Der letzte gemeinsame Ton

Ulrich Schmidt verlässt „Westfalen Winds“ nach 13 Jahren

Nach 13 gemeinsamen Jahren dirigierte Ulrich Schmidt die „Westfalen Winds“ zum letzten Mal. Foto: Kathrin Klein
+
Nach 13 gemeinsamen Jahren dirigierte Ulrich Schmidt die „Westfalen Winds“ zum letzten Mal. 

Attendorn. Die westfälische Bläserphilharmonie „Westfalen Winds“ verabschiedete am vergangenen Wochenende ihren langjährigen künstlerischen Leiter und Dirigenten, Ulrich Schmidt mit zwei Konzerten in der Stadthalle Attendorn und im Kurhaus Bad Fredeburg . Besonderer Gastsolist war der Trompetenvirtuose Reinhold Friedrich.

Mit „Tradition & Innovation“ präsentierte „Westfalen Winds“ am vergangenen Freitag- und Samstagabend zwei Konzerte, in denen die Auseinandersetzung mit traditionell und gesellschaftlich Gewachsenem im Vordergrund stand und jeweils ein Programmspektrum von modernen, zeitgenössischen Kompositionen bis zu Werken des frühen 20. Jahrhunderts beinhaltete.

Der Konzertbeginn war der Innovation vorbehalten und wurde mit der „Smetana-Fanfare“ von Karel Husa zeitgenössisch in Szene gesetzt. Im Anschluss folgte bereits einer der Programmhöhepunkte: Einer der renommiertesten deutschen Trompetensolisten der Gegenwart betrat die Bühne. Zusammen mit Reinhold Friedrich wurde Dana Wilsons „Concerto for Trumpet and Wind Symphony“ interpretiert. Bereits nach dem Solo-Werk forderte das Publikum in beiden Konzerten eine Zugabe, die mit dem Trompeterlied „Behüt dich Gott! – Es wär zu schön gewesen“ aus Ernst Nesslers Oper „Der Trompeter von Säckingen“ lyrisch zum Besten gegeben wurde.

Uraufführung: „Tramonto Italiano – Il Dente del Tempo“

Vor der Pause dann der zweite Programmhöhepunkt: die Uraufführung von „Tramonto Italiano – Il Dente del Tempo“ (z. dt. „Italienischer Sonnenuntergang – Der Zahn der Zeit“), die „Westfalen Winds“ beim Sauerländer Komponisten Tobias Schütte in Auftrag gegeben hat und sowohl von meditativem als auch monumentalem Orchesterklang geprägt ist.

Im zweiten Konzertteil spürte das Orchester der Tradition nach und begann mit Percy Aldridge Graingers Meisterwerk „Lincolnshire Posy“. Es folgte Miroslav Juchelkas „Verbunk“, einem ungarischen Werbetanz aus dem 18. Jahrhundert als Überleitung für das Konzertende, den „Yiddish Dances“ von Adam Gorb.

Allerdings brauchte es noch zwei weitere Zugaben, bis Orchester und Dirigent am jeweiligen Konzertabend vom Publikum entlassen wurden. In Attendorn folgte zunächst Dimitri Schostakowitschs „Folk Dances“ in russischer Exuberanz. In Bad Fredeburg ließ sich „Westfalen Winds“ etwas Besonderes einfallen: In Anerkennung für das langjährige Engagement ihres Dirigenten führten die Musiker eine weitere Auftragskomposition aus der Feder des orchestereigenen Baritonsaxophonisten und Komponisten Raik Weidemann auf: „Zugabe 404“. Hierbei erlitt das Orchester nach ein paar Takten der eigentlichen Zugabe „Folk Dances“ plötzlich einen geplanten und auskomponierten Systemabsturz. Durch verschiedene solistische Einlagen und Einsätze musste es dann Stück für Stück neugestartet werden.

Der besondere Kniff: Der Dirigent war gänzlich in Unkenntnis gelassen worden und erhielt wie die Zuhörer Hinweisschilder mit speziellen dirigiertechnischen Anweisungen zur orchestralen Fehlerbehebung.

Mit „Lux Aurumque“ von Eric Whitacre wurden beide Konzertabende schließlich bedächtig geschlossen, sodass Orchester und Dirigent unter stehenden Ovationen mit der Fassung rangen, war es doch der letzte Ton nach 13 Jahren gemeinsamer Musik.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare