Ein Spagat zwischen autobiografischen, lokalen und globalen Begebenheiten

Barbara Peveling liest auf der „KulTour“

Rund 30 Zuhörer lauschten den Geschichten der mehrfach prämierten Autorin Dr. Barbara Peveling.
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Rund 30 Zuhörer lauschten den Geschichten der mehrfach prämierten Autorin Dr. Barbara Peveling.

Drolshagen/Kalberschnacke – „Ich ließ den Hopfen und Weizen hinter mir und ich wurde ein immer größerer Teil des Anthropozäns“: Es sind bildhafte und zugleich deutungsoffene Sätze, die die Regionsschreiberin Dr. Barbara Peveling am Samstagnachmittag verwendet. Sätze, die den Spagat zwischen autobiografischen, lokalen und globalen Begebenheiten meistern.

Rund 30 wortbegeisterte Zuhörer haben es sich auf Picknickdecken gleich am Eingang des Wanderweges „KulTour“ gemütlich gemacht, um den Geschichten der mehrfach prämierten Autorin zu lauschen. 

„Für mich ist Literatur wie Atmen. Ich bin mit Kunst aufgewachsen und schreibe Texte seit meinem achten Lebensjahr.“ Wenn Peveling über ihre Tätigkeit als Autorin spricht, spiegelt sich in ihren Worten eine Liebe zum Wort wider. Die 46-jährige Autorin ist studierte Ethnologin und lebt momentan in Paris. Ihre Liebe zum Wort und eine Ausschreibung haben die gebürtige Siegerin wieder in die Heimat gezogen: Sie hat sich Anfang des Jahres um den Titel „Regionsschreiberin Südwestfalen“ beworben. „Ich habe mich unglaublich gefreut, wieder in die Heimat reisen zu dürfen, um über sie zu schreiben“, berichtet die mehrfache Romanautorin über ihr Gefühl zur Prämierung. Die Ergebnisse ihrer literarischen Reise las sie neben dem LandArt „Steine“ auf dem „KulTour-Pfad“ nahe dem Gasthof Kalberschnacke an der Lister vor. Sie werden jedoch auch im „stadt.land.text-Blog“ online präsentiert. 

Die Einladung zur Vorlesung hatte Susanne Thomas, Geschäftsführerin der Kulturregion Südwestfalen vorgenommen. Regine Rottwinkel, Leiterin des Vereines Drolshagen Marketing und Mitgestalterin des „KulTour“-Wanderweges, steuerte zur Idee bei, die Lesung in ein Literaturpicknick an besagter Wort-Steingrube zu verpacken. Zeitgleich nutzten sie und die anderen „LandArt-Frauen“ die Gelegenheit, um die Wort-Steine zu renovieren. 

Musikalisches Intermezzo unterstreicht idyllische Atmosphäre

Zwischen den einzelnen Kurzgeschichten sorgte Siegrid Baust für das musikalische Intermezzo. Mit behutsamen Flöten- und Harfentönen wurde sie der idyllischen Atmosphäre mehr als gerecht. Denn auch davon handeln Pevelings Geschichten: Von Idylle. Detaillierte Beschreibungen von ihrer Kindheit in Rhonard und ihrer Zeit als Messdiener ließen die Zuhörer in eigenen Erinnerungen schwelgen. 

Das Wetter an diesem Samstagnachmittag: Bewölkt, kurz vor Regen. Oder doch kurz vor Sonne? Ein Zwischenzustand, wie ihn auch Peveling in ihren Geschichten auf den Menschen bezogen beschreibt. Ein Mensch, der zwischen Verstädterung, Digitalisierung und dem Wunsch nach Entschleunigung gefangen ist. Denn bei all der lokalen Idylle lassen den modernen Menschen globale Probleme nicht in Frieden. Probleme mit dem Borkenkäfer, mit dem Überleben der Landwirtschaft, die Schließung einer der ältesten regionalen Kupfergruben in Rhonard, auch das sind Themen, die Peveling anschneidet. Themen, die zum Nachdenken anregen und den Platz des Menschen und sein Streben in der Welt in Frage stellen. 

Das Projekt der Regionalautoren wird vom nordrheinwestfälischen Ministerium für Kunst und Wissenschaft gefördert und zielt darauf ab, für zehn Regionen heimische Autoren zu fördern, die beispielhaft über die Kultur und Geschichte vor Ort schreiben. Vier Monate recherchieren prämierte Autoren in und über ihre Region. Barbara Peveling hat während ihrer Zeit in der Heimat auch schon ein neues Projekt begonnen: Einen Roman über das Aufwachsen ihres Großvaters in der Region Südwestfalen.

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