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Offene Fragen zum Ferienpark in der Waldenburger Bucht

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Von: Andrea Vollmert

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Campingplatz Waldenburger Bucht Biggesee Baustelle EuroParcs
Der Betreiber EuroParcs hat die Genehmigung für den Bau von 47 Tiny-Häuser nbekommen. Die Bauarbeiten können beginnen © Privat

47 Tiny-Häuser sind vom Kreis Olpe auf dem Gelände des bisherigen Campingplatzes in der Waldenburger Bucht genehmigt worden. Der neue Betreiber EuroParcs will mit dem Bau schnellstmöglich beginnen. Der Bebauungsplans aus dem Jahr 1976 sah in dem Bereich ausschließlich Dauercamping vor. Daraus ergeben sich zahlreiche Fragen. Können Tiny-Häuser als eine Art Dauercamping angesehen werden? Oder ändern sich durch die neue Art der Nutzung auch die Grundzüge der Planung? Was hat nun dazu geführt, dass der Kreis Olpe die neue Art der Bebauung genehmigt hat? 

Attendorn - Kreisdirektor Philipp Scharfenbaum und Johannes Trapp, Leiter des Fachdienstes Bauordnung und Wohnbauförderung beim Kreis Olpe, haben dem SauerlandKurier Rede und Antwort gestanden und haben die Zusammenhänge aus ihrer Sicht erklärt.

„Wir stehen natürlich im engen Austausch mit den Attendornern“, erklärt Scharfenbaum zu Beginn des Gesprächs. In der Hansestadt gibt es bereits einen Aufstellungsbeschluss für einen neuen Bebauungsplan der Waldenburger Bucht, mit dem die Pläne von EuroParcs auf rechtlich stabile Füße gestellt werden sollen.

Stadt Attendorn signalisiert Zustimmung

Trotzdem stand die Frage im Raum, warum schon vor diesem neuen Bebauungsplan Fakten geschaffen wurden und die Baugenehmigung für das erste von drei Arealen erteilt wurde. Philipp Scharfenbaum geht ins Detail: „Wenn wir erkennen können, dass sich städtebaulich was ändern soll (im Bezug auf den neuen Bebauungsplan, Anmerkung der Redaktion), können wir die Baugenehmigung in die Richtung treiben.“ Er konkretisiert: „Je mehr wir da haben, und je mehr sich das verdichtet, wird dadurch die rechtliche Grundlage geschaffen.“ Soll heißen, dass die Stadt Attendorn signalisiert haben muss, den Weg für EuroParcs mit dem noch nicht beschlossenen Bebauungsplan frei machen zu wollen, um das Konzept des holländischen Unternehmens in naher Zukunft umsetzen zu können.

Paragraph 31 BauGB: Entbindung vom B-Plan

„Wir haben Baufreiheit“, erklärt der Kreisdirektor. Die Baufreiheit ist im Baurecht festgeschrieben und spricht dem Grundstückseigentümer das generelle Recht zu, Gebäude auf seinem Grund und Boden zu errichten. Entgegen dieser Freiheit kann das Recht durch Baubeschränkungen limitiert werden. Und eben das sah man beim Kreis Olpe nicht gegeben. „Die Tiny-Häuser bewegen sich im gesetzlichen Rahmen des Bebauungsplanes“, erklärt Johannes Trapp. Dieser gesetzliche Rahmen soll durch den Paragraphen 31 des Baugesetzbuches gerechtfertigt sein, der Ausnahmen und Befreiungen regelt. „Wenn wir nicht sicher wären, dass es nach Paragraph 31 befreibar wäre, hätten wir es nicht gemacht“, so der Kreisdirektor zur Entscheidung des Bauamtes.

Zur Erklärung: Im Bebauungsplan war Dauercamping für den Bereich vorgesehen. Bei der Stadt Attendorn und beim Kreis Olpe ist man sich sicher, dass besagter Paragraph von eben dieser Nutzung befreit und die Tiny-Häuser gebaut werden können.

