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SPD kritisiert demokratischen Beschluss im Attendorner Stadtrat

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Von: Andrea Vollmert

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Baugebiet Am Krähenberg Attendorn Petersburg
Im rot umrandeten Bereich könnten schon bald neue Bauplätze entstehen, die rund um Attendorn dringen benötigt werden. © Gerhard Launer

Mit knapper Mehrheit hat der Stadtrat Attendorn beschlossen, dass die Verwaltung einen städtebaulichen Vertrag mit der Volksbank Bigge-Lenne erarbeiten soll. Damit wäre der Weg für das dringend benötigte Baugebiet „Am Krähenberg“ geebnet. Die SPD kritisiert jedoch den demokratisch getroffenen Beschluss.

Attendorn - Die Volksbank Bigge-Lenne ist der geplanten Entwicklung eines Baugebietes „Am Krähenberg“ in Petersburg ein großes Stück näher gekommen. Die Attendorner Stadtverordneten haben mit knapper Mehrheit im nicht-öffentlichen Teil der vergangenen Sitzung beschlossen, dass die Verwaltung einen städtebaulichen Vertrag mit der Volksbank Bigge-Lenne ausarbeiten und alle wesentlichen Planungsschritte, die schließlich im Baurecht münden, anstoßen soll. Die Volksbank beabsichtigt, in Petersburg auf einer Fläche von rund 32.000 Quadratmetern bis zu 44 Baugrundstücke zu entwickeln. Darüber hinaus gibt es eine angrenzende Fläche von circa 24.000 Quadratmetern, auf der weitere rund 30 Grundstücke entstehen könnten. Ein Streitpunkt ist der Quadratmeterpreis von 110 Euro, der sich am Bodenrichtwert orientieren soll, der auf der Grundlage von Zahlen aus dem Jahr 2011 berechnet wurde. Die Volksbank Bigge-Lenne plant einen durchschnittlichen Preis von 160 Euro.

Streit um Baugebiet in Petersburg - das sagt die SPD Attendorn:

„Der Rat der Hansestadt Attendorn hat für die Erschließung des Baugebietes Petersburg durch die Volksbank gestimmt. Die SPD-Fraktion sieht dadurch fatale Folgen auf alle Bauwilligen in Attendorn zukommen.

Während die Stadt ihre Grundstücke in Neu-Listernohl für 120 bis 125 Euro entsprechend des Bodenrichtwerts verkauft hat, wird die Volksbank im benachbarten Petersburg durchschnittlich mindestens 160 Euro verlangen oder [...] je nach Grundstück sogar noch deutlich mehr.

Zurzeit liegt der Bodenrichtwert in Petersburg bei 110 Euro. Die Bauwilligen werden bei einem Grundstück von 600 Quadratmetern also noch einmal rund 30.000 Euro, zuzüglich Zinsen und Nebenkosten wohl rund 50.000 Euro mehr aufwenden müssen, damit sowohl Eigentümer als auch die Volksbank ordentliche Profite machen können. Aber – um es mit Herrn Matrose zu halten – sind das ja nur Peanuts gegenüber den steigenden Baukosten.

Zudem nimmt die Volksbank billigend in Kauf, dass durch eine Vergrößerung des Baugebiets Petersburg über die im Flächennutzungsplan genehmigte Fläche hinaus anderswo Bauflächen eingespart werden müssen. Mit anderen Worten: Damit die Volksbank in Petersburg maximalen Gewinn machen kann, müssen in anderen Dörfern Bauflächen eingespart werden.

Man muss kein Prophet sein, um zu verstehen, dass die deutlich steigenden Grundstückspreise in Petersburg auch auf andere Lagen in Attendorn durchschlagen werden, um das bisherige preisliche Verhältnis wiederherzustellen. So werden Grundstückspreise von weit über 200 Euro in Ennest sicherlich keine Utopie mehr sein. Wie soll die Stadt anderen Grundstückseigentümern und Investoren noch eine Deckelung der Grundstückspreise vorschreiben, wenn sie es bei der Volksbank nicht getan hat?

Unsere Attendorner BürgerInnen können ihren Traum vom Eigenheim dann nur noch mit einer immer dickeren Brieftasche verwirklichen. Die Attendorner SPD-Fraktion sagt klar Nein zu dieser Entwicklung. Wir stehen zu einem „gedeckelten“ Grundstückspreis in Anlehnung an den Bodenrichtwert, damit sich möglichst viele Bauwillige ihren Traum erfüllen können.

