Hoher Besuch in St.-Ursula-Schule

Der Attendorner Unternehmer Walter Viegener sprach vor Schülern des St.-Ursula-Gymnasiums. Foto: SK

Schulministerin und UN-Jugenddeligierte waren jetzt zu Gast — kontroverse Diskussionen

Attendorn. (SK)

Einen ereignisreichen Schulbeginn verbuchte das Attendorner St.-Ursula-Gymnasium. Gleich in der ersten Woche kam Schulministerin Barbara Sommer zu einem Interview mit der Schüler-Projektgruppe "Traumjob Politiker:" ins Haus. Vier Tage später hatte die Schule im Rahmen eines sozialwissenschaftlichen Aktionstags zum Thema Globalisierung die beiden UN-Jugenddelegierten Marah Köberle (22) und Jonathan Mack (23) zu Gast. Die Fragen der Schüler an die Ministerin waren breit gefächert — sie reichten von den Kopfnoten über das Zentralabitur bis zum "Sitzenbleiben", vom Bußgeld für Schulschwänzer bis zur Schuldenberatung im Unterricht.

Barbara Sommer nutzte die Gelegenheit, einige Missverständnisse hinsichtlich der jüngst diskutierten Sechs-Tage-Woche richtig zu stellen. Diese sei nur ein Angebot an die Schulen, keineswegs eine Verpflichtung. Ob auch samstags Unterricht stattfinden solle, müssten letztlich die Gremien vor Ort entscheiden. Deutlich bezog die Ministerin Stellung zum Kopftuchstreit. Wenn eine muslimische Lehrerin im Unterricht ein Kopftuch trage, sei das nicht nur eine individuelle Geste. Das Tuch sei vielmehr ein Symbol. Dadurch würden Dinge tradiert, durch die die Schüler und insbesondere die Schülerinnen unzulässig beeinflusst werden könnten. Das Tragen christlicher Ordenstracht im Unterricht, etwa von Religionslehrern, bleibe hiervon unberührt: "Wir stehen auf dem Boden einer christlichen Tradition. Christliche Werte gehören in unsere Schule. Da ist schon ein Unterschied zu machen, wenngleich das manche Gerichte anders sehen."

Uneins waren die Schüler und die Ministerin in der Frage des so genannten "eigenverantwortlichen Arbeitens". Das Schulministerium hatte die Oberstufenschüler kürzlich auch bei ausfallendem Unterricht zur Anwesenheit in der Schule verpflichtet. Sie sollten, so die Ministerin, in der Zeit ohne Lehrer im Klassenraum Lernstoff eigenständig nacharbeiten und vertiefen.

Weniger kontrovers verlief die Begegnung mit den UN-Jugenddelegierten. Zunächst erklärten die beiden Gäste den gut achtzig anwesenden Schülern der Jahrgangsstufen 12 und 13 ihre Funktion: Die Bundesrepublik Deutschland entsende jährlich jeweils zwei Repräsentanten der deutschen Jugend zu den Vereinten Nationen. Zusammen mit Abordnungen aus anderen Nationen trügen diese Delegierten dann im Herbst auf der Generalversammlung in New York und in diversen Ausschusssitzungen die politischen Vorstellungen und Wünsche der Jugend der Welt vor. Dazu holten sie, die beiden deutschen Delegierten, zuvor auf einer umfangreichen Tour quer durch die Bundesrepublik Informationen über die Interessen, Ideen und Forderungen der hiesigen Jugendlichen ein — so auch in Attendorn. Die St.-Ursula-Schüler steuerten dann auch gleich einige bemerkenswerte Vorschläge bei: So forderten sie beispielsweise eine weltweite Übereinkunft, Altwaffen aus Armeebeständen zu verschrotten, statt sie, wie bisher, gewinnbringend in Krisengebiete zu verkaufen. Die soziale Verantwortung von Staaten und Unternehmen solle in internationalen Rankings dokumentiert werden. Auch wurde der Ruf nach Mindestlöhnen in Entwicklungsländern laut. Ob sie in einer globalisierten Welt, besonders angesichts der Konkurrenz aus Fernost, Angst um ihre Zukunft hätten, wollten die Jugenddelegierten von den St.-Ursula-Schülern wissen.

Einige äußerten, sie sorgten sich in der Tat um ihr berufliches Auskommen. Die meisten blickten jedoch optimistisch nach vorn. Vielleicht lag dies an dem Vortrag eines weiteren Gastes des Aktionstags: Walter Viegener, Mitinhaber der Attendorner Firma Viega, mit 2800 Mitarbeitern in aller Welt selbst längst ein Global Player, legte in seinen Ausführungen ein deutliches Bekenntnis zum Standort Deutschland ab. Die fernöstlichen Mitbewerber sehe er zwar mit Sorge und besonders die Produktpiraterie mache der Branche sehr zu schaffen, doch halte er an seinem mittelständischen Unternehmenskonzept fest. Jedenfalls werde, solange er lebe, keine "Heuschrecke" seine Firma übernehmen.

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