Ob Dauercamping oder Tiny-Häuser scheint für Johannes Trapp ohnehin kaum ein Unterschied zu sein: „Der bisherige Bebauungsplan sieht Camping als Nutzung des Platzes vor. Durch die Tiny-Häuser entbindet man den Urlauber davon, seine eigenes Zelt mitbringen zu müssen. Eine feste Bleibe ist vor Ort schon installiert.“

Photovoltaikanlage: geplant, aber noch nicht beantragt

Ein weitere Punkt ist die von EuroParcs groß angekündigte „Versorgung der Ferienhäuser mit grüner Energie [...] über eine Photovoltaikanlage“, wie der holländische Konzern in seiner Presseerklärung mitteilt. Die Stadt Attendorn erklärt auf Nachfrage des SauerlandKuriers, dass eben diese Anlage auf dem Parkplatz, der dem bisherigen Campingplatz vorgelagert ist, entstehen soll. EuroParcs aber lässt sich erneut nicht in die Karten gucken. Sie beantworten die Frage nach besagter Photovoltaikanlage mit der Aussage: „Hinsichtlich der Installation der geplanten Photovoltaikanlage im EuroParcs Biggesee bestehen für uns mehrere Optionen, die derzeit geprüft werden.“ Und weiter: „Ein modularer (erweiterbarer, Anmerkung der Redaktion) Ausbau der Photovoltaikanlage im Ferienpark am Biggesee ist wahrscheinlich. Auch hier prüfen wir momentan die möglichen Optionen. Die ersten Installationen sind derzeit für 2023 geplant.“

Spannend in dem Zusammenhang ist, dass nach Aussage von Philipp Scharfenbaum und Johannes Trapp derzeit aber noch kein Bauantrag zu besagter Anlage beim Bauamt in Olpe vorliegt.

Verkehrssituation Knotenpunkt Waldenburger Weg/Heldener Straße

Bleibt ein weiteres, aber grundlegendes Problem: Wird die durch den Bau der Tiny-Häuser geänderte Nutzung des Platzes die ohnehin schwierige Verkehrssituation am Waldenburger Weg weiter verschlechtern?

Es gibt zahlreiche Anwohner, die genau davor Angst haben. Eben das Szenario würde im Übrigen gegen die oben beschriebene Befreiung durch Paragraph 31 sprechen. Zum einen habe die Stadt Attendorn im Rahmen des Bauantrages ein Verkehrsgutachten eingereicht, das jedoch schon einige Jahre alt sei, wie Scharfenbaum im Gespräch zugab. Zum anderen ist sich Johannes Trapp sicher, dass der Bau der 47 Häuser „in absehbarer Zeit und garantiert nicht für mehr Verkehr sorgen“ wird. Das sieht er darin begründet, dass an der Stelle schon immer Camping stattgefunden habe und die Verkehrssituation sich dadurch nicht ändere.

Kommentar: 47 Häuser sind genehmigt – damit ist der Zug eigentlich abgefahren

Die Nachricht, dass EuroParcs eine Baugenehmigung für die ersten 47 Häuser auf dem Gelände des Campingplatzes Waldenburg bekommen hat, hat mich getroffen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Der gültige Bebauungsplan sieht nur Dauercamping vor, der neue B-Plan soll kommen, aber das dauert.

Das große Damokles-Schwert, das jahrelang – oder eher jahrzehntelang – die Pläne der EuroParcs-Vorgänger vereitelt hatte, ist die Zufahrt über den Waldenburger Weg. Das wird nun schön geredet, indem man schlicht davon ausgeht, dass der Verkehr nicht zunimmt. Wer sagt das?

Das letzte Verkehrsgutachten ist alt und schon da erhält der Knotenpunkt Waldenburger Weg/Heldener Straße meines Wissens nach die zweitschlechteste Beurteilung. Also jede weitere Zunahme des Verkehrs wäre fatal – für alle Anwohner im großen Umkreis.

Und dass der wöchentliche Wechsel an Besuchern in einem Ferienpark mehr Verkehr erzeugt, als Dauercamping, bei dem die Bewohner oft wochenlang in der Anlage bleiben, steht nicht zur Diskussion.

Lassen wir das mal außen vor. Die Berichte in der holländischen Presse machen mir noch mehr Sorgen. Da fallen Worte, die mir Probleme machen könnten, wenn ich sie hier wiederhole. Es geht um Geld. Die eigene Hausbank zieht sich erst einmal von neuen Krediten für den großen Partner EuroParcs zurück. Das neue Geldwäschegesetz in den Niederlanden lässt die Rabobank aufhorchen. Die vielen Kommunen in Holland, die mit EuroParcs nicht mehr zusammenarbeiten wollen, sollten auch hiesige Entscheidungsträger aufhorchen lassen. Oder besser nicht mehr?

Denn der Zug ist durch die Genehmigung der 47 Häuser abgefahren. Jetzt muss EuroParcs bekommen, was sie wollen. Denn in den kommenden 99 Jahren sind sie Besitzer des Campingplatzes. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, was passiert, wenn Attendorn plötzlich die Pläne durchkreuzen würde. Dann wäre das Filetstück am Biggesee für Jahrzehnte eine große Bauruine.

Tja, nun ist der Zugzwang da und der Weg für EuroParcs frei. Schade!

Andrea Vollmert

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