Besondere "Weltall-Aktion"

Kinder befördern Kamera 35.000 Meter hoch in die Luft

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Hand in Hand: Gemeinsam wurde der selbstgebaute „Satellit“ in den Himmel geschickt.

Dumicke – „Hoch hinaus“ hieß wohl das Motto für die Wohngruppe Antonia des Josefshauses Olpe. Drei pfiffige Köpfe, Lena (9), Leo (10) und Timo (12), haben es mit der Unterstützung von Sascha Burghaus und Johanna Meier geschafft, eine Kamera mit Hilfe eines Wetterballons 35.000 Meter Richtung Stratosphäre zu befördern. Ein Projekt, das Selbstbewusstsein und Gruppenzusammenhalt stärke, so Gruppenleitung Anja Isabelle Falk.

„Jetzt könnt ihr den Ballon langsam loslassen, Stück für Stück“, rief Sascha Burghaus am Montag den Projektteilnehmern zu. Weiße Handschuhe hatten Lena, Leo, Timo und Johanna Meier angezogen, Gruppenleiterin Anja Isabelle Falk kam bereits an der Heliumpumpe zur Hilfe. Zahlreiche Dumicker waren zum Daumendrücken erschienen, staunten und knipsten Fotos. 

Dann hieß es: Abheben und abwarten, ob sich der Wetterballon hält. Mit 7 m/s flog die Kamera in der Styroporbox nun immer weiter in den Himmel hinauf. Applaus des Publikums folgte den sprachlosen Gesichtern der Aktionsbeteiligten, als der selbstgebaute „Satellit“ tatsächlich hinter den Wolken verschwand. Bevor die 650 Gramm schwere Box am Abend jedoch mit einer Fallgeschwindigkeit von 30 km/h wieder auf sicherem Boden in Wolfsburg landen konnte, galt es verschiedene Hindernisse zu überwinden. Temperaturen um die minus 70 Grad Celsius in der Luft etwa. Oder Windböen von bis zu 300 km/h. 

Deswegen hieß es für das clevere Trio zuvor: Rettungsdecke und Schaumstoff gegen die Witterungsbedingungen zuschneiden. Handwärmer aus Aktivkohle in die Box legen. „Das zu bauen war so spannend, aber auch aufwendig“ - „Jetzt bin ich aufgeregt, hoffentlich klappt alles“ - „Mit den Jungs war es immer witzig“ - so lautete die Bilanz von Leo, Timo und Lena vor dem Start des riesigen, weißen Heliumballons. 

Aufnahmen aus der Vogelperspektive

„Das ganze ist ein einmaliges Projekt. Das gab es im Josefshaus noch nicht. Und wer von uns kann schon sagen, dass er als Kind eine Kamera in die Luft befördert hat? Es geht um die Erinnerung, das Gefühl von Zusammenarbeit und ‘Ich schaffe was aus eigener Kraft’“, stolz fasste Falk dieses Fazit. Auch Aktionsleiterin Johanna Meier stimmte ihrer Kollegin darin zu: „Wir können nur stolz auf die Kinder sein. Es ist gar nicht in Worte zu fassen, was sie für ihr Alter geschafft haben, sie haben nichts stur nach Anleitung gemacht. Sondern begeistert mitgetüftelt und überlegt.“ 

Die Idee, eine Kamera in einer Styroporbox zu befestigen, um zweieinhalb Stunden Aufnahmen von Stadt und Land aus der Vogelperspektive filmen zu können, stammt von den Projektmentoren. Sascha Burghaus hatte eine ähnliche Aktion selbst einmal als Schüler im Jahre 2012 durchgeführt. So entstand mit seiner Freundin Johanna Meier, die in Gruppe Antonia als Betreuerin arbeitet, die Idee, mit einigen von den Bewohnern dort auch einen Satelliten Richtung Weltall zu schicken. 

„Die Arbeit mit den Kindern war für mich ein kompletter Perspektivwechsel. Ich wusste ja selbst, was für Selbstbewusstsein einem ein Projekt geben kann, an dem man lange gearbeitet hat. Nachdem ich bei einer Fernsehsendung ein Experiment mit einem Wetterballon gesehen hatte, habe ich mit einem Team anderthalb Jahre daran gesessen, einen ähnlichen ‘Satelliten’ wie heute zu bauen. Jetzt geht es mir darum, Erfahrung weiterzugeben“, so Burghaus, während er den rot-weißen Fallschirm mit letzten Handgriffen an der Styroporbox befestigte. 

Gruppe Antonia schickt Kamera ins "Weltall"

Natürlich mussten für die Verwirklichung des Höhenflugs viele kleine und große Hände ineinander greifen. Es galt, die Genehmigung der Landesluftfahrtbehörde für den Start des Flugobjektes einzuholen. Aber auch zahlreiche Sponsoren erklärten sich bereit, den Satelliten zu fördern.

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