Dass die Volksbank Bigge- Lenne eine ungehemmte Preisentwicklung in Gang setzt, ist einer heimischen, genossenschaftlich orientierten Bank unwürdig. Dass der FDP-Fraktionsvorsitzende, der gleichzeitig Beschäftigter der Volksbank ist, in der Öffentlichkeit mit am lautesten für das Projekt geworben hat, zeigt, mit welchem Maß an Lobbyismus diese Entscheidung herbeigeführt worden ist.“

SPD-Fraktionsvorstand: Uli Bock, Kevin Risch und Günter Schulte

Streit um Baugebiet in Petersburg - das sagt die Volksbank Bigge-Lenne:

„Wie antwortet man auf einen Leserbrief, in dem es dem Absender offensichtlich nicht um eine sachliche Diskussion geht, sondern der lediglich das Ziel hat, den vermeintlichen Gegner in der Öffentlichkeit in ein schlechtes Licht zu rücken?

Warum eine heimische Genossenschaftsbank mit jahrhundertelanger Tradition und tief verwurzelten Kundenbeziehungen, die sich in der Vergangenheit in vielfältiger Weise zum Wohle der Hansestadt Attendorn engagiert hat, und die sie nun mit der zügigen Entwicklung von Wohnbauflächen unterstützen möchte – und dabei aufgrund der aktuellen wirtschaftlichen und politischen Lage in der Welt nicht unerheblich ins Risiko geht – von der Attendorner SPD derartig diffamiert wird, ist ebenso irritierend wie enttäuschend. Anstatt eine demokratische Entscheidung zu akzeptieren, wird der Frust nun am Projektentwickler ausgelassen.

Populistische Vorwürfe sind hierbei schnell erhoben. Sie zu widerlegen, benötigt mehr Raum, der hier leider nicht zur Verfügung steht. Ein Beispiel dennoch: Die Baupreise hatten sich bereits in den letzten Jahren deutlich erhöht. Seit Ausbruch des Ukraine-Krieges sind sie noch einmal um bis zu 30 Prozent gestiegen – in vier Monaten. Diese Entwicklung zeigt, wie sehr die Marktpreise von aktuellen Ereignissen beeinflusst sind.

Nicht die Bank treibt die Preise, sondern die Zeiten, in denen wir leben! Bei jedem Besuch an der Tankstelle erleben wir diese Entwicklungen aktuell leider hautnah.

Wenn die SPD den Verkaufspreis in Petersburg dennoch auf einen veralteten Bodenrichtwert von 110 Euro deckeln will, blendet sie die Realität offensichtlich aus. So einfach lässt sich die Wirklichkeit aber nicht ignorieren. Und deshalb würde zu diesen Konditionen in Petersburg auch niemals neues Bauland entstehen. Andererseits benötigt die Hansestadt Attendorn aber dringend neues Bauland.

Daher ist es gut für die Stadt Attendorn, dass die Mehrheit des Stadtrates verantwortungsbewusst und mit Weitsicht der Realisierung dieses Projektes zugestimmt hat, um möglichst zügig weiteren Wohnraum zu schaffen.

Eine Erweiterung des Angebots wirkt viel eher preisdämpfend im Wohnungsmarkt als politisch verordnete Preisdeckelungen. Im Übrigen sei der Hinweis erlaubt, dass der durchschnittliche Verkaufspreis in Petersburg trotz dieser Entwicklungen (nur) auf dem Niveau liegen wird, das in Biekhofen bereits vor acht Jahren gezahlt wurde. Und er liegt deutlich unter dem Preisniveau in Ennest.

Die Entscheidung für das Projekt wurde im Übrigen auch nicht mit Lobbyismus herbeigeführt, sondern mit einem überzeugenden Erschließungs- und Vermarktungskonzept. Dieses sieht unter anderem kostenoptimierte Grundstücksgrößen vor, um weniger Kapital des Bauherrn zu binden. Zudem werden 40 Prozent der Grundstücke zu Sonderkonditionen an einen bevorrechtigten Personenkreis vergeben, der von der Attendorner Politik bestimmt wird. Natürlich müssen dafür andere Grundstücke etwas teurer verkauft werden, um die Herstellungskosten insgesamt decken zu können.

Aber genau dieser Mix entspricht unseren genossenschaftlichen Werten, die Friedrich Wilhelm Raiffeisen bereits im 19. Jahrhundert formuliert hat: ,Was dem Einzelnen nicht möglich ist, das vermögen viele.’ Solche modernen, innovativen und kreativen Formen sozialer Komponenten sind die wirksamen Antworten auf die heutigen Marktherausforderungen.

Ganz im Sinne der Hansestadt Attendorn und aller Bürger sind wir weiterhin zu einem konstruktiven Dialog bereit.“

Michael Griese, Vorstandsmitglied der Volksbank Bigge-Lenne

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