Die Rückkehr der Ursells nach 80 Jahren

Emotionale Einweihung der Gedenkstele auf dem jüdischen Friedhof in Attendorn

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Familienmitglieder enthüllen gemeinsam mit Hartmut Hosenfeld den Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof.

Attendorn. „Die Ursells sind nach Attendorn zurück gekehrt“, dieser Satz von Eric Selker auf dem jüdischen Friedhof kurz vor der Einweihung des neuen Gedenksteins umschrieb einen ganzen Tag, eine große Geste, einen historischen Besuch. Die Nachfahren der jüdischen Familie Ursell sind nach 80 Jahren in die Heimatstadt ihrer Vorfahren gekommen, um einen Gedenkstein zu enthüllen zur Erinnerung an die während der Terrorherrschaft der Nazis deportierten und ermordeten jüdischen Mitbürger der Hansestadt.

Ihre Großeltern und Urgroßeltern waren über Jahrzehnte oder sogar über Jahrhunderte ein Teil Attendorns, bevor sie in den 1930er Jahren geflohen sind, ihre Heimat verloren haben, deportiert und ermordet wurden. Sie haben das Leben in der Stadt mitbestimmt, waren Teil des Vereinslebens, der Politik und der Wirtschaft – bis die Herrschaft der Nationalsozialisten das Leben der Familien auf den Kopf stellte.

Ein Gruppenfoto mit historischer Bedeutung: Nach 80 Jahren besuchen Nachfahren der jüdischen Familie Ursell die Heimatstadt ihrer Vorfahren. 

In einer würdevollen Feier haben zahlreiche Besucher sowie Angehörige der jüdischen Attendorner Familien der schrecklichen Geschehen gedacht, die auch in Attendorn niemanden verschont hatten. „Wenn wir uns heute vor den Toten verneigen und der Opfer gedenken, dann bekunden wir damit auch, dass wir uns unserer Geschichte stellen und die Erinnerung wachhalten wollen“, sagte Bürgermeister Christian Pospischil in seiner Ansprache.

Auch Landrat Frank Beckehoff und Alexander Sperling vom Landesverband der jüdischen Gemeinden von Westfalen-Lippe wiesen auf die Verantwortung hin, die aus der Vergangenheit erwachsen ist. Während des Gesangs des Dortmunder Kantors Arieh Mozes verneigten sich viele Besucher – jüdische und nicht-jüdische – in tiefer Betroffenheit.

Musikalische Untermalung

Das Programm wurde untermalt von Daria Weck und Cagla Dural von der Hanseschule, die eine Fabel von James Thurber auf Deutsch und Englisch vortrugen. Das Quartett des St. Ursula-Gymnasiums Attendorn mit Lea Dolligkeit, Janina Rauterkus, Severine Risch und Adelina Kühl waren unter der Leitung von Christoph Schulte für das musikalische Programm verantwortlich. Timo Keseberg vom Rivius Gymnasium verlas nach der Enthüllung der Stele den Text derselben.

Hartmut Hosenfeld erklärt den Ursell-Nachfahren, wo ihre Ahnen in Attendorn gelebt haben.

Zuvor hatten die Nachfahren der Familie Ursell die Stadt besichtigt und viele emotionale Momente erlebt. Sie sahen die Häuser, in denen ihre Groß- oder Urgroßeltern gelebt hatten und aus denen sie von den Nationalsozialisten deportiert wurden. Sie waren tief bewegt, über die Stolpersteine, die in der Innenstadt ein bleibendes Mahnmal darstellen und sie waren begeistert, die Stadt zu erleben, in denen sich ihre Ahnen wohl gefühlt hatten und in deren Leben sie voll integriert waren.

Die rund 50 Ursell-Nachfahren waren aus vielen Teilen der Welt nach Attendorn gekommen, um an der Zeremonie auf dem jüdischen Friedhof teilzunehmen und die Geschichte ihrer Vorfahren vor Ort kennen zu lernen.

Höhepunkt der Veranstaltungsreihe

Hartmut Hosenfeld und Tom Kleine vom Verein „Jüdisch in Attendorn“ haben eine Veranstaltungsreihe zum 80. Jahrestag der Novemberpogrome ins Leben gerufen, deren Höhepunkt die Errichtung der Stele auf dem jüdischen Friedhof war.

Jüdisch in Attendorn: Einweihung der Gedenkstele - Teil 1

Jüdisch in Attendorn: Einweihung der Gedenkstele - Teil 2

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