Erlebnispädagogik mit Werkzeug

Erfolgreiche „Haudibau“-Aktion: 58 Kinder bauen Holzhütten

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Zufriedene Gesichter bei den Teilnehmern der „Haudibau“-Aktion.

Stupperhof– „Wenn die eigene Hütte steht, das ist cool“ - „Hier ist immer alles fröhlich“ - „Frischluft, Natur und körperliche Arbeit: Das ist das, was die Kinder brauchen“ – so oder so ähnlich lautete das zufriedene Fazit der „Haudibau“-Teilnehmer 2019 am Donnerstag. 58 Kinder waren in diesem Jahr angemeldet. Mit vereinten Kräften haben sie vier Tage lang einen Hüttenspielplatz aufgebaut.

Zum elften Mal fand das erlebnispädagogische Projekt der Kleinen Offenen Tür (K.O.T) unter der Organisation von Michaela Vierbücher statt. Wieder mit dabei waren zahlreiche ehrenamtliche Helfer, die die teilnehmenden Kinder zwischen acht und zwölf Jahren betreuten. „Begonnen hat das Ganze eigentlich mit der Idee von Stefan Lamers vor 11 Jahren. Er ließ sich vom Rabauki-Projekt in Siegen und von der Hüttenaktion in Attendorn inspirieren und dachte sich: Das ist Erlebnispädagogik mal anders. Warum haben wir das nicht in Drolshagen?“, erzählte Michaela Vierbücher, Leiterin des Kinder- und Jugendtreffs in Drolshagen. 

Auf der Wiese standen die fertigen Hütten der Kinder, sieben insgesamt, alle mit einem eigenen Namensschildchen versehen. „Mario Maker“ und „Coole Boys“ ist auf zwei von ihnen zu lesen , in schwarz und grün. Dazwischen Kinder, die auf dem Berg des Labyrinths Fußball spielten. „Und seit neun Jahren sind wir nun hier oben am Labyrinth, die ersten zwei bis drei Mal waren wir noch oben am Papenberg. Natürlich ist der organisatorische Aufwand immer sehr groß und stressig für mich. Aber das Handwerkliche, die Kinder, die man neu kennenlernt – das macht es jedes Jahr aufs Neue spannend“, so Vierbücher weiter. „Ein ganz großes Lob gilt deshalb allen freiwilligen Helfern, die nie müde werden. Ohne ihre alljährliche Unterstützung wäre das Ganze gar nicht möglich. Viele nehmen sich sogar extra im Voraus Urlaub für ,Haudibau’.“ 

Ziel des Hüttenbauspielplatzes ist es ganz wesentlich, den Kindern die Natur näher zu bringen. „In Zeiten von Playstation, Handy und Co. kommen die Kinder immer weniger an die Frischluft. Wie fühlt sich eigentlich Holz an? Wie viel Kraft brauche ich, damit der Hammer den Nagel ins Holz schlägt? Solche Dinge finden im Alltag keinen Platz. Und da kommt ,Haudibau’ ins Spiel, und gibt den Kindern für viereinhalb Tage einen anderen Eindruck“, wie Betreuerin Lena (23) berichtete. 

Gemeinschaftsgefühl bei „Haudibau“ 

Sie war in diesem Jahr bereits das dritte Mal als ehrenamtliche Helferin mit dabei. Ihr mache dabei nicht nur die Arbeit mit den Kindern Spaß: „Sondern auch das sympathische Miteinander zwischen den Betreuern. Viele machen einfach schon seit ein paar Jahren mit, da sind wir ein eingeschweißtes Team.“ Das Gemeinschaftsgefühl bei „Haudibau“ weiß auch die 12-jährige Hanna wertzuschätzen: „Ich habe schon drei- oder viermal mitgemacht und finde immer wieder neue Freunde hier. Das ist besser als bei anderen Ferienaktionen, wie im Zeltlager zum Beispiel. Da braucht man immer schon eine Gruppe, die man kennt und mit der man dahin fährt. Das einzig Negative hier dran ist, dass wir immer den Berg hochlaufen müssen“, erklärte sie lachend. 

Auch der freiwillige Helfer Niklas (20), sieht die Ferienaktion als besonders an: „Das Werken und eigenverantwortliche Arbeiten erleben die Kinder in ihrem Alter so nicht oft. Ich habe 2009 selbst als Kind hier teilgenommen und weiß, wie viel Spaß es mir gemacht hat.“ Das Hüttenprojekt läuft jedes Jahr in der ersten Ferienwoche nach dem gleichen Schema ab. Bis kurz vor Beginn der Ferienaktion können Eltern ihre Kinder bei der K.O.T anmelden. Ist der erste Tag der Sommerferien erreicht, heißt es am Montag: Ankommen mit Kennenlernspielen. 

Bevor es an Hammer, Holz und Nagel geht, werden die Gruppen von den Kindern selbst eingeteilt. Dienstag ist dann kräftiges Bauen angesagt. „Mittwochs machen wir eigentlich immer etwas zur Auflockerung. Für die, die eine Pause vom Werkeln benötigen. Dieses Jahr durften sie etwa schwimmen gehen oder durch den Wald geocachen. Ansonsten haben wir die letzten Jahre Kanufahren angeboten“, schilderte Michaela Vierbücher. Am Donnerstag ist der letzte Tag für alle ,Haudibau’-Teilnehmer. Letzte Verschönerungen an den Hütten werden getroffen.

„Hüttenfest“ zum Abschluss 

Schließlich feiern Kinder, Betreuer und Eltern am Abend das Ende des Projektes mit dem Abschlussfest, dem „Hüttenfest“. Würstchen werden auf dem Grill gebruzelt, die Kinder dürfen in ihren Hütten Softdrinks verkaufen. „Wir machen auch schon mal ‘Eltern vs. Kinder’-Spiele, etwa Leitergolf oder Teebeutel-Weitwurf. Einfach, um die Zeit zusammen noch ein bisschen zu genießen.“ Leider fiel in diesem Jahr die traditionelle Zeltübernachtung am Labyrinth mit gemeinsamen Abschlussfrühstück am Freitag witterungsbedingt aus. „Das ist auch besser so. Ein Jahr hat uns ein Sturm ein Mercedes-Zelt gegen eine Hütte geblasen. Das teure Riesenzelt hat sich verbogen, nur die Hütte blieb heil“, erinnerte sich Lena schmunzelnd. 

Obwohl sich der Regen Donnerstagabend anbahnte, blieben noch beinahe alle Kinder mit ihren Familien zum Fest. Stolz konnten sie ihre grünen Teilnehmerurkunden abholen. „Ich möchte nächstes Jahr unbedingt nochmal mitmachen. Dieses Jahr sind meine Freunde und ich auf andere Schulen gekommen. Jetzt konnte ich nochmal alle wiedersehen. Und zusammen die Holzhütte zu bauen, das hat super viel Spaß gemacht“, fasst Tizian (10) sein „Haudibau“-Erlebnis zusammen. 

„Haudibau“-Bauspielplatz am Stupperhof

Und was passiert mit den Hütten? Wenn die Eltern die Kapazität haben, die Holzbauten ihrer Kinder zu transportieren, dürfen sie diese mitnehmen. Als Erinnerung an die erste Ferienwoche. Voller Baufieber und Gemeinschaftsgefühl.

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