Paten kümmern sich im Kreis Olpe um Kinder in besonderen Lebenssituationen

„Sie ist mir richtig ans Herz gewachsen“

Monika Dolle kümmert sich regelmäßig um Fabronia. Dabei stehen nicht nur die Hausaufgaben, sondern auch Spiele an der frischen Luft auf dem Plan. Foto: Andrea Vollmert

Attendorn/Kreis Olpe. Sie sitzen alle um einen großen Tisch und erzählen von „ihren“ Kindern. „Sie ist mir richtig ans Herz gewachsen“, erklärt eine der Frauen. Dabei geht es nicht um ihre eigene Tochter, sondern um ein Mädchen, das ein Mal pro Woche in der „fremden“ Familie aufgenommen wird, eine ganz andere Welt erlebt, Zuneigung erfährt, aber auch Grenzen erkennt. Im Rahmen des Projektes „Generationen Hand in Hand“ kümmern sich Frauen und auch einige Männer um Kinder, die in einer besonderen Lebenssituation sind und über einen längeren Zeitraum hinweg unterstützt und begleitet werden

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Bei vielen der Paten hat sich im Leben etwas verändert. Die eigenen Kinder und Enkel sind aus dem Haus oder das neue Rentnerleben sorgt für Langeweile. Die Motivation ist bei jedem anders und irgendwie doch gleich, denn alle haben ganz einfach das Bedürfnis, anderen zu helfen, fremden Menschen Zeit zu schenken.

Maria hat sich zehn Jahre intensiv um ein geistig behindertes Mädchen gekümmert, das schon damals in einer Außenstelle des Josefshauses lebte. „Einmal pro Woche habe ich sie geholt, mich viel mit ihr beschäftigt“, erklärt die gelernte Erzieherin. „Wir haben viel gespielt, regelmäßig einen Bauernhof besucht.“ In der Pubertät wurde es schwieriger.

„Sie war oft aggressiv, ist auch einige Zeit nicht mehr bei mir gewesen. Ich habe ihr die Freiheit gelassen. Sie sollte sich selbst wieder melden.“ Mittlerweile ist das Mädchen 20 Jahre alt und macht eine Ausbildung. Und auch die Beziehung zu Maria hat sich wieder verändert. „Das ist ihr heilig, wenn sie zu mir kommen darf.“ Wie die Unterstützung der Kinder ganze Familien beeinflussen kann, zeigt die Geschichte von Monika. Im Mai 2015 verstarb ihre Mutter, beide Kinder waren mittlerweile aus dem Haus. Sie hörte vom Projekt „Generationen Hand in Hand“. „Ich bin dann nach Olpe gefahren und habe mir mal angehört, wie das abläuft“, erklärt die Finnentroperin.

Lange passierte nichts und dann kam der Zufall ins Spiel. „Nach einer Chorprobe habe ich ein Mädchen, Linda, nach Hause gebracht.“ Die Familie kommt aus Syrien und hat fünf Kinder im Alter zwischen 2 und 20 Jahren. Lindas Schwester Fabronia war zu dem Zeitpunkt in der ersten Klasse. „Ich dachte: Die könnten bestimmt Hilfe gebrauchen.“

Unterstützung für die ganze Familie

Schnell hat sich eine Beziehung zwischen Monika und Fabronia entwickelt. „Ich hole sie immer an einem festen Tag in der Woche von der Schule ab. Wir lernen dann erst gemeinsam und ich helfe ihr bei den Hausaufgaben“, erklärt Monika.

Es ist mittlerweile aber viel mehr geworden. Die zweifache Mutter unterstützt Fabronias Schwester, hilft dem Vater, wenn Behördengänge anstehen. „Ich war schon mit beim Adventsfrühstück, habe ihr ein Kostüm zu Karneval besorgt.“

Dass es hier nicht nur um eine sinnvolle Freizeitgestaltung geht, zeigt die Tatsache, dass sich Fabronias Leistungen in der Schule schon stark verbessert haben.

Von Monikas Hilfe profitiert oft die ganze Familie. Aber auch Monika bekommt viel zurück. „Als ich ‘mal krank war, kamen die Mädchen und haben mir einen Beutel Zitronen gebracht und einen Topf heiße Suppe. Sie waren so froh, dass sie mir was Gutes tun konnten.“

Die Patenschaft ist ein Geben und Nehmen. Die Kinder erhalten Unterstützung, die Familien dadurch Entlastung und die Freiwilligen haben eine Aufgabe, die erfüllt und Freude bringt.

Hilfe durch Diakonie und AufWind

Auch wenn hier die „Vermittlung“ durch Zufall erfolgt ist, so kümmert sich normalerweise das Team des ökumenischen Projektes von Diakonie und Caritas „Generationen Hand in Hand“ um die Vermittlung und um die Betreuung der Paten im Kreis Olpe. Es wird vor allem darauf geachtet, dass die Chemie zwischen Kind und Pate stimmt. „Da kann es auch schon mal etwas länger dauern, bis das ,richtige Kind‘ mit dem passenden Paten in Verbindung kommt.“

Den Verantwortlichen sind dabei viele Faktoren wichtig. So steht die Betreuung der Freiwilligen auch im Mittelpunkt. „Es gibt regelmäßige Treffen und auch Lehrgänge“, erklärt Ute Biecker. „Die Paten können selbst entscheiden, wie viel Zeit sie investieren“, so Heike Schäfer von der Diakonie. „Es muss aber auf jeden Fall regelmäßig sein, denn Kontinuität ist entscheidend.“

Viele Patenschaften laufen über zehn oder zwölf Jahre, und es sind auch schon viele enge Freundschaften daraus entstanden. Dass die Paten aber nicht immer Oma-Ersatz sein müssen, zeigt die erst 29-jährige Janine. Sie informiert sich bei einem der regelmäßigen Treffen, die an wechselnden Orten stattfinden. „Ich habe ein passendes soziales Projekt gesucht, habe mich viel umgehört, möchte gerne was für Kinder machen“, sagt die Attendornerin. Sie hat schon viele Senioren im Altenheim in ihrer Mittagspause besucht. „Statt zwei Stunden rumzusitzen, schenke ich lieber meine Zeit anderen Menschen“, erklärt Janine. „Ich will einfach nur, dass sie glücklich sind. Außerdem sollte man sich mal überlegen, dass man selbst auch in eine solche Situation kommen kann.“ Janine hat mittlerweile schon ein kleines Patenkind befunden. Ihr Engagement sehen die anderen Paten als beispielhaft: „Toll, wenn auch schon so junge Menschen Verantwortung für die Gesellschaft übernehmen.“

Wer Lust und Freude an der Arbeit mit Kindern hat, Erfahrungen weitergeben, freie Zeit sinnvoll gestalten möchte und ein paar Stunden in der Woche übrig hat, kann sich mit dem Projekt „Generationen Hand in Hand“ in Verbindung setzen. 19 Kinder sind derzeit in der Betreuung – aber allein 12 Kinder in allen Altersklassen stehen auf der Warteliste.

Kontakt:

Diakonisches Werk, Heike Schaefer,Tel. 02391/954030, freiwilligenzentrale@diakonie-plbgde, Ute Biecker, Tel. 0162/2400906

AufWind, Sebastian Striemer, Tel. 02723/3002912, sstriemer@caritas-olpe.de, Gudrun Keßeler, Tel. 02761/9211511, Tel. 0173/6165188, gkesseler@caritas-olpe.dekesseler@caritas-olpe.de

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