Gesundheit ist oberste Prämisse

Anwohner und Stadt gegen XL-Stahlgittermasten

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Soll durch massive Stahlgittermasten des Typs Donau ersetzt werden: Die derzeitige Stromtrasse durch Attendorn/Ennest.

Attendorn/Ennest. Sie sind bis zu 70 Meter hoch, 30 Meter breit und werden das Landschaftsbild im Stadtgebiet Ennest/Schwalbenohl sowie in weiteren Ortsteilen maßgeblich prägen: Neue 380 Kilovolt (KV) Leitungen in Form von massiven Stahlgittermasten des Typs Donau.

Das im Januar beginnende Planfeststellungsverfahren des Netzbetreibers Amprion sieht eine Aufstockung der Leitung von derzeit 220 KV auf 380 KV sowie eine Zusammenführung der parallel zur Trasse verlaufenden 110 KV-Masten vor und sorgt damit für anhaltenden Diskussionsstoff. Angesichts des dicht besiedelten Streckenabschnitts – mit dem Neubau sogar die am dichtesten besiedelte Trasse Deutschlands – werden gesundheitliche Bedenken, wie ein erhöhtes Krebsrisiko, bei den Betroffenen laut: „Die Belastung der elektrischen Magnetfelder ist bei den vorgesehenen Stahlgittermasten bedenklich, der Geräuschpegel, je nach Wetterlage, hoch“, so Anwohnerin Dorothe Rocksloh. 

In Ländern wie den Niederlanden oder der Schweiz liege der Grenzwert elektromagnetischer Strahlung bei nur rund 0,4 µT (Mikrotesla), in Deutschland bei 100 µT, das sei „unglaublich hoch“, so Rocksloh weiter. Gesetz den Fall, dass Leitungen unmittelbar über das eigene Haus verliefen, würde der Grenzwert von 100 µT noch nicht überschritten werden. Bei den geplanten Donaumasten liege die elektromagnetische Emission in einem Radius von 200 Metern noch über dem von Wissenschaftlern als kritisch angesehenen Emmisionswert von 3 µT, heißt es weiter. Deshalb setzt sich die Bürgerinteressengemeinschaft aus den betroffenen Gebieten sowie Stadt und Rat für Kompaktmasten ein. Diese Option bringe die gleiche Leistung, stelle dennoch eine schonende Alternative für Mensch und Natur dar. Kompaktmasten zeichnenten sich durch eine deutlich geringere Trassenbreite sowie erheblich reduzierte elektromagnetische Strahlung aus und könnten auch in engsten Räumen in die Kulturlandschaft integriert werden. 

Ziel: Verringerung der Strahlung 

Dabei berufen sich die Betroffenen auf die 26. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immisionsschutzgesetz, welches bei einer vorgesehenen Leistungsaufstockung von 220 KV auf 380 KV die Möglichkeit auf einen Neuersatzbau – in diesem Fall Kompaktmasten – bietet. Das Problem sei laut Schulte schon lange nicht mehr, dass Masten kommen, denn das sei Fakt. „Wir möchten das Schutzgut Mensch bewahren und die Verringerung der elektromagnetischen Wechselfelder erzielen. Bürger, Stadt und Verwaltung müssen sich zusammen für die schonende Variante stark machen und tun es auch jetzt schon“, nur dann würden diese auch gebaut, weiß Schulte. 

Nicht zuletzt deswegen hoffen Stadt und Initiatoren auf zahlreiches Erscheinen aller Interessierten und Betroffenen am Donnerstag, 14. Dezember, in der Attendorner Stadthalle. Denn der Bundesverband für Kompaktleitung, ein Zusammenschluss zur Förderung der Entwicklung und Verbreitung moderner Freileitungstechnologien, informiert an diesem Abend ab 18.30 Uhr über das Thema. „Nur wenn der Netzbetreiber Amprion sieht, dass viele Leute sich für das Thema interessieren und einsetzen, werden die Masten auch gebaut“, erklärt Rocksloh. Es solle keine Protest-, sondern eine Infoveranstaltung sein. Ab Januar sei es dann wichtig, Einspruch gegen das Planfeststellungsverfahren zu erheben, heißt es abschließend.

Stadthalle Attendorn, Donnerstag, 14. Dezember, 18.30 Uhr. Thema: Kompaktmasten als schonende Alternative für Attendorn. Alle Interessierten sind eingeladen

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