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Kritik an Sitzungsvorlage zum Bahnhof

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Ehrenamtlich agierende Attendorner kämpfen um den Erhalt des alten Attendorner Bahnhofs.  Foto: Andrea Vollmert
Ehrenamtlich agierende Attendorner kämpfen um den Erhalt des alten Attendorner Bahnhofs. Foto: Andrea Vollmert

Die Sitzungsvorlage liegt auf dem Tisch. Überall sind Textpassagen markiert, Anmerkungen am Rand lassen erahnen, dass der Inhalt nicht wirklich überzeugt hat.

Und so ist es: Vertreter des Vereins Alter Bahnhof, des Heimatvereins Attendorn und von Kultura haben sich am Wochenende mit dem Inhalt der Sitzungsvorlage zur Weiterverwendung des Gebäudes Alter Bahnhof und des Gebäudes „Alte Post“ zum Hauptausschuss und zur Stadtverordnetenversammlung beschäftigt. „Es gibt eklatante Fehler“, ist das Resümee.

Ein Team um Andreas Luke und Jens Leiendecker hatte innerhalb kürzester Zeit völlig neue Pläne für den Alten Bahnhof vorgelegt mit einem Konzept, das die sinnvolle Nutzung der Räume mit wirtschaftlicher Tragfähigkeit in den Mittelpunkt stellen sollte (der SauerlandKurier berichtete).

In nur wenigen Wochen hatten sie Kostenvoranschläge eingeholt, Zahlen zusammengestellt und das gesamte Konzept pünktlich zu der von der Stadt gesetzten Frist eingereicht.

Dann kam am Freitag der Schock: In der besagten Sitzungsvorlage wird klar geäußert, dass „ein Ausbau des Objektes für kulturelle Zwecke nicht mehr vorzusehen“ ist. Die Stadtverwaltung führt unzählige Gründe auf, die diesen Beschlussvorschlag stützen sollen. Dazu werden die Zahlen der Ehrenamtler immens in Frage gestellt, so dass die Kommune die angegeben Baukosten von rund zwei Millionen auf eine Brutto-Investitionssumme von bis zu 3,35 Millionen „korrigiert“. „Wir haben unsere Pläne nicht auf Schätzungen basiert – wir haben dafür handfeste Kostenvoranschläge“, erklärt Jens Leiendecker.

Aber es gebe auch viele weitere Denkfehler in der Vorlage. Die von der Stadt vorgelegten Zahlen gehen noch immer von den alten, viel größeren Plänen aus. „Die habe sich nicht einmal die Mühe gemacht, unser Konzept als Grundlage zu nehmen“, ist man enttäuscht. Stattdessen würden die höher angesetzten Zahlen einfach auf das viel schlankere und kostengünstigere Konzept übertragen. „So geht das nicht“, sind sich die Ehrenamtler einig. „Wir hatten drei Wochen Zeit, haben alleine 600 Einzelpositionen zusammengetragen und Preise ermittelt.“ Auf der anderen Seite konnte die Stadt zum Beispiel „in der Kürze der Zeit“ scheinbar nicht prüfen, ob die angesetzten Mieterlöse, die einheitlich auf acht Euro pro Quadratmeter festgesetzt worden waren, realistisch sind. „Wenn die Kürze der Zeit eine detaillierte Betrachtung nicht zulässt, dann muss man sich die Zeit nehmen“, fordern die Vertreter der agierenden Vereine.

Aber auch ein weiterer Punkt wirft Fragen auf. In der Sitzungsvorlage heißt es: „Die neue Dominanz des mittleren Baukörpers und dessen Orientierung an historische Bau- stilen (die es an dieser Stelle noch nie gab) ist nicht überzeugend. Das städtebauliche Quartier, insbesondere das angrenzende Alleecenter und die zukünftige Freiflächenentwicklung im Bereich des ehemaligen Busbahnhofs stehen bzw. werden im Gegensatz zu diesem Baukörper stehen. Die ursprüngliche Planung, die einen modernen Zwischenbau zum Inhalt hatte, war deutlich besser geeignet, den Bahnhofsbereich zu bereichern.“ „Wer entscheidet das denn“, fragt man sich in den Reihen der ehrenamtlichen Attendorner. „Wir orientieren uns am Bahnhof selbst.“ Weitere Punkte führt das Team um Andreas Luke und Jens Leiendecker auf. So bemängeln sie, dass der angebebene Verkehrswert des Grundstücks falsch bemessen worden sei und von zu hohen Zahlen ausgehe.

Gibt es schon Pläne für das Gelände?

„Die Vorlage lässt wesentliche Informationen weg, verdreht andere und nimmt sich selbst heraus, weitere nicht prüfen zu können“, ist man bei den Agierenden enttäuscht. Auf Seiten der Ehrenamtler wächst die Befürchtung, dass schon Pläne für das Bahnhofsgelände bereit liegen und allein schon deshalb ein neues Konzept nicht willkommen sei.

Dafür würde sprechen, dass in der Sitzungsvorlage die „Alte Post“ bereits ins Spiel gebracht wird, um dort die kulturelle Nutzung zu forcieren. Bürgermeister Christian Pospischil schriebt in einer Stellungnahme: „Ja, wir brauchen ein breiteres kulturelles Angebot in Attendorn. Aber nein, das ist nicht nur im Bahnhof möglich. Ich meine, dass es Zeit für einen Schlussstrich unter die Planungen ist, auch wenn ich verstehe, dass sich die Anhänger des Bahnhofs mit diesem Gebäude emotional verbunden fühlen und diese Entscheidung erst einmal verdauen müssen. Aber erstens möchte ich es den ehrenamtlich engagierten Bürgern nicht zumuten, noch mal Monate oder Jahre weiterzuplanen, obwohl ich die Erfolgsaussichten als gering ansehe. Zweitens: Wenn uns ein breiteres Kulturangebot wirklich am Herzen liegt, dann sollten wir endlich Entscheidungen treffen und uns an die Umsetzung machen.“

Aktuell führen Vertreter der drei Vereine Alter Bahnhof, Heimatverein und Kultura Attendorn Gespräche mit den einzelnen Fraktionen, um den politischen Entscheidern diedetaillierten Pläne vorzustellen. In der Stadtverordneten versammlung am 1. Oktober wird dann entschieden, wie es mit dem historischen Gebäude weiter geht. (Von Andrea Vollmert a.vollmert@sauerlandkurier.de)

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