Ein Schritt trotz Kontroverse

Nächster Schritt Richtung Wall-Center: Politik verabschiedet Änderung des Flächennutzungsplans

+
Der nächste Schritt für den Bau des geplanten Wall-Centers ist Attendorn ist getan.

Attendorn - Der nächste Schritt für den Bau des geplanten Wall-Centers ist Attendorn ist getan. Die Stadtverordnetenversammlung votierte am Mittwochabend einstimmig für die notwendige Änderung des Flächennutzungsplans (FNP). Dabei gab es jedoch auch kritische Stimmen.

Am Ende hatte Bürgermeister Christian Pospischil genug. Als Christian Springob, Vorsitzender der Attendorner Werbegemeinschaft, bei der zweiten Einwohnerfragestunde des Abends zur Erklärung ansetzte, warum das „Filetstück“ im Osten der Innenstadt für den Einzelhandel so wichtig sei, unterbrach ihn das Stadtoberhaupt barsch: „Wir können nicht jedem das Recht einräumen hier zweimal an einem Abend seine Argumente vorzutragen.“ Denn bereits bei der Fragestunde zu Sitzungsbeginn sah sich die Verwaltung teils deutlicher Kritik an den Wall-Center-Plänen ausgesetzt. 

„Warum haben weder Verwaltung, noch Politik es für erforderlich empfunden, die Bürger bei bei den Planungen mit ins Boot zu holen“, wollte beispielsweise Hedwig Holthoff-Peiffer wissen. Sie selbst habe davon erst „aus der Zeitung“ erfahren. Pospischil entgegnete, dass man erst dann mit den Bürgern sprechen könne, „wenn alle Infos vorliegen.“ Die Beteiligung der Öffentlichkeit ist tatsächlich erst nach der – am Mittwoch erfolgten – FNP-Änderung vorgesehen. 

Pospischil: „Viele positive Rückmeldungen“

Christian Springob wollte wissen, ob die Stadt beim Warenangebot im Wall-Center überhaupt ein Mitspracherecht habe: „Oder sagt der Investor: ,friss oder stirb’?“ Das wies Pospischil in aller Deutlichkeit zurück: „Der Investor überfällt die Stadt ja nicht. Er erfüllt in hohem Maße die Anforderungen, die wir an den Einzelhandel stellen.“ Beigeordneter Carsten Graumann wies auf die grundsätzliche Notwendigkeit des geplanten großflächigen Einzelhandels hin: „Wir haben in den Sparten Nahrung-/Genussmittel und Drogerie-/Gesundheitsartikel einen Kaufkraftabfluss von 15 Millionen Euro. Das ist Geld, das den Einzelhändlern durch die Lappen geht.“ 

Und der Bürgermeister warnte: „Wenn dieser geplante zusätzliche Magnetbetrieb fehlt, wird der Attendorner Einzelhandel Schaden nehmen.“ Man wolle dem entgegenwirken, dass „Geld in die Oberzentren abfließt.“ Auch wenn der lokale Einzelhandel gut aufgestellt sei: „Den Zug vorbeifahren zu lassen ohne aufzuspringen wäre fahrlässig.“ Natürlich werde die Verwaltung die Maßnahmen zur Innenstadtentwicklung weiter vorantreiben: „Es kann ja niemand sagen, dass wir nichts für den Einzelhandel tun“, so Pospischil. Er erklärte auch, dass er „viele positive Rückmeldungen“ auf die aktuellen Pläne erhalten habe. 

Die Frage nach dem Angebot

Volker Arndt merkte als Einwohner an, dass das im geplanten Wall-Center vorgehaltene Angebot das aktuelle „nicht ergänzt, sondern substituiert“ – geplant sind ein Müller-Drogeriemarkt, ein Lebensmittelvollsortimenter wie Edeka oder Hit und eine Apotheke, also Sparten, die es in Attendorn bereits gibt. Christian Pospischil entgegnete: „Wir sorgen damit für eine Angebotsvielfalt. Wenn es in Attendorn in Zukunft einen zweiten Drogeriemarkt gibt, sorgt das für mehr Wettbewerb – ein Vorteil für den Verbraucher.“ 

Das sah Gabriele Kneffel, Leiterin der Rossmann-Filiale in der Wasserstraße, anders – sprechen durfte sie aber erst, als sie versichert hatte, auch Einwohnerin Attendorns zu sein: „Warum hat uns die Stadt nicht angeboten, den Standort zu wechseln?“ Die Stadt habe immer gesagt, dass die Rossmann-Filiale als Ankermieterin zur Kundenbindung wichtig sei: „Wir wären aber auch lieber umgezogen.“ Sie verweis auf die bessere Parkplatzsituation am geplanten Standort gegenüber des Bahnhofs. Einer indes war am Mittwochabend zum Schweigen verdammt: Jörg Dornseifer, Geschäftsführer der Dornseifer Unternehmensgruppe, die eigentlich eine Millioneninvestition in den Markt „Auf der Tränke“ plant. Christian Pospischil verwies darauf, dass sich die Einwohnerfragestunde einzig an Einwohner der Hansestadt richtet. Dornseifer ist Wendscher. 

Einstimmiger Beschluss

Bei der politischen Entscheidung für die FNP-Änderung gab es Einmütigkeit. Die Abstimmung erfolgte einstimmig, dennoch gaben die Politiker einiges an Kritik an die Bürger zurück. SPD-Fraktionschef Uli Bock wies auf „unterirdische Ausdrucksweise“ bei Kommentaren in den sozialen Medien hin und mahnte: „Wir müssen bei aller Emotionalität weiter fair miteinander umgehen.“ Viele der geäußerten Vorwürfe seien einfach „nicht richtig“: „Wir haben uns in den Fraktionen intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt und auch kontrovers diskutiert. Wir wollen die Innenstadt voranbringen und können uns keinen Stillstand erlauben.“ 

Ralf Warias (FDP/Grüne) erklärte, dass es in seiner Fraktion täglich mehr Fragen gebe: „Wir haben erheblichen Gesprächsbedarf. Und unsere Fragen müssen im weiteren Verfahren geklärt werden. Wir wollen kein weiteres Debakel wie bei der Sanierungssatzung.“ Diese Satzung hatte das Oberverwaltungsgericht Münster im Jahr 2018 wegen Rechtsfehlern für unwirksam erklärt.

Für die UWG lag das Problem bei der Debatte an ganz anderer Stelle: „In der Presse und den sozialen Medien wurde massiv Stimmung gemacht“, befand Winfried Richard. Und Meinolf Schmidt wurde konkret: „Es geht hier ausdrücklich nur um die Berichterstattung im SauerlandKurier. Ich muss am 8.2. im SauerlandKurier lesen: ,Am Ende verliert die ganze Stadt’. Diese Berichterstattung muss aufhören. Das wollen wir hier nicht.“ Beifall von der Mehrheit der übrigen Stadtverordneten. 

Infoveranstaltung geplant

Um die Diskussion um das geplante Wall-Center zu entschärfen, schlug Gregor Stuhldreier (SPD) vor, das Thema „in einer Veranstaltung im Dialog in Ruhe miteinander besprechen“. Für eine solche Informationsveranstaltung wird nun ein Termin gesucht, auch wenn Christian Pospischil erklärte: „Wir können gern über die Pläne diskutieren, das muss aber nicht notwendigerweise zum Konsens führen.“ Das ein solcher auch schwierig zu erreichen sein wird, das hat die Sitzung der Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch bewiesen.

„Ein Maulkorb für die Presse ist weder bürgernah noch demokratisch“: Hier gibt‘s einen Kommentar zur Ratssitzung

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare