Thomas und Ramona Dickhaus restaurieren Goggo zum Hochzeitstag

„Kleine Kiste – ganz groß“

Selbst das Outfit des glücklichen Hochzeitpaares Thomas und Ramona Dickhaus passte zur schnuckeligen, rot-weißen „Hochzeitskutsche“: Ramona konnte mit ihrem Kleid problemlos ein- und aussteigen.

Es ist 48 Jahre alt, knapp 1,30 Meter hoch, 1,30 Meter lang, wiegt 415 Kilogramm und strahlt in rot-weißer Farbe: Wenn Thomas und Ramona Dickhaus mit ihrem kleinen Schätzchen – einem Goggomobil – durch Olpe düsen, kommt es des Öfteren vor, dass Leute stehen bleiben. Schließlich ist der Kleinstwagen ein echter Hingucker.

„Ich hab schon länger mit dem Gedanken gespielt, ein Auto zu restaurieren“, erzählt Thomas. „Mein Vater hat einen alten Trecker wieder auf Vordermann gebracht. Da habe ich natürlich auch gerne geholfen.“ Als er hörte, dass in der Garage eines Bekannten ein Goggo vor sich hin rostet, war schnell klar: „Das alte Autochen möchte ich wieder aufbauen“. Das kleine Goggomobil hatte wahrlich schon bessere Tage gesehen. Seit 1983 schlummerte es in der Garage und wurde langsam von Rost und Salzresten zerfressen.

Als Familie Dickhaus Ende Oktober 2012 anrückte, um den kleinen Rosthaufen auf den Anhänger zu packen, ließ dieser sich keinen Zentimeter mehr bewegen: Die Bremsen waren vollkommen fest gerostet. Zum Glück wiegt das Töfftöff nur knapp über 400 Kilo und lässt sich so mit einigen kräftigen Helfern problemlos auf den Anhänger wuchten. In der Dickhausschen Garage in Scheda angekommen, machen sich Vater und Sohn sofort ans Werk. Schräubchen für Schräubchen zerlegten die beiden das Vehikel und sagten dem Rost den Kampf an. „Ich hab Thomas kaum noch gesehen. Er kam von der Arbeit und direkt ging’s ab zum Goggo“, schmunzelt Ramona. Sie hatte auch die Idee, das kleine Schätzchen zur Hochzeitskutsche zu machen. Allerdings wollte das junge Paar bereits im Juli heiraten, das heißt, es blieben nur knapp acht Montage zum Restaurieren – neben der Arbeit natürlich.

Und so wurden die Ärmel hoch gekrempelt: „Das Gute an dem Goggomobil ist, dass man die komplette Verkleidung in einem Stück mit rund 90 Schrauben lösen und zu zweit abheben kann – das sogenannte Häubchen“, so Vater Gerd-Josef. Zunächst hieß es: schmirgeln, schleifen, spachteln, schweißen. „Gott, was hatte ich Muskelkater in den Armen“, erinnert sich Ramona. Jedes Schräubchen, jede Ecke und jede Kante galt es, von den Alterserscheinungen zu befreien. „Die kleineren Teile haben wir in Kukident gelegt. Der Schmutz hatte keine Chance. Den Tipp hatte ich aus dem Internet“, erzählt Thomas. Die Original-Ersatzteile wurden in mühsamer Recherchearbeit zusammengesucht. „Besonders schwierig war es, an ein bestimmtes Fahrwerksteil zu kommen“, sagt Gerd-Josef Dickhaus. „Dafür mussten wir extra nach Büsingen fahren, eine deutsche Enklave in der Schweiz.“

Freunde und Familie packten selbstverständlich tatkräftig mit an. So bezog Thomas Mutter Claudia – passionierte Hobbyschneiderin – zum Beispiel gemeinsam mit Schwiegertochter Ramona die Sitze mit grauem Leder und passte die Innenverkleidung an. „Jetzt sitzt man wie auf einer Couch“, schmunzelt Ramona. Alle mechanischen Teile, der Motor im Kofferraum mit einem Hubraum von 247 Kubikzentimeter und 10 kW (13,6 PS) Leistung, Getriebe, Kupplung, Vergaser, Gelenkwellen, Kreuzgelenke, Lenkgetriebe, Spurstangen, Bremsen, Bremsleitungen, Räder, Lager, Felgen oder Reifen wurden generalüberholt, teilweise erneuert und wieder zusammengeschraubt. An der Karosserie galt es einige Bleche zu erneuern und zu schweißen – und langsam wurde die Zeit bis zur Hochzeit knapp... Kurzerhand wurde die Karosserie kurz vor der Hochzeit zum Lackierer – der Firma Bespinar am Breithammer bei Dahl-Friedrichsthal – transportiert, der in wahrer Rekordzeit das Häubchen in rot und weiß lackierte. „Das war echt unfassbar“, freut sich Thomas immer noch.

Es galt noch eine letzte Hürde zu nehmen: den TÜV. Das kleine Vehikel wurde nochmals auf den Anhänger gepackt und ab ging’s zur letzten Abnahme. „Da der Goggo zu klein für den Bremsenprüfstand war, wollte der Prüfer eine Runde drehen – und kam hinterher aus dem Strahlen gar nicht mehr raus“, lacht der 29-jährige Ingenieur. Für eine kleine Überraschung am Hochzeitstag, dem 12. Juli, sorgte Thomas noch: Er hatte das Nummernschild mit den Anfangsbuchstaben „T“ und „R“ sowie dem Hochzeitsdatum generieren lassen.

Und auch Thomas Schwestern Theresa und Christina sorgten für einen kleinen Hingucker. Sie schenkten dem jungen Brautpaar die Verchromung des Goggomobils und so ist über dem Nummernschild zu lesen: „Wer bremst, verliert“.

Logisch, dass auch der Hochzeitstag etwas ganz Besonderes wurde – und so mancher mit offenem Mund stehen blieb, als die frisch Vermählten in seiner Hochzeitskutsche vorbei brausten.

Das Goggomobil

Das Goggomobil war ein Kleinstwagen (Rollermobil) der Hans Glas GmbH in Dingolfing, der von 1955 bis 1969 in verschiedenen Versionen hergestellt wurde.

Der Preis betrug etwa 3500 DM. Neben der Limousine wurde von 1957 bis 1969 eine Coupé-Variante unter der Bezeichnung TS angeboten, ein Zweisitzer mit zwei zusätzlichen Not- bzw. Kindersitzen und Panorama-Heckscheibe.

Am 30. Juni 1969, zwei Jahre und sechs Monate, nachdem BMW die Hans Glas GmbH übernommen hatte (wirksam zum 10. November 1966), endete die Produktion des Goggomobils. (Von Miriam Hubmayer, m.hubmayer@sauerlandkurier.de)

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