Trotz allem ein „Ja“ zum Leben

Tobias Hirts Alltag elf Jahre nach seinem Schlaganfall

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Sein Lächeln bleibt: Trotz aller Schicksalswendungen bleibt Tobias optimistisch. 

Neu-Listernohl. Tobias Hirt war ein fröhliches Kind. „Gutmütig und immer darauf bedacht, Konflikte zu vermeiden“, so beschreiben ihn seine Eltern. Diese Einstellung konnte ihn jedoch nicht vor Gewalt bewahren. Ein Basketball, der von Mitschülern als Wurfgeschoss benutzt wurde, führte zu einem Schlaganfall und nahm ihm einen großen Teil seiner Lebensqualität. Der SauerlandKurier berichtete im Jahr 2004 von Tobias Hirts Geschichte.

Tobias wird am 22. September 2004 wie so oft von Mitschülern geärgert und herumgestoßen. Sie werfen ihm Basketbälle an den Kopf und Hals. Dabei schlägt sein Kopf immer wieder zur Seite. Ein Mitschüler trifft Tobias mit dem Ball an der Halsschlagader. Danach wird ihm schwindelig und übel, aber aus Scham erzählt er weder seinen Lehrern noch seinen Eltern etwas davon.

Am nächsten Tag, passiert es – während des Sportunterrichts. Wie ein Blitz trifft es Tobias. Er kann seine linke Körperhälfte nicht mehr spüren und auch nicht mehr sprechen. Als nächstes erinnert sich Tobias daran, dass ihn drei Sanitäter umgeben. Auch seine Mutter ist bei ihm. „Ich hatte schreckliche Angst und fragte meine Mutter: ,Muss ich sterben?‘ Aber sie verstand mich nicht, meine Zunge war gelähmt“, berichtet Tobias.

Schlaganfall, so die Diagnose. Ein faustgroßer Teil des Gehirns ist abgestorben. Die Folgen sind immens. „Mir wurde mein halbes Leben genommen“, sagt Tobias. Er ist jetzt 27 Jahre alt. Elf Jahre nach dem Schlaganfall gehören Krankenhäuser, Ärzte, Reha-Aufenthalten zu seinem Leben. Doch wird er die Leichtigkeit seiner Jugend nie wieder zurück bekommen. „Für uns wurde eine Welt aus den Angeln gehoben, die bis heute nicht gekittet ist“, sagt der Vater Siegfried Hirt.

Trotz allem bleibt Tobias optimistisch. „Ich gebe niemals auf und ich möchte allen Betroffenen und deren Angehörigen Mut aussprechen. „Sagt „ja“ zum Leben“, schreibt Tobias auf seiner eigenen Homepage. Trotz seiner positiven Einstellung, bleibt der Weg sehr steinig für Tobias. Mit großer Kraftanstrengung und der Unterstützung der Eltern hat er dennoch viel erreicht. In Volmarstein holte er in einem Internat von 2009 bis 2012 seinen Hauptschulabschluss nach. Er absolvierte eine Berufsbildungsmaßnahme.

Heute arbeitet er in den Werthmann-Werkstätten im Industriegebiet Askay in Attendorn. Dort montiert er Kunststoff- und Metallteile und verpackt sie. Das ansteuerbare Greifen und feinere Bewegungen funktionieren bei dem linken Arm jedoch nicht. Das macht vieles schwierig – und zwar nicht nur auf der Arbeit.

In seiner Freizeit gibt sich Tobias gerne seinen Hobbys hin. Eines dieser Hobbys ist die Physik, insbesondere die Kernphysik. Tobias interessiert sich für die Multiversum-Theorie. Mit der Airbrushtechnik hat sein Vater ihm ein Universum mit verschiedenen Planeten an der Zimmerwand gezaubert. Eine andere Leidenschaft ist die Musik. Große Boxen zieren sein Zimmer. Er liebt die Band „Perfume“ mit der Sängerin Nischiwaki Ayaka und schreibt ihr sogar Briefe über Facebook. Auf die Frage, was er sich für die Zukunft wünscht, antwortet Tobias: „Dass es besser wird mit dem Arm und vielleicht dass Nischiwaki antwortet“.

Hoffnung darauf, dass sich der Zustand seines Armes bessern könnte, erhielt die Familie kürzlich durch die Entdeckung einer besonderen Behandlungsmethode.

Ein Armlabor könnte Tobias helfen, etwas mehr Selbständigkeit zu erlangen. Eine Apparatur führt dabei die Bewegungen des Arms. Der gesunde Arm macht parallel die gleichen Bewegungen mit. Durch viele Wiederholungen der passiven Bewegungen, erhält der Arm mehr steuerbare Beweglichkeit zurück. Der beeinträchtigte Arm „lernt“ sozusagen durch den gesunden.

Erfolge können hier jedoch nur erzielt werden, wenn viel Zeit investiert wird. Tobias ist bereit, das zu tun und auch seine Eltern unterstützen ihn dabei. Nun versucht die Familie ein Armlabor zu bekommen. Die Apparatur kostet etwa 4500 Euro – Geld, das die Familie nicht hat. Geld, dass weder die Krankenkassen, noch der Verursacher des Schlaganfalls bezahlen werden.

Die Eltern wirken abgekämpft. „Das ist unsere letzte Aktion. Danach muss du selber zurecht kommen“, sagt Siegfried Hirt zu seinem Sohn. „Ich weiß das klingt hart, aber ich bin alt“, sagt der Vater. Er selbst sei gesundheitlich eingeschränkt.

„Wir sind in dieser Sache auf Spenden und das Wohlwollen von anderen angewiesen. Das Armlabor ist die letzte Hoffnung auf ein kleines bisschen mehr Freiheit für Tobias“, sagt Siegfried Hirt weiter. Wer mehr Informationen über das Schicksal von Tobias erhalten möchte, kann ihn und seine Familie auf der Homepage www.darknumina.de besuchen.

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