5500 Kilometer durch Deutschland

Erster Stopp im Sauerland: Krebspatient radelt für den guten Zweck durch Deutschland

Vor dem Attendorner Rathaus wurde Oli (r.) vom stellvertretenden Bürgermeister, Horst Peter Jagusch, und Joanna Junge vom Verein Strahlemaennchen in Empfang genommen.
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Vor dem Attendorner Rathaus wurde Oli (r.) vom stellvertretenden Bürgermeister, Horst Peter Jagusch, und Joanna Junge vom Verein Strahlemaennchen in Empfang genommen.

Selbsthilfe, Leidenschaft und soziales Engagement: so lässt sich das ehrenamtliche Spendenprojekt von Oliver Trelenberg am besten beschreiben. Unter dem Motto „Oli radelt!“ fährt der Hagener durch ganz Deutschland und sammelt auf seinem Weg Spenden für krebs- und schwerstkranke Kinder. Dieses Jahr für den Verein Strahlemaennchen. Nach seinem Start am gestrigen Montag machte Oli seinen ersten Halt auf der etwa 5500 Kilometer langen Spenden-Rundreise am heutigen Dienstag in der Hansestadt.

Attendorn – 1965 in Schwerte a.d. Ruhr geboren, wuchs Oli Trelenberg in schwierigen familiären Verhältnissen auf. Sein Alltag war geprägt von Demütigungen sowie körperlicher und psychischer Gewalt. Eine Situation, die ihn schon frühzeitig zum missbräuchlichen Alkoholkonsum führte. Auch schulisch und beruflich konnte der Hagener aufgrund seines ständigen, flüssigen Begleiters nicht wirklich Fuß fassen. Er hielt sich durch Gelegenheitsjobs über Wasser, verbüßte zudem zwei Freiheitsstrafen von insgesamt 26 Monaten.

1992 verließ er daraufhin sein gewohntes Umfeld und beendete den langjährigen Alkoholkonsum. Nur ein Jahr später heiratete er. Nach dem Aus seiner Ehe im Jahr 1998 kam es jedoch, wie es kommen musste. Oli wurde rückfällig. „Ich konnte mein Leben nur unter Einfluss von Alkohol ertragen“, berichtet der heute trockene Alkoholiker. Eine weitere Eheschließung folgt, die Oli allerdings bereits zwei Jahre später beendet.

Neue Probleme

2003 gelingt dem heute passionierten Radfahrer die Kehrtwende. Er krempelt sein Leben völlig um, doch sein Alltag in nüchternem Zustand ist geprägt von Depressionen, traumatischen Störungen und Zwangserkrankungen. Oli begibt sich in ärztliche und psychotherapeutische Behandlung.

2009 entdeckt Oli nach anfänglicher Skepsis („Wofür hab’ ich denn ein Auto?“) das Radfahren für sich. „Langsam kehrte etwas Lebensmut zurück und so verbesserte sich auch meine Lebensqualität“, erläutert der Hagener.

Schockdiagnose Kehlkopfkrebs

Doch der nächste Schicksalsschlag ließ nicht lange auf sich Warten. 2013 erhielt Oli die Schockdiagnose Kehlkopfkrebs. Es erfolgen Biopsie, Kehlkopfteilentfernung und die Ausräumung aller Lymphknoten im Halsbereich. Nur mit viel Glück konnte seine Stimme gerettet werden.

„Nach und nach radelte ich mich zurück ins Leben“, erklärt Oli. Seine ersten Versuche scheiterten nach etwa sieben Kilometern. Aufgeben war für Oli aber keine Option. Mit hohem Aufwand gelang es Oliver im Jahr 2014 über 5000 Kilometer in Tagestouren zu fahren. Er rief folglich sein Projekt ins Leben, um anderen Menschen Mut zu machen.

Erste Spenden-Tour

2015 startete er dann seine erste Spenden-Tour und radelte zugunsten des Deutschen Kinderhospizvereins. Seitdem wechseln die Projekte, die Oli bisher mit insgesamt 41.000 Euro unterstützen konnte, wie auch die Touren, die er fährt. Besonders einprägsame Landschaften versucht der Hagener nochmals in seine Routen einzupflegen: „Ich weiß ja selber nicht einmal, ob ich nächstes Jahr überhaupt noch einmal fahren kann.“

Nach dem Start in seiner Heimatstadt führt die aktuelle Tour den Hagener weiter von Attendorn über Siegen nach Zweibrücken, Stuttgart, Passau, Würzburg, Erfurt, Bautzen und Berlin. Von dort geht’s weiter über Usedum, Flensburg, Cuxhaven, Delmenhorst, Osnabrück, Münster und Hamm zurück nach Hagen. Insgesamt legt Oli 91 Stopps auf seiner 95 Tage währenden, etwa 5500 Kilometer langen Tour ein, ehe er am 23. September um 16.30 Uhr die eigene Haustüre wieder öffnen will.

Habseligkeiten in vier Fahrradtaschen

Bis dahin kommt er bei seinen jeweiligen Stops in Hotels unter, die von Unternehmen bezahlt werden, die die Aktion unterstützen. Sämtliche Habseligkeiten führt er dabei in vier Fahrradtaschen mit sich. „Die Spender können versichert sein, dass ihre Spenden zu 100 Prozent an Strahlemaennchen gehen und nicht für Essen oder Hotelaufenthalte draufgehen“, unterstreicht der Ruhrpottler.

Spendenmöglichkeit der Benefiz-Radreise

Spendenempfänger: Stadt Hagen

Geldinstitut: Sparkasse HagenHerdecke

IBAN: DE23 4505 0001 0100 0004 44

Verwendungszweck: „Oli radelt für das Strahlemännchen, Kassenzeichen 800900009638“

Spender, die im Verwendungszweck zusätzlich ihre Anschrift (Straße, Postleitzahl, Ort) angeben, erhalten eine Spendenquittung. Bei Spenden bis 200 Euro genügt als Nachweis gegenüber dem Finanzamt der Kontoauszug der Bank.

Er hofft, auf den etwa 50 bis 70 Kilometer langen, täglichen Etappen ganz viele verschiedene Menschen auf sein Projekt und auf Strahlemaennchen aufmerksam machen zu können. „Wenn es sich ergibt, freue ich mich, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. Dann versuche ich sie über mich, meine Lebensgeschichte und mein Projekt zu informieren. Wenn derjenige dann Bock hat, und alles Tutti ist, kann er gerne einen Tacken spenden. Dafür gebe ich ihm dann einen Flyer mit den Daten vom Spendenkonto mit. Persönlich nehme ich kein Geld an, da das Geld nicht für mich, sondern für die betroffenen Kinder sein soll“, so Oliver.

Bei seinem ersten Stopp in Attendorn wurde der passionierte Radfahrer von Horst Peter Jagusch, stellvertretender Bürgermeister der Hansestadt, in Empfang genommen. Dieser wünschte Oli eine gute Fahrt, möglichst viele Spenden und lud ihn gleichzeitig ein, im nächsten Jahr an der 800-Jahr-Feier der Hansestadt teilzunehmen, was sein Gegenüber dankend annahm.

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