Teil einer historischen Handlung

Ein Ort der Erinnerung: Gedenkstein auf dem jüdischen Friedhof errichtet

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Das Team der Firma Eßlinger und Helfer vom Bauhof sind sich der Bedeutung der Stele bewusst – und sie sind stolz darauf, ein Teil dessen zu sein.

Attendorn. Ein halbrunder Platz am Rande des jüdischen Friedhofs in Attendorn, wunderschöne Lage, Südausrichtung. Als hätte genau dieser Platz, der bislang völlig ungenutzt war, auf eine besondere Aufgabe gewartet. Seit Freitag steht genau hier die Stele, die an die jüdischen Attendorner Bürger erinnert, die während der Terrorherrschaft der Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden oder seither verschollen sind.

Steinmetz Joachim Eßlinger hatte in den vergangenen Wochen und Monaten eben diese Stele mit 17 Namen erstellt (der SauerlandKurier berichtete). Auf die Frage nach der genauen Arbeitszeit, kann der Attendorner nur mit den Schultern zucken. „Das kann man gar nicht genau sagen.“ Manche Arbeiten waren besonders aufwendig, andere gingen schneller, als erwartet.

Nach der Fertigstellung entschloss Joachim Eßlinger Anfang der Woche, dass die Stele noch in dieser Woche aufgestellt werden sollte – das gute Wetter der vergangenen Tage war einfach zu verlockend.

Das Aufrichten der rund eine Tonnen schweren Stele war eine besondere Herausforderung.

„Wenn hier alles aufgeweicht wäre, wäre die Aktion schon viel schwieriger“, erklärt ein sichtlich erleichterter Joachim Esslinger, als am Freitag kurz nach 10 Uhr die Stele an Ort und Stelle steht. Dabei waren die Vorarbeiten umfangreich. „Wir haben schon am Donnerstag alles vorbereitet“, so der Steinmetz. „Mit Paletten haben wir den Weg geebnet, damit wir den Gedenkstein ohne Probleme über die Gräber ziehen konnten.“ Ein gar nicht so einfaches Unterfangen, denn die Paletten mussten natürlich so gelagert werden, dass kein Druck auf die Gräber ausgeübt wurde. 

Als plastisches Element wird der zuvor ausgeschnittene Stern auf der Frontseite befestigt.

Außerdem galt es, das Fundament zu erstellen, auf dem die Stele befestigt wird. Es reicht rund 80 Zentimeter ins Erdreich. Am Freitag kurz vor acht Uhr war es dann soweit: Mit der Unterstützung vom Bauhof konnte das Team der Firma Eßlinger den rund eine Tonne schweren Stein bis zur Rampe bewegen, dort weiterziehen bis zum endgültigen Platz. „Das Kippen war wieder ziemlich schwierig, aber mit vereinten Kräften haben wir es geschafft“, freut sich Joachim Esslinger. Die Mannschaft ist stolz. Alle wissen, dass sie Teil eines historischen Moments sind. „Das ist eine Sache die bleibt“, ist Joachim Eßlinger sicher. Als vorerst letzte Handlung wird ein Stern, der zuvor aus dem Stein gesägt worden ist als plastisches Element auf die Stele gesetzt. Durch die Aussparung hat der Besucher des jüdischen Friedhofs die Möglichkeit, in die Richtung des ehemaligen Gebetshauses zu blicken. 

Über 70 Jahre nach dem NS-Regime steht auf dem jüdischen Friedhof eine Stele – im Gedenken der jüdischen Bürger, die bislang kein Grab hatten (für Vollbild oben rechts klicken).

Die offizielle Einweihung der Stele findet am Mittwoch, 7. November, statt. Bislang haben sich alleine 45 Nachfahren der jüdischen Familie Ursell angemeldet, die aus vielen Teilen der Welt nach Attendorn kommen werden.

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