Mit „Team André“ um die Wälle

„Wir sind die Sieger der Herzen“ – gelebte Inklusion beim Attendorner Citylauf

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Martin Ohm-Bender, André Hoberg und Dominik Strobel (vorne v.l.) trainieren derzeit regelmäßig mit ihren Unterstützern auf den Wällen rund um Attendorn.

Attendorn. Die Flure im Attendorner Rathaus waren die erste Wettkampfstrecke für den Rollifahrer André Hoberg und Tom Kleine, der sich 2013 um seinen damaligen Praktikanten gekümmert hat. Der Kampf um Bestzeiten zwischen Aufzug und Büro war der Beginn einer Geschichte, die zeigt, dass von Inklusion alle profitieren – ob mit ohne ohne Handicap.

„Wir beide sind so schnell – wir müssten mal beim Citylauf mitmachen“, so André Hoberg, ohne zu wissen, was sich daraus entwickeln sollte. Tom Kleine hat daraufhin Kontakt zum Veranstalter TV Attendorn aufgenommen und es gab grünes Licht. André Hoberg und Tom Kleine nahmen 2015 zum ersten Mal am Citylauf teil.

Für Fußgänger kaum merklich, gibt es auf dem Wall zwei Bereiche mit Steigungen. Hier musste André mit seinem Handbike kurze Zeit geschoben werden. Und die Premiere für beide „Läufer“ gelang.

Aber es ging weiter. Dominik Strobel aus Weringhausen stieß zum Team. Er ist auf einen Rollator angewiesen, hatte im Vorfeld schon zweimal am Citylauf teilgenommen. Seit 2016 aber ist er dabei, neben zahlreichen weiteren Helfern. „Bei mir geht es um den Teamgedanken“, erklärt der junge Mann, der nun zum vierten Mal dabei ist.

Mittlerweile sind alle eingespielt. Selbst im Sommer gibt es ein lockeres Training . Ein paar Wochen vor dem Citylauf wird es immer ernst: Über die Handys wird das Training koordiniert. In diesem Jahr ist das Team weiter gewachsen. Mit Martin Ohm-Bender aus Olpe gehört nun ein weiterer Handbike-Fahrer zur Gruppe. Er kennt André Hoberg schon länger und freut sich, auf diesem Wege sportlich aktiv sein zu können. Aber auch die besondere Konstellation ist ihm wichtig: „Bei unserem Team mag ich besonders die Mischung aus Sportlern mit und ohne Handicap“.“

„Team André“ startet beim 5000-Meter-Lauf von hinten. Martin, Dominik und André müssen jeweils von zwei Mitgliedern begleitet werden. Vorne weg „warnt“ einer die Läufer, die überholt werden und nach hinten sichert einer die Sportler mit Handicap ab – und greift an den Steigungen ein, falls es nötig ist.

„Ich bin froh, dass sie alle dabei sind“

André Hoberg ist der Mittelpunkt des Teams. „So einen Zusammenhalt finde ich super“, freut sich der Attendorner. „Ich bin froh, dass sie alle dabei sind, ob mein Papa Joachim, meine Oma Christel, meine Freunde Pascal und Thomas, meine Schwester Melanie und ihr Freund Michael. Und Tom, Susanne, Björn und Anke.“ Es strömt quasi aus ihm heraus: „Wir sind ein Team, wir halten zusammen.“ Der Handbiker hat in der Vergangenheit so intensiv trainiert, dass er hofft, an einer der Steigungen keine Hilfe in Anspruch nehmen zu müssen.

In diesem Jahr sind ein paar Unterstützer mit „Wewehchen“ ausgefallen, aber es gab schnell „Ersatz“. Der ehemalige Attendorner Bürgermeister Wolfgang Hilleke war sofort bereit, zu helfen. Außerdem ist mit Ahmad Al Soud jetzt auch ein Geflüchteter dabei. „Er ist unser syrischer Pfeil“, erklärt Tom Kleine lächelnd.

Alle sind dem TV Attendorn sehr dankbar für die Möglichkeit, am Citylauf teilnehmen zu können. Damit aber nicht genug: „Team André“ nimmt außerdem an der Leuchtturmrunde über 5,6 Kilometer beim Biggeseemarathon teil. Hier wurde die Strecke für die Inklusionsgruppe etwas modifiziert, da die Handbikes im Wald nicht fahren könnten. Außerdem war die Gruppe um André Hoberg im vergangenen Jahr das erste Team mit einem Handbike beim „Run of Colours“ in Köln.

„Am schönsten ist die Frotzelei“, freut sich Tom Kleine. „Wir sind Fußball-Fans von Schalke, Düsseldorf, dem BVB und Bochum.“

Um Bestzeiten geht es dem Team übrigens nicht. „Wir sind Sieger der Herzen“ freut sich Tom Kleine, was angesichts der immensen Unterstützung an der Strecke wohl ganz sicher ist.

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