„Der Schulweg muss sicher sein“

Kein Bus für kleine Orte: Optimierung des Schülerfahrverkehrs abgelehnt

Die aktuelle und zukünftige Generation Schüler aus Bremge und Bürberg: Hier – direkt an der viel befahrenen Biggeseestraße – warten sie mittags nach der Schule darauf, von ihren Eltern abgeholt zu werden.
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Die aktuelle und zukünftige Generation Schüler aus Bremge und Bürberg: Hier – direkt an der viel befahrenen Biggeseestraße – warten sie mittags nach der Schule darauf, von ihren Eltern abgeholt zu werden.

Eigentlich zeigt das Straßenschild 70 Stundenkilometer an, die meisten Autos und Lkw sind allerdings zügiger unterwegs, der Handyempfang ist schlecht, auf dem Wanderparkplatz parken Autos mit fremden Kennzeichen: Hier warten die Kinder aus Bremge und Bürberg jeden Mittag nach der Schule darauf, von ihren Eltern abgeholt zu werden.

Bremge/Bürberg - Zwar fährt morgens ein Taxi, mittags müssen die Eltern aber selbst für den Transport sorgen. Der Bus fährt nicht bis zu den kleinen Orten am Rande des Attendorner Stadtgebietes. Ein Vorstoß der SPD-Fraktion, den Schülerfahrverkehr zu optimieren, ist in der vergangenen Woche im Ausschuss der Hansestadt für Soziales, Bildung, Kultur und Sport abgelehnt worden. Die Eltern hingegen hoffen weiterhin auf eine Lösung.

In den vergangenen Jahren zogen mehr und mehr junge Familien in die Orte nahe des Biggesees. Dementsprechend steigt auch die Zahl der schulpflichtigen Kinder. „Früher, als wir zur Schule mussten, wurden wir mit einem Taxi abgeholt und auch wieder nach Hause gefahren. Allerdings mussten wir noch nach Neu-Listernohl zur Grundschule, nicht nach Helden“, erinnert sich Anwohnerin Marie Kruse. „Da ging das doch auch völlig problemlos.“ Die betroffenen Eltern finden: „Der Schulweg muss für unsere Kinder, wie für alle Kinder im Attendorner Stadtgebiet, sicher und vor allen Dingen unproblematisch möglich sein.“

Morgens ist dies nach wie vor so – „und das funktioniert auch wirklich hervorragend“, sagen Eltern und Schüler gleichermaßen. Die Kinder werden mit dem Taxi abgeholt und zur 3,5 Kilometer entfernten Bushaltestelle gefahren. Hier steigen sie dann in den Linienbus.

Kein Radweg

Mittags sieht das allerdings ganz anders aus: Die Eltern müssen die Rückfahrt von der Bushaltestelle nach Hause selbst organisieren: „Zu laufen oder mit dem Rad zu fahren, ist leider keine Option: Es gibt keinen Radweg und auf der Landstraße sind teils 100 km/h erlaubt“, erzählt eine andere Mutter.

Ein weiteres Problem: Die Grundschule endet nach der vierten Stunde bereits um 11.10 Uhr, gegen 11.30 Uhr sind die Schüler dann zurück an der Haltestelle Abzweig Berlinghausen/Rieflinghausen. „Wer hat denn dann schon Feierabend? Oder im Zweifel steht man binnen einer Stunde drei Mal hier oben oder muss ein Geschwisterkind aus dem Kindergarten in Empfang nehmen – das stellt uns wirklich vor große Herausforderungen“, sagt Matthias Schwermann aus Bürberg.

„Den Wunsch ernst nehmen“

Hinzu kommt: Wenn der Bus sich verspätet, die Schüler diesen verpasst haben oder ähnliches, können sie den wartenden Eltern nicht Bescheid geben: Dazu reicht der Handyempfang genau an dieser Stelle nicht aus. Des Weiteren haben die jüngeren Grundschüler zumeist noch gar kein Mobil-Telefon. „Die Situation belastet uns wirklich sehr. Mit einem Taxi nach der vierten und nach der sechsten Stunde wäre uns zum Beispiel schon sehr geholfen“, sagt Marie Kruse, deren Tochter nach den Sommerferien eingeschult wird.

Die Bremger und Bürberger wandten sich an den SPD-Stadtverordneten Eric Pfeifer, der das Anliegen im Ausschuss vorbrachte: „Wir sollten die Familien in Bremge und Bürberg mit ihrem Wunsch ernst nehmen.“

Kevin Risch, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Fraktion, argumentierte mit einem Kompromissvorschlag im SBKS vergeblich: „Es geht in unserem Ergänzungsantrag zur Beschlussvorlage doch lediglich darum, dass die Schüler am Ende des Unterrichts nach Hause kommen. So entlasten wir die Familien in Bremge und Bürberg, die bisher ihre Kinder in Berlinghausen oder Helden abholen müssen.“

Kosten von circa 9000 Euro

Natürlich könnten die Eltern die Kinder auch im Ganztag anmelden: „Hier darf aber doch nicht der Grund sein, dass es keine Busverbindung nach Hause gibt“, sagt Matthias Schwermann. Die Eltern haben in Eigeninitiative Taxiunternehmen angefragt, um einen Überblick der Kosten zu bekommen: Hier wurden grob 9000 Euro jährlich für zwei Fahrten nach der vierten und sechsten Stunde veranschlagt.

Im Ausschuss wurde der Vorschlag nun bereits abgelehnt. Ein Grund sind die Mehrkosten – diese würden sich auf 13.200 bis 20.100 Euro zusätzlich im Jahr belaufen. Mit der Erweiterung des Schülerfahrverkehrs würde ein Präzedenzfall geschaffen, so die weitere Begründung: Die Folgeanträge zum Beispiel aus den Ortschaften Windhausen (Auf der Höhe), Weltringhausen, Hebberg und Rauterkusen könnten unabsehbare Folgekosten auslösen.

„Ich kann die Sorgen der Eltern absolut verstehen“, sagt Bürgermeister Christian Pospischil auf Nachfrage. Er sieht die Problematik hauptsächlich in den unterschiedlichen Schulschlüssen – nach der vierten, fünften, sechsten Stunde, nach der Grundschule Helden und den weiterführenden Schulen in Attendorn. „Wir können nicht für jeden einzelnen Schüler ein Taxi fahren lassen – wir müssen hier das Maß wahren“, so Pospischil weiter. Er hat allerdings bereits einen Termin vereinbart, um sich die Situation vor Ort anzuschauen und mit den Eltern zu sprechen. In der nächsten Ratssitzung steht die Busverbindung nicht auf der Tagesordnung.

Die betroffenen Eltern: „Es ist für alles immer Geld da – aber scheinbar keines für den Schulweg unserer Kinder.“

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