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Die unschuldige Jungfrau

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Mitglieder der Wagenbaugruppe 'Wir sind Wir' zusammen mit Zugleiter Thomas Dolanc (l.) und Präsident Otto Höffer (2.v.l.) vor dem 'Corpus delicti'.  Fotos: Andrea Vollmert
Mitglieder der Wagenbaugruppe 'Wir sind Wir' zusammen mit Zugleiter Thomas Dolanc (l.) und Präsident Otto Höffer (2.v.l.) vor dem 'Corpus delicti'. Fotos: Andrea Vollmert

Zuerst von einem Mitglied der Familie Höffken und später von Rechtsanwalt Dreyer aus Bergisch Gladbach wurde Karnevalspräsident Otto Höffer am Telefon bedroht. Ob ihm bewusst sei, dass er sich strafbar mache, wenn er es zulasse, dass der Motivwagen der Wagenbaugruppe "Wir sind Wir" am Veilchendienstag in Attendorn mitfahren werde, wurde ihm suggeriert.

In einem späteren Schreiben des Rechtsanwalts von Rüdiger Höffken hieß es dann, dass der besagte Wagen, der Höffken als Prinz in Attendorn, als Bauer in Köln und als Jungfrau im Knast darstellt, eine Vorverurteilung des seit 7. Juli 2011 in U-Haft befindlichen Höffken sei und eine Resozialisierung des Mandanten gefährde. Dreyer drohte mit einer Unterlassungsklage.

In einer Versammlung am Freitag wollte Otto Höffer die Wagenbauer aus erster Hand über den Stand der Dinge informieren. Man hatte sich mittlerweile Rechtsbeistand in Person von Harald Kröning geholt.

Der erörterte zum einen die juristischen "Gefahren", zum anderen aber auch die weitere Vorgehensweise. Die angedrohte Unterlassungsklage sei ohnehin nicht die richtige Rechtsform, da hier erfahrungsgemäß erst in über einem Jahr entschieden würde. Sollte Rechtsanwalt Dreyer im Namen seines Mandanten Höffken jedoch kurz vor Karneval versuchen, eine Einstweilige Verfügung zu erwirken, könne dies dazu führen, dass der zuständige Richter in Olpe oder Siegen, ohne die Karnevalsgesellschaft gehört zu haben, eine Entscheidung fälle und eine Reaktion der Attendorner erst nach Karneval möglich sei - mit fataler Wirkung.

Um in diesem Fall vorbereitet zu sein, und um das Gericht über die Sichtweise der Attendorner zu informieren, bevor eine Einstweilige Verfügung den Wagen stoppen könnte, wurde sowohl in Siegen als auch in Olpe eine Schutzschrift hinterlegt. Sollte der Fall also eintreten, dass Höffken durch kurzfristiges Handeln "seinen" Wagen aus dem Verkehr ziehen will, wird die Justiz bereits den Standpunkt der "Kattfiller" in ein Urteil einbeziehen können.

Außerdem hat Kröning den Anwalt Höffkens angeschrieben und ihm erläutert, dass die Darstellung des "Höffken-Dreigestirns" in keiner Weise eine Vorverurteilung beinhalte. Die Darstellung als Attendorner Prinz (1982) und Bauer im Kölner Dreigestirn (2006) entsprechen der Realität. "Nachdem Ihr Mandant also unter Berücksichtigung dieser Daten Prinz und Bauer gewesen ist", las Krönig aus seinem Schreiben an Anwalt Dreyer vor, "wird durch eine satirische Darstellung im Karnevalszug in diesem Jahr Ihr Mandant als Jungfrau dargestellt und zwar selbstverständlich mit der Eigenart, die einer ,Jungfrau' zu Gesicht steht: Sie ist nämlich unschuldig. Diese besondere Darstellung eines besonderen Dreigestirns als Prinz, Bauer und Jungfrau ist eine künstlerische Darstellung und hat mit der Verhaftung überhaupt nichts zu tun."

Durchbrechung der Unschuldsvermutung

Dreyer hatte sich in seinem Schreiben außerdem auf die Unschuldsvermutung berufen. Die sehen Kröning und auch der Vorstand der Kattfiller zum einen durch die Darstellung in keiner Weise bedroht, zum anderen gab harald Kröning zu bedenken, dass eine Untersuchungshaft immer eine "Durchbrechung der Unschuldsvermutung" darstelle.

Präsident Otto Höffer und Anwalt Harald Krönig waren sich zum Abschluss der Veranstaltung einig, dass es jetzt nur heißen kann: "Weiterbauen und abwarten".

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