Raus aus der Einsamkeit

ERGO Award: Nina Hoffmann schreibt über ihre Krankheit

Nina Hoffmann mit ihrer Hündin Emily.

Halbhusten/Köln. „Egal, was die Zukunft für mich bereit hält – eins steht auf jeden Fall für mich fest: Ich lasse mich von dieser Erkrankung nicht ausbremsen.“– Mit diesen Worten sagt Nina Hoffmann ihrer Krankheit online den Kampf an.

Die 32-Jährige kommt gebürtig aus Halbhusten und wohnt jetzt in Köln. Die progressive Muskeldystrophie ist seit ihrem 2. Lebensjahr ihr ständiger Begleiter. Durch die Erkrankung wird die Muskulatur immer schwächer und baut sich mehr und mehr ab. Ihr ganzer Körper ist betroffen. Seit zehn Jahren ist Nina Hoffmann auf einen Elektro-Rollstuhl angewiesen. Sie kann weder laufen noch stehen. In ihrem Blog schreibt die junge Frau über ihr Leben mit der Krankheit. „Ich zeige der halben Welt mein Innerstes und meine Gedanken“, erzählt sie auf Nachfrage des SauerlandKurier „Ich erzähle von Dingen, wo ich früher dachte, dass ich dafür abgelehnt werde.“ 

Hilflosigkeit, Wut und Trauer 

Jahrelang habe sie sich für ihr Krankheit „furchtbar geschämt“. Dies änderte sich im Jahr 2005: Nach einem Besuch der Reha Care Messe in Düsseldorf entschied sie sich für einen Assistenzhund. „In meiner damaligen Situation war ich geprägt von Gefühlen wie Hilflosigkeit, Wut und Trauer über den Verlust meiner Gehfähigkeit und Integrität. Ich assoziierte den Rollstuhl mit Stillstand, Isolation, Einsamkeit und war der Meinung, dass mein Leben aufgehört –bevor es überhaupt richtig begonnen hatte“, schrieb sie auf ihrem Blog. Im Ausbildungszentrum von VITA in Hümmerich lernte sie die schwarze Labradordame Emily kennen. Das Ziel war es, dass Emily Aufgaben wie zum Beispiel Gegenstände apportieren und Schubladen öffnen für sie übernimmt. „Mit Emily hatte ich nicht mehr die Wahl, ob ich rausgehe oder nicht. Ich musste“, erzählte Nina. Sie kam immer mehr in „positiven Kontakt“ mit ihrem Umfeld. „Plötzlich war der Rollstuhl keine Barriere mehr im Kontakt zu Fußgängern.“

Mit Anfang 20 zog Nina nach Köln, um „Soziale Arbeit“ zu studieren. „Seit knapp fünf Jahre lebe ich mein Leben selbstbestimmt mit Hilfe von 24-Stunden Assistenz“, erzählte sie stolz. Bis Dezember 2015 arbeitete sie beim Jugendamt, dann wendete sie sich ihrem „Herzenprojekt“ zu und begann beim Verein „VITA Assistenzhunde“. Sie berät andere Betroffene und bildet Hunde aus. Trotz ihrer körperlichen Beeinträchtigung sucht sie immer neue Herausforderungen wie Tauchen oder Segelfliegen. Die Reaktionen der Leser auf ihre Beiträge bekräftigen die junge Frau. „Ich habe ja mit vielem gerechnet, aber nicht damit, dass sich so viele für mich einsetzen“, sagt sie „Die Muskeldystrophie hat mich gelehrt, dass auf jeden Verlust auch wieder ein Gewinn folgt. Je schwächer mein Körper wird, umso stärker wird mein Geist und der Wille es trotzdem zu schaffen.“ 

Onlinevoting bis 30. November

Mit ihrem Blogeintrag „Von Abschieden und Neuanfängen mit Muskeldystrophie“ hat sie sich vor einigen Wochen für den ERGO Award „#DeinWeg 2016“ beworben. „Ich bin durch Zufall auf die Ausschreibung gestoßen“, erzählt sie. „Ich habe es am Donnerstag gesehen und Dienstag war bereits der Einsendeschluss.“ Innerhalb von zwei Tagen schrieb sie ihre Geschichte auf – „Es floss einfach.“ Der ERGO Award #Dein Weg 2016 richtet sich an „Menschen, die sich mit möglichen Schwierigkeiten auseinandersetzen und dennoch nicht von ihrem Weg abweichen. Menschen, die sich selbstständig machen und dafür etwas riskieren.“ Unter 80 Bewerbern wurde Nina Hoffmann von einer sechsköpfigen Jury mit 19 weiteren Beiträgen ins Finale gewählt. Nun sind die Leser gefragt: Bis zum kommenden Mittwoch, 30. November, können sie beim Onlinevoting für ihren Favoriten abstimmen. Von dem Preisgeld würde sich Nina einen Traum erfüllen: Ein eigenes Buch schreiben. „Ich möchte keine Luxusgüter. Ich schreibe sehr gerne und möchte mich daher gerne weiterbilden und einen Kurs im kreativen Schreiben belegen.“ Aktuell liegt sie auf dem ersten Platz mit 725 Stimmen (Stand: 25. November). „Ich für meinen Teil habe schon gewonnen: Ich habe meine Geschichte zu Papier gebracht und niemals damit gerechnet, dass so viele Menschen daran teilhaben und mich unterstützen. Das ist das größte Geschenk.“ 

Hier geht es zum Onlinevoting.

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