Das Leben ist ein Abenteuer

David Bieker erlebt besondere Ereignisse im Rollstuhl

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Bei einem Festival wurde der junge Mann mitsamt Rollstuhl in die Höhe gehoben.

Schützenbruch – Paragleiten und Safari in Südafrika, Tauchen in Ägypten, regelmäßige Stadion-Besuche oder sogar Fallschirmspringen: Das sind aufregende Abenteuer, von denen viele Menschen nur träumen. Abenteuer, die David Bieker aus Schützenbruch bereits erlebt hat – obwohl er im Rollstuhl sitzt.

Der 27-Jährige leidet an einer Muskelerkrankung. Seit dem Jahr 2006 ist der Rollstuhl sein Begleiter: „Der Aktivrollstuhl diente anfangs als Unterstützung bei weiten Wegen. Damals konnte ich noch recht gut laufen.“ Zehn Jahre später kam der Elektrorollstuhl. Die Umstellung war für ihn nicht schwierig. „Ich bin quasi darein gewachsen, immer ein Stückchen mehr“, erzählt er lächelnd. „Genau wie meine Familie und Freunde übrigens auch.“ 

Freunde, die ihn bereits sein ganzes Leben begleiten. Gemeinsame Ausflüge, Stadion-Besuche, Feiern oder auch Reisen: „Ohne sie hätte ich gar nicht die Möglichkeit, daran teilzunehmen und all diese Erlebnisse zu genießen“, betont er „Früher haben sie mir nur nur ins beziehungsweise aus dem Auto helfen müssen, später dann bis zur Haustür bringen müssen und mittlerweile bis ins Zimmer.“ 

Und seine Freunde begleiten ihn noch viel weiter: Fotos von gemeinsamen Urlauben in Südafrika und Florida schmücken sein Büro. „Zum Kap der Guten Hoffnung haben mich meine Freunde vom Parkplatz aus getragen. Über die Steine wäre ich mit dem Rollstuhl nicht gekommen.“ 

Eine besondere Situation mit Fremden hatte er vor drei Jahren beim „Green Juice Festival“ in Bonn. „Ich war mit einem Kollegen da, ich kannte sonst wirklich niemanden. Plötzlich fragte mich jemand, ob ich nach oben will. Auf erstaunte Nachfrage, was er meine, zeigte er nach oben und ich meinte nur: ,Klar, wenn ihr das schafft.’“ Und schon wurde David Bieker mitsamt Rollstuhl in die Höhe gehoben. „Ich dachte nur ,Wow’ .“ 

Hoch hinaus: Paragleiten in Südafrika war für David Bieker ein besonderes Erlebnis.

Auch Paragleiten und Fallschirmspringen hat er auf seiner Liste schon „abgehakt“: „Eigentlich habe ich Höhenangst“, erzählt er lachend. Doch der Gedanke ließ ihn nicht los. Spontan fragte er am Flugplatz Breitscheid an und war begeistert, dass es möglich war. „Der Tandemmaster hat sich viele Gedanken gemacht. Das hat man bereits bei unserem erstem Telefonat an den Fragen gemerkt. Für die Landung hat er mich vorab auf seine Füße gestellt und dann eine sitzende beziehungsweise liegende Landung gemacht. Es war toll – auch wie er und die weiteren Anwesenden mit mir umgegangen sind.“ 

"Ignorieren ist nicht der richtige Weg"

Dabei wissen viele Menschen nicht, wie sie mit Menschen mit Behinderung umgehen sollen. „Ich habe bisher auch die Erfahrung gemacht, dass manche Menschen im Umgang mit Menschen mit Behinderungen unsicher sind“, so David Bieker. Die Bandbreite reicht hier von Ignorieren bis zur übertriebenen Hilfsbereitschaft. Erfahrungen, die auch David Bieker in seinem Alltag macht. „Oft sehen mich die Leute bei größeren Veranstaltungen, wo es sehr voll ist und man nur schwer mit dem Rollstuhl vorwärts kommt, auch nicht direkt. Wenn sie mich dann bemerken, sind sie sehr hilfsbereit und lassen mich vorbei“, erzählt er. 

„Ignorieren aufgrund einer Unsicherheit ist nicht der richtige Weg. Man kann mit mir auch ganz normal wie mit jedem Anderen umgehen beziehungsweise sprechen. Freunde aus der Reha berichten oft von übertriebenem Körperkontakt zum Beispiel in Form von ,Auf die Schulter klopfen’ oder sogar durch die Haare wuscheln verbunden mit der Frage, ob alles okay ist. Dies ist bestimmt nett gemeint, aber ich denke nicht, dass irgendjemand sich wünscht so begrüßt zu werden.“ 

Auf der anderen Seite helfen ihm Fremde, wenn er während Unternehmungen in der Freizeit plötzlich vor einer Treppe steht, und packen an. „Es gilt jedoch auch für Menschen mit Behinderungen, dass man auch von sich aus um Hilfe bitten kann und nicht erwarten kann, dass andere sofort erkennen, wenn man Hilfe benötigt. Jemandem kann nur geholfen werden, wenn man drüber spricht.“ Seit einiger Zeit engagiert sich der 27-Jährige als Sprecher im örtlichen Unterstützerkreis der Stadt Drolshagen.

 Auch auf seine Arbeitskollegen kann er sich hundertprozentig verlassen. „Meine Kollegin hat mal gesagt, wir nehmen den Rollstuhl gar nicht wahr bei dir. Du bist ein Kollege wie jeder andere auch.“ Abschließend gibt es noch einen Ratschlag: „Man sollte jedem Menschen mit Respekt begegnen – egal ob eine Behinderung vorliegt oder nicht.“ 

Übrigens steht bald schon das nächste Abenteuer an: Im November macht er eine Kreuzfahrt.

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