2200 begeisterte Schüler

Kreuzfahrt mit Klarinetten: Philharmonie Südwestfalen auf Schulkonzert-Tournee

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Dem Kreuzfahrt-Motto entsprechend, trugen manche Musiker Seemannsmützen.

Attendorn. So kann man sich irren. Als Claudia Runde die Attendorner Stadthalle betritt, ist sie der Überzeugung, die Einladung zu einer Kreuzfahrt auf der Moldau in den Händen zu halten. Doch der Blick Richtung Bühne belehrt sie eines Besseren. Denn dort sitzen die Musiker der Philharmonie Südwestfalen, des musikalischen Aushängeschilds der Region aus Hilchenbach. Und die nehmen die Konzertpädagogin und rund 700 Schüler aus den 3. und 4. Klassen der Grundschulen im Kreis Olpe tatsächlich mit auf eine Reise auf dem 430 Kilometer Kilometer langen Fluss in Tschechien. Allerdings auf eine musikalische.

„Die Moldau“, Bedrich Smetanas wohl bekanntestes Werk und zweiter Teil des großen symphonischen Zyklus’ „Mein Vaterland“, beschreibt den Lauf des Flusses von seinen zwei Quellflüssen – einer kalt, einer warm – bis zu seiner Mündung in die Elbe. Als beispielhaftes Exemplar der Programmmusik, also der Musik, die Bilder oder Geschichten wiedergeben, passt dieses Stück äußerst gut in das Konzept der Schulkonzerte der Philharmonie Südwestfalen. Denn Claudia Runde nimmt in ihrer Moderation die Schulklassen mit vollem Körpereinsatz und einer gehörigen Portion Humor mit auf die Reise auf der Moldau. 

Und die Schüler dürfen fleißig mitmachen: Sie dürfen Wellenbewegungen machen und mitsingen beim stark an „Alle meine Entchen“ erinnernden Hauptmotiv des Stücks, schnippen, klatschen und schnalzen bei der Bauernhochzeit, mit einem selbstgebastelten Mond dessen Lauf beim Nymphenreigen imitieren und „mittosen“ bei den St.-Johann-Stromschnellen, bevor die Moldau schließlich an der einst prächtigen Prager Hochburg Vysehrad vorbei gen Elbe fließt. Zwischendurch erklärt Claudia Runde immer wieder einzelne Instrumente oder den Einsatz von Dämpfern bei Streichinstrumenten und dessen Auswirkung auf den Klang. 

Zufrieden zeigt sich im Anschluss Michael Nassauer, Intendant des Hilchenbacher Profiorchesters: „Bereits zum zweiten Mal in Folge starten wir unsere Schulkonzert-Tournee im Kreis Olpe. Wir haben zunehmend Erfolg mit dem Format, das meiner Meinung nach das beste Schulkonzert-Format ist, das man anbieten kann.“ Davon zeugt auch die große Nachfrage: Die Schulkonzerte finden mittlerweile in der Kreisen Siegen-Wittgenstein, Olpe, Altenkirchen und in Haiger im hessischen Lahn-Dill-Kreis statt. Insgesamt spielen die Musiker zwanzig Schulkonzerte, nächstes Jahr gibt es sogar noch mehr: „In Haiger gab es die Nachfrage nach einem zweiten Konzert“, so Nassauer. 

Christoph Vandory: „Ich liebe dieses Stück“ 

Das Konzept der Reihe sieht neben dem Zuhören und Mitmachen der Schüler auch eine Fortbildung der beteiligten Lehrer in den Schulen vor: „Wir kriegen sehr positive Rückmeldungen der Lehrer. Gerade Lehrer, die das Fach Musik fachfremd unterrichten, können mit den Schulkonzerten sehr viel anfangen. Wir haben großes Interesse daran, dieses Projekt fortzuführen“, erklärt Michael Utsch vom Kreis Siegen-Wittgenstein. Dort haben die Schulkonzerte 1963 ihre Anfänge genommen. Zunächst unregelmäßig, seit 1984/85 schließlich als Konzertreihe. 

Die Lehrer bekommen bei der Fortbildung Material, unter anderem ein Handout und eine CD, um das Mitmachprogramm mit den Schülern einzustudieren. „Ich nehme auch kleine Youtube-Videos auf, die ich den Lehren zur Verfügung stelle“, sagt Claudia Runde. Sie ist seit rund zehn Jahren Moderatorin, Gesicht und Art „kreative Vordenkerin“ der Schulkonzerte: „Alle zwei Jahre haben wir das Ziel, dass den Kindern am Ende in langes Stück komplett zu präsentieren. Das ist eine Herausforderung für die Kinder.“ Vorher erklärt sie einige Teilstücke, sodass am Ende ein Wiedererkennungswert entsteht. Dabei werden auch von den Schülern selbst gemalte Bilder gezeigt. 

War es vor zwei Jahren in Olpe noch George Gershwins „Ein Amerikaner in Paris“, präsentierte die Philharmonie in diesem Jahr in Attendorn und Finnentrop also die „Moldau“. Sehr zur Freude des Dirigenten Christoph Vandory, der in Attendorn seine „Schulkonzert-Premiere“ feierte: „Ich liebe dieses Stück, bin selbst damit aufgewachsen.“ Besonders froh ist er darüber, dass „so ein hervorragendes Orchester die Möglichkeit hat, flächendeckend den Schülern diese Musik zu präsentieren. Man merkt den Musikern an, dass ihnen das wichtig ist und Spaß macht.“ 

Ute Roth: „Begeisterung spricht für das Konzept“

Für Michael Nassauer kommt das Orchester damit aber auch seinem eigentlichen Auftrag nach: „Als Landesorchester NRW bekommen wir Landesförderung dafür, dass wir die musikalische Versorgung der südwestfälische Fläche übernehmen.“ Für die Schulkonzerte erhält die Philharmonie Südwestfalen daher auch nicht das übliche Konzerthonorar. Dennoch sind drei Euro Eintritt fällig, was die Kosten aber bei weitem nicht deckt. Das Defizit gleichen in Olpe und Siegen-Wittgenstein die Kreise aus, in Altenkirchen übernehmen das die jeweiligen Kommunen, in Haiger die Sparkasse. 

„Wir sind glücklich, dass das Angebot jetzt kreisweit besteht. Die Begeisterung, die Sie übermitteln, spricht für das Konzept“, so Ute Roth von der Schulaufsicht des Kreises Olpe. Der Kreis hatte die 3. und 4. Klassen aller 23 Grundschulen angeschrieben, 21 waren zu den Vorstellungen in Attendorn und Finnentrop kommen – insgesamt haben die Konzerte somit rund 2200 Schüler erreicht. Der Kreis Olpe ist seit dem vergangenen Jahr Mitorganisator der Schulkonzerte, zuvor hatte die Organisation im Olper Raum in den Händen der Musikschule Olpe und deren Leiter Jörg Klüser gelegen. Dahinter steckt viel Arbeit, die man nicht sieht, aber es ist den Aufwand wert. Die Schüler sind hoffentlich unsere Zuhörer von morgen“, sagt Michael Nassauer.

Schulkonzert der Philharmonie Südwestfalen in der Stadthalle Attendorn

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