Initiative wird gegen Windkraft-Planungen aktiv

Widerstand im Repetal

Diese maßstabsgetreue Montage ließ die Bürgerinitiative anfertigen. Sie zeigt eine mögliche Ansicht der Höhenzüge im Repetal nach fertiger Bebauung mit Windkraft-Anlagen von Helden aus gesehen. Montage: Bürgerinitiative

Helden. Schaut man in Helden, Niederhelden, Mecklinghausen, Repe, Rieflinghausen, Bürberg und anderen Orten des Erholungsgebietes Repetal aus dem Fenster, dann ist der Blick noch ungetrübt.Es ist ein warmer Frühsommertag und der Inhaber des „Romantik Hotel Platte“ schwärmt von der Umgebung. Ein Erholungsgebiet, nicht nur für Touristen, sondern auch für die Anwohner. Doch wie lange noch? Die Pläne von Land NRW, Bezirksregierung und Stadt Attendorn, massive Windkraftanlagen in den Randlagen des Repetals zu errichten, bedrohen den natürlichen Raum.

„Wir mussten reagieren“, so Christof Platte.„Wir“, damit ist ein Zusammenschluss zahlreicher Bürger und Unternehmern sowie auch Stammgästen des Erholungsgebietes gemeint. Einst als Initiative „Lebenswertes Repetal“ gestartet, hat man sich nun weitere Ziele gesetzt. Dabei betont Platte, der als zweiter Vorsitzender der Initiative agiert: „Wir sind nicht gegen Windkraft, aber nur da, wo sie den Menschen nicht beeinträchtigen oder sogar krank machen. Aber die aktuellen Planungen legen zu Grunde, dass diese riesigen Anlagen auf bis zu 400 Meter an die Bebauung heran reichen können.“ Diese Abstände sind den Akteuren deutlich zu gering. Im Vergleich dazu gibt es beispielsweise in Bayern die Regelung, dass der Mindesabstand die zehnfache Nabenhöhe betragen muss (10-H Regel). Und das ist für Platte und seine Mitstreiter der nächste Knackpunkt: „Wir reden hier von gigantischen Windrädern, die es hier in der geplanten Höhe weit und breit bisher nicht gibt, Narbenhöhe von 200 Metern zuzüglich bis zu 70 Metern Flügellängen. Die weit über die Bergköpfe hinausragen.“ Die vom Regierungspräsidenten ausgewiesenen Flächen alleine im Repetal würden Platz für zahlreiche dieser „Riesen“ bieten.

Legt man die bayerische Vorgabe auch für NRW zu Grunde, müssten diese also mindestens zwei Kilometer vom nächsten Gebäude entfernt sein. Nach Auffassung der Bürgerinitiative gehören Anlagen von dieser großen Höhe, mit nur einigen hundert Metern Abstand zu der Bevölkerung, „nicht in ein Erholungsgebiet oder anderswo hin“. Die Bürger im Repetal fühlen sich durch die Politik schlecht informiert und begleitet. Es habe zwar Info-Veranstaltungen und Mitteilungen gegeben, doch das sei im Falle solch einschneidender Maßnahmen nicht objektiv und umfassend gewesen, heißt es. „Optische Bedrängung, gesundheitliche Risiken und alle anderen negativen Folgen für Mensch und Natur wurden in keiner dieser Veranstaltungen Platz geboten – wir machen uns Sorgen. Bestimmte Vögel bekommen größere Schutzzonen als der Mensch“, so die Bürgerinitiative.

Eingriffe in den Naturraum

Die „Vorreiternation“ in Sachen Windkraft, Dänemark, habe aktuell alle weiteren Bauvorhaben von Windkraft gestoppt und werde zunächst noch genauer die Auswirkungen dieser Anlagen auf den menschlichen Organismus untersuchen (der sog. Infraschall sei über Kilometer weit messbar), da es in der Nähe der Anlagen auch in anderen Ländern immer mehr zu Beschwerden und neuen Krankheitsbildern bei Menschen und auch Tieren gekommen sei.

„Dass diese Anlagen nicht unbedenklich sind, ist auch unserem Bundesumweltministerium seit einiger Zeit bekannt“, behauptet die Initiative.

Die Argumente der Politik lauten wie folgt: Gibt es keine Vorrangzonen, so drohe „Wildwuchs“. Nur durch die aktuell voran getriebenen Planungen könne man die ohnehin kaum zu verhindernden Anlagen konzentrieren. Auffällig, so der Zusammenschluss der Bürger, sei in diesem Zusammenhang das große Maß an Vorranggebieten (über 3 Millionen m² = 420 Fußballfeldern) alleine im oberen Repetal wurden im Vergleich zum Gesamtstadtgebiet als potenzielle Baufläche in den Wäldern ausgewiesen.

Was kommt auf das Repetal und Bremgetal zu? Abgesehen von der optischen Veränderung und möglicherweise gesundheitlichen Belastung sind auch die Eingriffe in den Naturraum nicht zu unterschätzen. Windkraftanlagen mit einer Nabenhöhe von 200 Metern brauchen entsprechend neue Wege, Rangierzonen und Fundamente: Die können bis zu 25 Meter tief sein. Gesamtgewicht einer einzelnen Anlage – bis zu 7000 Tonnen aus Stahl und Beton.

Die Initiative will weiter informieren und bittet alle Anwohner im und um das Repetal, sich intensiv mit den möglichen Folgen auseinander zusetzen. Sie plant Info-Unterlagen, die an alle Haushalte verteilt werden sollen. Zudem hat man Visualisierungen erstellen lassen (siehe Foto oben), welche die Eingriffe in die Landschaft deutlich machen sollen.

Jüngste Meldung aus dem Attendorner Rathaus zum Thema: Unabhängig von den „strittigen Standortfragen“, hat man sich auf eine Form der Projekte festgelegt. So genannte „Bürgerwindparks“ sollen es werden. Bürgermeister Christian Pospischil: „Wir möchten die Bürger mitnehmen, aus Betroffenen Beteiligte machen. Hiervon profitiert ganz Attendorn.“ „Bleibt abzuwarten, welche Betroffenheit gemeint ist“, äußert sich die Bürgerinitiative abschließend. (Von Tim Plachner, t.plachner@sauerlandkurier.de)

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