährige. Zusätzlich zu den Patienten, die mit Termin nach Attendorn gekommen waren, war es am Samstag vor einer Woche möglich, ohne Termin mit besagtem Impfstoff geimpft zu werden. Mit dem darauf folgenden Ansturm hatte vor Ort wohl niemand gerechnet.

Corona im Kreis Olpe: Bis zu 1000 Impfungen pro Tag

Andreas Sprenger geht davon aus, dass diese Probleme nun der Vergangenheit angehören. Trotzdem wird es ab Montag zum Beispiel größere beheizte Zelte geben, um den Menschen mehr Schutz zu bieten. Er erklärt, dass es im Impfzentrum des Kreises Olpe eine höhere Durchsatzquote als geplant gibt. Waren ursprünglich 480 bis 500 Impfungen pro Tag geplant, so haben die Verantwortlichen es durch Verbesserung der Prozesse auf bis zu 1000 Impfungen erhöhen können.

Wir haben ein gutes Team am Start und Strukturen, mit denen wir die Krise in den Griff bekommen werden.

Andreas Sprenger

„Und das ohne Staus, wenn alles optimal läuft“, so der Leiter des Krisenstabes. Er bedankt sich bei alles Mitarbeitern vor Ort, die im Regelbetrieb aber auch an den beiden außergewöhnlichen Tagen immer das Ziel vor Augen hatten, jeden zu impfen. „Sie alle haben ihr Bestes gegeben.“ Außerdem lobt Andreas Sprenger die Zusammenarbeit mit der kassenärztlichen Vereinigung, mit den Apothekern, den Ärzten, der Feuerwehr und dem DRK. „Wir haben ein gutes Team am Start und Strukturen, mit denen wir die Krise in den Griff bekommen werden.“

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