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Gibt es bald ein Geburtshaus in Attendorn?

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Von: Andrea Vollmert

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Kann es trotz der Schließung der Geburtshilfe und der Gynökologie am 1. November trotzdem noch Geburten in Attendorn geben? Ein Geburtshaus könnte eine Lösung des Problems darstellen. © Arno Burgi/dpa-Zentralbild/dpa

Schon nach der ersten Nachricht zur drohenden Schließung der Gynäkologie und der Geburtshilfe der Helios Klinik Attendorn wurde die Stadtverwaltung aktiv. Nun, nachdem der 1. November feststeht (wir berichteten), haben sich einige Hebammen bei der Stadtverwaltung gemeldet, und es haben zahlreiche Gespräche stattgefunden. „Hier kam die Idee eines Geburtshauses auf“, erklärt Kristin Meyer, die sich bei der Stadt um die Themen Stadtteilmanagement und Demographie kümmert.

Attendorn - „Wir haben über jegliche Möglichkeit nachgedacht und Gespräche geführt mit Vertretern der Helios, mit Ärzten und Hebammen.“ Eine wirkliche Lösung für das Problem der fehlenden Ärzte hat es dabei offensichtlich nicht gegeben.

„Ein Geburtshaus könnte aber die vorhandene Infrastruktur im Krankenhaus nutzen und außerdem gäbe es damit die Möglichkeit, weiterhin in Attendorn zu gebären“, erklärt Kristin Meyer weiter. Aber auch sie ist sich der Probleme und Risiken bewusst. „Das ist wie eine Hausgeburt - nur im Krankenhaus.“ Sollten nämlich Komplikationen unter der Geburt auftreten, gibt es in der Helios Klinik keine gynäkologische Abteilung mehr, die einen dann notwendigen Kaiserschnitt durchführen könnte. Die Schwangere müsste in einem solchen Fall „unter der Geburt“ nach Olpe oder Altenhundem gebracht werden. Eine andere Möglichkeit wäre, dass es in Attendorn Gynäkologen gäbe, die im Notfall als Belegarzt „einspringen“ würden. „Das bedeutet aber, dass so jemand 24/7 verfügbar sein müsste, an 365 Tage imJahr“, gibt Meyer zu bedenken.

Stadt Attendorn wäre nur der Vermittler

Vorteil eines solchen Models wäre auf der anderen Seite, dass alles rund um Schwangeschaft und Geburt in den selben Händen läge. „Vorsorge, Geburt und Nachsorge könnten durch ein Geburtshaus betreut werden“, erklärt Kristin Meyer.

Wichtig in diesem Zusammenhang: Die Stadt ist lediglich unterstützend tätig und sieht sich als Vermittler zwischen den handelnden Akteuren. Sollte eine Hebamme Interesse an einem Geburtshaus in den Räumlichkeiten der Helios Klinik haben, so müsste sich den Schritt in die Selbständigkeit wagen.

Bislang ist das alles nur ein Denkmodell, das davon abhängt, ob es Hebammen gibt, die sich vorstellen könnten, die bisher theoretischen Pläne mit Leben zu füllen.

Fakt aber bleibt: Die Gynäkologie und die Geburtshilfe in Attendorn schließen am 1. November.

Was ist ein Geburtshaus?

Ein Geburtshaus ist eine von Hebammen betriebene selbständige und außerklinische Einrichtung zur Betreuung von Geburten. Das erste Geburtshaus in Deutschland wurde 1985 in Gießen von der Lehrhebamme Dorothea Heidorn eröffnet, 2005 existierten rund einhundert Geburtshäuser in Deutschland. 

Ziel eines Geburtshauses ist es, Schwangere und Paare während der Schwangerschaft, der Geburt und der ersten Zeit mit dem Säugling umfassend und persönlich zu begleiten. Es grenzt sich damit bewusst von Kliniken ab und will Frauen dabei unterstützen, bewusst, selbstbestimmt, seelisch und geistig gesund mit ihrer Schwangerschaft, der Geburt und ihrem Neugeborenen umzugehen. Die Betreuung wird durch Hebammen und andere Berufsgruppen geleistet.

Viele Geburtshäuser bieten Informationsveranstaltungen, Geburtsvorbereitung, Kurse in offenen oder geschlossene Gruppen, Vorbereitung zum Leben mit Kindern usw. In den meisten Geburtshäusern kann nur ambulant unter der Leitung einer Hebamme entbunden werden, d. h. nach einem normalen Geburtsverlauf kehren Mutter und Kind bereits nach wenigen Stunden in die eigene Wohnung zurück und werden in der Folgezeit von der Nachsorgehebamme betreut. Einige Geburtshäuser bieten aber auch stationäre Betreuung im Wochenbett bis zu sechs Tagen an. Viele Geburtshäuser bieten nach der Geburt Rückbildungsgymnastik, Stilltreffs, Krabbelgruppen und anderes an. 

(Quelle: Wikipedia)

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