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Neues Einkaufszentrum in Attendorn? Politik sagt Ja - trotz einiger Kritik

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Von: Sebastian Schulz

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Pläne Wall-Center Attendorn
So soll das neue Wall-Center in Attendorn aussehen, wenn es denn gebaut wird. ©  ITG Immobilien-Treuhand-GmbH & Co.

Ein Lebensmittelmarkt und ein Müller-Drogeriemarkt plus Apotheke und Bäcker - das ist für ein neues Einkaufszentrum in Attendorn geplant. Nun gibt es dazu einen neuen Stand.

Attendorn – Der Name ist klar: Wall-Center. Der Ort ist klar: die große Parkplatzfläche am Kreisverkehr am Bahnhof in Attendorn. Die Nutzung ist klar: ein Lebensmittel-Vollsortimentler, ein großer Müller-Drogeriemarkt, eine Apotheke und eine Bäckerei/Café. Unklar ist und bleibt allerdings eines: Wird dieses Vorhaben im Rand des Attendorner Ortszentrums wirklich realisiert?

Geht es nach den Entscheidungsträgern im Stadtrat, lautet die mehrheitliche Antwort Ja. An diesem Mittwoch haben die Ratsfraktionen mit ihrer Entscheidung die nächsten Schritte für die Planungen eingeläutet.

Neues Einkaufszentrum in Attendorn? Politik sagt Ja - trotz einiger Kritik

23 Ja- und elf Nein-Stimmen lautete am Ende das Ergebnis der Abstimmung. Damit ist eine wichtige bürokratische Hürde auf dem Weg zum neuen Wall-Center genommen. Die Planungen können nun fortgesetzt werden. Verglichen mit einem Fußballspiel könnte man sagen: Die erste Halbzeit ist mit einer guten Ausgangslage für die Befürworter des Wall-Centers beendet. Nun beginnt die zweite Halbzeit.

Wenn ein Einkaufszentrum dieser Dimension in einer Stadt wie Attendorn gebaut werden soll, dann werden die Verfahren für den Laien schnell sehr kompliziert. Bebauungspläne und Flächennutzungspläne müssen geändert oder neu aufgestellt, Gesamtplanverfahren eingeleitet und Satzungsbeschlüsse gefasst werden. All dies geschieht zurzeit – und der Stadtrat muss am Ende entscheiden, ob das Projekt umgesetzt werden kann oder nicht.

Aber nicht nur die Politik darf mitreden, sondern jeder andere auch. Behörden und Nachbarstädte bekommen die Gelegenheit, ihre Bedenken zu äußern. Experten haben bewertet, welche Auswirkungen dieses Einkaufszentrum in jeglicher Hinsicht hat: auf zusätzlichen Verkehr zum Beispiel, auf potentiell mehr Lärm oder auf die Umwelt.

Spannend war für viele Beteiligte vor allem die Frage: Wie wirkt sich das Einkaufszentrum auf andere Geschäfte in Attendorn und Umgebung aus? Auch dies ist untersucht und beantwortet worden (siehe Info-Box).

Das sagen die Markt-Experten

Die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) prognostiziert durch das Wall-Center neue Konkurrenz für Fachgeschäfte wie Gerbe Kunterbunt Spielwaren, Papierhaus Frey oder Hintermeier Schreibwaren, weil der Drogeriemarkt solche Waren auch in seinem Randsortiment führen wird. Deutlich stärker sehen die Experten den Konkurrenzkampf aber in den Bereichen Drogerie und Lebensmittel. Fast jeder dritte Attendorner würde seine Gesundheits- und Pflegeprodukte laut Prognose nicht mehr in den bisherigen Geschäften – also insbesondere bei Rossmann – kaufen, sondern dann im neuen Drogeriemarkt Müller. Im Lebensmittelbereich rechnen die Experten damit, dass sich jeder fünfte Attendorner für seinen Einkauf neu orientiert. „Am stärksten ist hiervon der Dornseifer’s Rewe-Markt und zum Teil auch der Lidl Lebensmitteldiscounter in unmittelbarer Nachbarschaft zum Planstandort betroffen“, heißt es in der GMA-Analyse. Wettbewerbseffekte, die „aktuell aufgrund der Dominanz des Betreibers Rewe im Vollsortiment (Rewe in der Innenstadt und Rewe-Center Auf der Tränke) nicht bestehen“, werden die Folge sein. Wobei die GMA auch klar macht, dass das positiv sein kann, denn: „Die Angebotssituation in der Stadt Attendorn im Segment Nahrungs- und Genussmittel ist als insgesamt ausbaufähig zu bewerten.“

Darüber hinaus konnten auch die Bürger ihre Einwände äußern. 18 jeweils meist mehrseitige Stellungnahmen sind zu den Plänen von Bürgern und Händlern eingegangen. Viele von ihnen befürchten, dass die Innenstadt geschädigt wird. Die Stadt Attendorn argumentiert dagegen, dass eben genau deshalb kein kleinflächiger Einzelhandel wie in der Innenstadt, sondern stattdessen große Geschäfte, für die rund um den Alten Markt kein Platz mehr ist, im Wall-Center angesiedelt werden soll. Eine weitere, mehrfach formulierte Anregung seitens der Bürger ist, lieber Wohnraum anstatt eines Einkaufszentrums zu schaffen. Hierzu entgegnet die Stadt, dass der Wall-Center-Platz „die letzte für großflächigen Einzelhandel verbliebene Fläche der Innenstadt“ sei und auch als solche verwendet werden solle.

All diese Gutachten, Analysen und Meinungen hatte und hat die Politik zu bewerten, um zu einer Entscheidung für oder gegen das Wall-Center zu kommen. Das Ergebnis war mit vereinzelten Anpassungen zur Optik des Einkaufszentrums wie beschrieben: mehrheitlich für das Vorhaben.

Weil es das Planungsrecht so vorsieht, werden die Pläne nun noch einmal angepasst. In den nächsten Tagen beginnt der Beteiligungsprozess erneut: Wieder können sich Bürger und Behörden einen Monat lang äußern und erneut muss dann der Stadtrat eine Entscheidung treffen. Parallel und unabhängig davon muss die Bezirksregierung den Flächennutzungsplan genehmigen, also sinngemäß sagen: „Ja, es ist erlaubt, dass an der vorgesehenen Stelle Lebensmittel und Drogerie-Artikel verkauft werden.“ Die Bezirksregierung hat dafür maximal drei Monate Zeit.

Es könnte also sein, dass der Stadtrat die finale Entscheidung für oder gegen das Wall-Center noch bei der letzten Sitzung in diesem Jahr am 14. Dezember auf den Tisch bekommt. Genauso gut könnten die Bewertungen der Bürger- und Behörden-Meinungen aber auch längere Zeit in Anspruch nehmen. Dann wird die Politik erst im neuen Jahr über das Wall-Center entscheiden können. Die zweite Halbzeit könnte sich also entsprechend noch etwas hinziehen.

Wer sich noch tiefer in die Thematik einarbeiten möchte, kann sich hier auf die Auswirkungsanalyse der GMA beziehungsweise auf die Stellungnahmen der Bürger und die Antworten der Stadt Attendorn klicken.

Weitere Hintergründe zum Thema Wall-Center in Attendorn lesen Sie in einem unserer vorangegangenen Berichte.

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