Der Offene Vollzug der JVA Attendorn öffnet seine Türen

Alle Jahre wieder: Traditionelle Adventsausstellung der Arbeitstherapie Holz der JVA Attendorn im Gutsgebäude

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Die traditionelle Verkaufsausstellung der JVA Attendorn steht vor der Tür

Attendorn – Bereits um die 30 Mal fand die Adventsausstellung der Arbeitstherapie Holz der Justizvollzugsanstalt Attendorn Anfang Dezember statt. Ganz sicher sind sich Ulf Borrmann, Leiter der Justizvollzugsanstalt und Ludger Schröder, Leiter der Arbeitstherapie Holz, jedoch nicht. Das ganze Jahr produzieren die teilnehmenden Häftlinge für die Verkaufsausstellung im Dezember - in diesem Jahr am ersten Advent - sowie für einen Stand auf dem Attendorner Weihnachtsmarkt.

„Die Nachfrage ist sehr hoch, doch wir scheuen uns davor, dass wir nicht alles bewerkstelligen können“, erklärt Ulf Borrmann. Zwar gibt es einen kleinen Onlineshop, wo Spielzeug-Lkw erworben werden können, doch die meisten Produkte werden im Verkauf vertrieben. „Das wird den Produkten gerechter“, teilt Ludger Schröder mit. Schließlich sei es ein Handwerk. Die Käufer können die Waren einfach besser bei richtiger Betrachtung beurteilen. So können kleinere Schäden direkt angesprochen werden und auch erklärt werden, dass Holz nun einmal ein Naturprodukt und damit jedes Stück individuell sei. 

Die traditionelle Verkaufsausstellung der JVA Attendorn steht vor der Tür

Der Ursprung der Arbeitstherapie stammt daher, dass eine Beschäftigung für die Inhaftierten, die über keinerlei Arbeitskompetenzen verfügen, gesucht wurde. Es begann mit Ton- und Töpferarbeiten als Freizeitbeschäftigung für die Insassen und ging über das Erstellen von Zinndruckbildern. Schließlich kam die Arbeit mit Holz dazu und wurde von einer Freizeitbeschäftigung viel mehr. Die Arbeitstherapie soll die Häftlinge an eine wirtschaftlich ergiebige Arbeit heranführen. Acht Stunden arbeiten bis zu 40 Teilnehmer täglich. „Dabei kann die Zahl täglich variieren“, erklärt Ludger Schröder eine der Schwierigkeiten der Arbeitsgruppe. Die andere besteht in der Aufenthaltsdauer der Häftlinge. Nach der Entlassung eines Teilnehmers der Gruppe kann es vorkommen, dass bestimmte Produkte nicht fertig gestellt werden können. „Die Produkte hängen von der Qualität der Arbeiter ab. Wenn einer eine Vorliebe für Werkbänke hat, gibt es in dem Jahr eben weniger Küchen.“ 

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer eines Insassen der JVA beträgt drei Monate. Doch es kann passieren, dass Teilnehmer der Arbeitstherapie Holz schon nach zwei Wochen wieder gehen oder andere erst nach mehreren Jahren. Bedacht werden muss dabei auch noch die Einarbeitungszeit. Deswegen achten die Beamten der Gruppe darauf, dass möglichst erst alles fertig gestellt wird, bevor sich die Häftlinge an neue Arbeiten machen können. Das genutzte Lärchenholz für die Arbeit stammt ausschließlich aus dem Sauerland. 

Die traditionelle Verkaufsausstellung der JVA Attendorn steht vor der Tür

Dieses Jahr können sich Besucher leider nicht auf neue Produkte freuen, da der Betrieb umgestellt werden musste. Das Produktionsverfahren ist nun ein „Bausatzverfahren“ und ein neuer Raum wurde eingerichtet. Die vorgefertigten Bauteile werden in die JVA Castrop-Rauxel zur Montage geschickt und schließlich wieder zur Endkontrolle nach Attendorn, wo der Verkauf stattfindet. Trotz dieses Aufwands sind für Borrmann die Umsatzzahlen nur nebensächlich. Diese lagen im letzten Jahr bei 62.000 Euro und 2017 bei 56.000 Euro. „Uns geht es nicht um die Kostenabdeckung, sondern um die Beschäftigung. Die Möglichkeit den Häftlingen Struktur und Rhythmus zu geben“, erklärt der Leiter der JVA Attendorn. Die Inhaftierten sind zur Arbeit verpflichtet. Ob bei den Gartenarbeiten, in der eigenen Schreinerei, im Reinigungsdienst oder bei der Arbeitstherapie Holz ist dabei egal. Es wird Rücksicht auf die Wünsche genommen und die Vorerfahrungen der Häftlinge bedacht. Die Arbeit wird vergütet und der größte Teil davon als Überbrückungsgeld für die Zeit nach der Entlassung zur Seite gelegt. Den Rest erhalten die Inhaftierten zur freien Verfügung. Die Raten sind dabei flexibel, doch es wird darauf geachtet, dass das Geld für die Überbrückung zur Seite gelegt wird. Bei der mittleren Vergütungsstufe werden von 13 Euro ungefähr 70 Prozent zurückgelegt. „Davon soll ein Häftling den ersten Monat nach seiner Entlassung zurechtkommen“, teilt Borrmann die Idee des Überbrückungsgeldes mit. 

Die traditionelle Verkaufsausstellung der JVA Attendorn steht vor der Tür

René Patrick S. ist seit vier Wochen im Offenen Vollzug der JVA Attendorn und Teilnehmer der Arbeitstherapie Holz. Er ist an der Fertigung von Küchen, Ritterburgen und Krippen beteiligt und am Ende auch für die Artikelkontrolle verantwortlich. Dabei wird die Lackierung kontrolliert oder auch die Ausbesserung von Astnarben vorgenommen. Es ist kein „Muss“ an der Arbeitstherapie teilzunehmen. Der Reiz ist es jedoch mit Holz zu arbeiten und auch Scherze mit den Beamten sind dabei möglich. „Der Spaß allgemein. Man ist freier und hat vielmehr Möglichkeiten“, begründet René Patrick S. seine Teilnahme an der Arbeitstherapie Holz. Für das nächste Jahr ist die erneute Teilnahme am Ernte- und Tierschaufest in Drolshagen bereits geplant sowie die Adventsausstellung, die mittlerweile zur Tradition gehört. Darüber hinaus soll die Umstrukturierung der Arbeitstherapie Holz in einen Eigenbetrieb erfolgen. 

Die traditionelle Verkaufsausstellung der JVA Attendorn steht vor der Tür

Im letzten Jahr bestaunten 1787 Besucher die kunstvolle Handarbeit bei der Adventsausstellung. Das waren 452 mehr als 2017. In diesem Jahr findet die Adventsausstellung am Sonntag, 1. Dezember, von 12 bis 17 Uhr im Gutsgebäude der JVA Attendorn statt. Besucher finden dort nicht nur liebevoll gestaltete Schaukelpferde, Pferdekutschen, Ritterburgen, Küchen, Kaufläden, Bauernhöfe und vieles mehr für die Kinder, sondern auch „für die großen Kinder findet sich bestimmt das Passende“ wie Ludger Schröder verrät. Neben weihnachtlichen Krippen und Baumscheiben sind auch Zapfböcke und Bierkastensitze zu finden. Insgesamt werden circa 1900 Produkte ausgestellt, dazu noch eine Vielzahl an Kränzen, Gestecken und ungefähr 2200 Figuren.

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