Nicht abgesprochene Klausel verhindert Abstimmung im Ausschuss

Streit um Modepark Röther: Darum gab es in Attendorn keinen Beschluss

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Im Absagen der Eröffnung hat die Marketingabteilung des Modeparks mittlerweile Übung. Wann neu eröffnet wird, lässt man aktuell offen.

Plettenberg - Das Ziel lag direkt vor Augen, doch beim Streit um die Modepark-Eröffnung in Plettenberg wurde die Zielflagge völlig überraschend nicht geschwenkt, weil der Vergleichsvorschlag dem Attendorner Hauptausschuss nicht vorlag.

So weit die Faktenlage am Mittwochabend. In den sozialen Netzwerken war daraufhin von „Schikane“ die Rede, und das war noch eine der nettesten Umschreibungen. Doch was im nichtöffentlichen Teil und kurz zuvor geschehen ist, wirft einen Tag später einen differenzierten Blick auf die Dinge. Die Recherche ergab, dass die Anwaltskanzlei der Stadt Attendorn am Mittwoch um 11.41 Uhr – also nur gut fünf Stunden vor der Ausschusssitzung – eine Mail an die Kanzlei des Modeparks Röther sowie an Bürgermeister Ulrich Schulte sendete. 

Laut Carsten Graumann, der den seit Donnerstag in der polnischen Partnerstadt Rawicz weilenden Bürgermeister Christian Pospischil vertritt, habe man bis zur Hauptausschusssitzung keine Freigabe für den Vergleichs-Entwurf von der Röther-Kanzlei bekommen. Noch kurz vor der Sitzung habe man telefonisch versucht, die Freigabe von der Kanzlei zu bekommen, doch dort habe es noch „Klärungsbedarf“ gegeben. „Wir haben alles getan, um im Hauptausschuss ein abgestimmtes Vertragswerk vorzulegen, denn der Ausschuss muss ja Klarheit haben, worüber er entscheidet“, so Graumann. Die Bereitschaft, eine „zeitnahe Entscheidung“ zu treffen, sei von allen Seiten vorhanden. 

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Dies bestätigte auch der Attendorner SPD-Fraktionsvorsitzende Gregor Stuhldreier: „Es geht wirklich nicht darum, eine Schikane aufzubauen. Uns ist daran gelegen, dass in der Sache schnell eine Entscheidung getroffen wird“, so Stuhldreier. „Aus meiner Sicht steht einer Dringlichkeitsentscheidung auch ohne Hauptausschussbeschluss nichts im Wege“, befand der SPD-Fraktionschef. 

Was der Freigabe des Vertragswerks allerdings im Wege stand, war eine Passage, die in den Vorentwürfen so nicht vorgesehen war. „Herr Röther hat in den gemeinsamen Vorgesprächen mit den Attendornern klargestellt, dass er auf diese Forderung nicht eingehen werde“, deutete Plettenbergs Bürgermeister Ulrich Schulte an, ohne Details zu nennen. Dabei ging es nach Informationen unserer Zeitung nicht um Sortimentsfragen. „Mit dieser Aussage sind wir auch auseinandergegangen und deshalb wundert es mich, dass diese Klausel jetzt wieder in den Vertrag hineingenommen wurde“, betonte Schulte. Noch dazu – und das sei ärgerlich – habe die Kanzlei Michael Röther am Mittwoch nicht mehr erreicht und habe dem kurzfristig abgeänderten Vergleichsvertrag mit der nicht vorher abgestimmten Klausel deshalb auch nicht zustimmen können. 

Die Waren stapeln sich im Modepark Röther, der womöglich erst im Oktober eröffnen kann.

Michael Röther habe erst am Donnerstag von der gescheiterten Entscheidungsfindung in Attendorn erfahren. „Er hat glücklicherweise recht gelassen reagiert“, berichtete Schulte. Nun liege es an Röther, sich mit der Stadt Attendorn auf einen neuerlichen Kompromiss zu einigen oder die Kröte zu schlucken. „Dann“, und die berechtigte Hoffnung hat Schulte nach dem Gespräch mit dem Attendorner Amtskollegen, „könnte es doch noch eine Dringlichkeitsentscheidung geben. “ Ansonsten falle die Entscheidung erst im Rat am 26. September. Dies habe ihm Pospischil im  Telefonat am Donnerstag in Aussicht gestellt. 

Eine Aussage, die sich auch mit den Aussagen von Stellvertreter Carsten Graumann und SPD-Fraktionschef Gregor Stuhldreier deckt. „Herr Pospischil hat noch einmal dokumentiert, dass es keine böse Absicht war, den Beschluss nicht zu fassen. Es ist weiter die Bereitschaft da, zu verhandeln und eine Einigung herbeizuführen“, sagte Schulte, der Pospischil in dem offenen Gespräch deutlich gemacht habe, wie frustriert er am Mittwochabend gewesen sei. „Man kann mit etwas Abstand in jedem Fall sagen, dass in Attendorn keine originäre Blockadepolitik betrieben wurde“, sagte Schulte, der eher von einem „Kommunikationsproblem“ sprach. Dies gelte es nun zu lösen. Ungeachtet dessen wurde die Eröffnung des Modeparks Röther am 20. September vorerst auf Eis gelegt. Einen neuen Termin nannte die Marketingabteilung noch nicht.

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